Winterhochwasser

Mit Wiski und Soda gegen die Flut

Die Pegel im Kreisgebiet sinken. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Verden geht davon aus, dass sich die Wasserstände bis zum Monatsende wieder normalisiert haben.
06.03.2020, 17:00
Lesedauer: 3 Min
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Mit Wiski und Soda gegen die Flut
Von Jörn Dirk Zweibrock
Mit Wiski und Soda gegen die Flut

Vergleicht den Lattenpegel in Eitze mit den Messwerten im Pegelhaus: Andreas Koslowski.

Björn Hake

Land unter heißt es derzeit rund um das Pegelhaus in Eitze. Obwohl – so dramatisch wie es dort aussieht, ist die Lage eigentlich gar nicht. „Aktuell herrscht Meldestufe 2“, erklärt Andreas Koslowski, beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser für die Wasserstraßenüberwachung und Gewässerkunde zuständig. Er spricht von beginnenden Ausuferungen, was soviel bedeutet, dass sich Aller und Weser momentan ausbreiten. Der Pegelstand in Eitze beträgt gerade 5,04 Meter, liegt damit rund 30 Zentimeter höher als sonst. Im Gegensatz zur hochwassergefährdeten Aller ist der Mutterfluss, die Weser, in diesem Jahr noch nicht groß über die Ufer getreten.

Auch am Standort Eitze werden die Pegelstände nach der Wiski- und Soda-Methode ermittelt. Nein, dabei handelt es sich keineswegs um Kaltgetränke, sondern vielmehr um ein ausgeklügeltes Mess-System. Es besteht aus einem sogenannten Ausperler und einer Drucksonde. Über den simultanen Online-Datenabruf Soda werden die Messwerte in die Datenbank Wiski, das wasserwirtschaftliche Info-System, eingepflegt. Zugriff hat darauf beispielsweise der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, kurz NLWKN.

Einmal pro Woche schaut Koslowski im Pegelhaus am Eitzer Allerufer vorbei und vergleicht, ob die Anzeige im Schaltschrank mit dem Lattenpegel am nahen Allerufer übereinstimmt. Analog zu Eitze befinden sich auch in Intschede und Dörverden Pegelhäuser, dort allerdings am Weserstrand.

„Wenn wir keine ergiebigen Niederschläge mehr bekommen, gehe ich davon aus, dass sich die Situation bis zum Monatsende wieder vollends entspannt hat“, prognostiziert der Ingenieur vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Verden. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) arbeitet von Haus aus eng mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zusammen. Im Schnitt falle der Wasserstand momentan pro Tag um 10 bis 15 Zentimeter – vorbehaltlich größerer Niederschläge. „Den Scheitelpunkt hatten wir schon in dieser Woche erreicht“, erläutert Koslowski.

Warum ist die Aller, der größte Fluss Norddeutschlands, der nicht ins Meer mündet, eigentlich so anfällig für das jährlich auftretende Hochwasser? „Im Vergleich zur Weser ist der untere Bereich nicht reguliert. Das letzte Linienschiff ist 1968 auf der Aller bis nach Celle gefahren, seitdem wurde dort nicht mehr gebaggert“, sagt Andreas Koslowski. Es würde wirtschaftlich gesehen einfach keinen Sinn mehr ergeben. Seit der Einstellung der Frachtschiffahrt werden die Unterhaltungsmaßnahmen dementsprechend zurückgefahren. „An der Weser glättet traditionell die nordhessische Edertal-Sperre die Hochwasserspitzen“, weiß der Sachbearbeiter vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser.

Im Februar dieses Jahres wurden die Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter Verden und Hannoversch Münden aufgelöst und zum Amt Weser zusammengelegt. Der Verdener Amtsbezirk unter der Leitung von Henning Buchholz erstreckt sich auf der Weser von der Grenze zu Bremen bis nach Minden in Nordrhein-Westfalen. Auf der Aller hingegen bis Celle und auf deren Nebenfluss, der Leine, bis vor die Tore Hannovers, genauer gesagt bis nach Herrenhausen.

„Drei Hochwasser-Meldestufen gibt es. Wird bei der ersten der ÜHWG, der überregionale Hochwassermeldedienst, in Bereitschaft versetzt, handelt es sich bei der dritten um großflächige Überschwemmungen“, erläutert Koslowski. In dieser Saison wurde gerade einmal die Weser-Schifffahrt bei Schlüsselburg (Petershagen) für drei Stunden ausgesetzt, weiß der Ingenieur. Zu Straßensperrungen wegen Überflutungen sei es in den vergangenen Tagen allerdings nicht im Verdener Kreisgebiet gekommen.

Das höchste jemals in Europa gemessene Hochwasser war nach Worten von Andreas Koslowski das Magdalenen-Hochwasser im Jahre 1342.

Interessierte können die Pegelstände im Kreisgebiet auch im Internet abrufen und zwar unter der Adresse www.pegelonline.wsv.de. Zudem werden der aktuelle Pegelstand für Eitze sowie die gespeicherten Werte unter der Rufnummer 0 42 31/ 93 52 86 durchgesagt.

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