Wahlkampf

Mittagspause mit Trittin

Jürgen Trittin verbrachte am Donnerstag seine Mittagspause mit den Verdenern. Auf dem Podest am Rathausplatz ging es um Klimaschutz und schmelzende Eisberge.
10.08.2017, 17:59
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Mittagspause mit Trittin
Von Anna Zacharias
Mittagspause mit Trittin

Der symbolische Mini-Eisberg schmolz unaufhaltsam: Jürgen Trittin, Umweltexperte der Grünen, sprach auf dem Podest am Verdener Rathausplatz über das Thema Klimawandel.

Björn Hake

Landkreis Verden. Das grüne Fähnchen neben dem Mann im grauen Anzug dreht sich eifrig im Wind auf dem Podest am Rathausplatz. „Er ist ja noch größer als im Fernsehen“, sagt eine Zuhörerin zur anderen. Gemeint ist Jürgen Trittin, ehemaliger Bundesumweltminister und jetzt Umweltbeauftragter der Grünen.

Quasi auf der Durchreise von Lingen nach Bremen will er die Mittagspause mit den Verdenern verbringen. Erst sind es nur eine Handvoll – in erster Linie Parteimitglieder aus dem Landkreis – die ihm bei seinen Ausführungen zum Klimawandel oder dem Abgasskandal zuhören. Dann bleiben nach und nach Passanten stehen, bis sich rund 50 Zuhörer um das Podest scharen.

Am Rande verteilt Karin Labinsky-Meyer von den Kreis-Grünen veganes Erdbeereis – und das, obwohl der Gast selbst noch nicht einmal Vegetarier ist. Während der Rede des Umweltexperten tropfen die Reste eines schmelzenden Eisbergs über das Podest, symbolisch passend zur Klima-Agenda.

Beim Abgasskandal hat Trittin die volle Aufmerksamkeit von Evelyn Schneider, die eigentlich nur zufällig um die Mittagszeit am Rathausplatz vorbeigekommen ist. „Ich fahre selbst einen Diesel, in dem Auto steckt quasi mein Sparbuch, und es ärgert mich zu Tode“, sagt die Passantin. Sie ist zwar nicht extra hierher gekommen, um den Umweltexperten reden zu hören, aber sie meint: „Ein bisschen Grün im Bundestag muss sein“.

Wie auch der neben ihr stehende Verdener Jens Zimmermann glaubt sie nicht, dass der überraschende Wechsel der Abgeordneten Elke Twesten zur CDU die Wähler in ihrer Meinung stark beeinflussen wird. „Bestechlich sind die doch alle“, meint sie zu dem Thema.

Politiker schwärmen aus

Der heiße Kampf um die Kreuze auf den Wahlzetteln hat mit dem Ende der Sommerferien begonnen, jetzt schwärmen alle aus. In den kommenden Wochen stehen diverse Besuche der politischen Prominenz aus Land und Bund im Landkreis Verden an, um den Kandidaten vor Ort Schützenhilfe für die Bundestagswahl am 24. September und nun auch noch für die Landtagswahl am 15. Oktober zu geben.

Am Freitag, 18. August, hat sich beispielsweise Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD) zum Sommerfest seiner Partei am Allerpark in Verden angekündigt und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt diskutiert am Freitag, 18. August, beim Hannoveraner Verband über Tierhaltung, Rinder- und Pferdezucht. Durch eine Allee aus Plakaten entlang der Einfahrtstraßen nach Verden wird auch der Parlamentarische Staatssekretär Jens Spahn (CDU) fahren, wenn er sich am Dienstag, 15. August, die Fabrik von Keks Freitag in Verden ansieht.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kommt am 14. September nach Achim, Franz Müntefering (SPD) besucht das Verdener St. Johannisheim und das Deutsche Pferdemuseum am Dienstag, 15. August, und auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) will am 22. August in den Wahlkreis kommen. Kanzlerin Angela Merkel gibt sich in der Region am 13. September in die Heidmarkhalle, Bad Fallingbostel, sowie am 15. August auf den Marktplatz in Bremen die Ehre. Grünen-Promi Jürgen Trittin legt in Verden erst mal eine „zündende Rede“ hin, wie einer seiner Anhänger – jüngst von der SPD zu den Grünen gewechselt – findet. Aber schließlich sei er Bremer, und die, findet der junge Mann, tragen ihr Herz auf der Zunge.

Trump und gemähte Wiesen

Im Anschluss suchen dann noch einige das Gespräch. „Viele haben diffuse Ängste, zum Beispiel bezüglich der Unberechenbarkeit Trumps“, sagt Trittin. Aber auch auf scheinbar banale Themen wird er angesprochen, beispielsweise beschäftigte einen Bürger die Frage, ob Wiesen zum Schutz der Insektenwelt später gemäht werden könnten. Und vom Fall Twesten bleibt Trittin auch nicht verschont: „Ich finde nicht, dass wir in der Sache den Erklärbedarf haben“, sagt er mit Blick auf die CDU.

Für ihn geht es nach Gesprächen mit den Verdenern, einem Stück Pizza und einem Cappuccino im Restaurant am Rathausplatz weiter nach Bremen, wo er zum Promikochen eingeladen ist. Vorher muss er aber erst noch in die Heimat Vegesack: Besuch bei Muttern.

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