Naturschutzbund

Lebensraum für Sonnenanbeter

Nicht nur viele Pflanzen und ein wenig Wasser machen einen naturnahen Garten zu einer Oase für Tiere. Auch Trockenmauern bieten einigen Arten Schutz und Schatten.
07.07.2021, 16:32
Lesedauer: 2 Min
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Von Marie Lührs
Lebensraum für Sonnenanbeter

Sogenannte Trockenmauern und der passende Bewuchs schaffen ein Paradies für allerlei Tiere.

Nabu/Eric Neuling

Wer sich um einen naturnahen Garten bemüht, der hält für seine tierischen Besucher häufig auch einen Teich, Miniteich oder zumindest eine kleine Sumpfzone bereit. "Dass im naturnahen Garten aber auch trockene, Wärme nutzende und Wärme brauchende Kleinlebensräume mithelfen können, Artenvielfalt zu sichern, ist wesentlich weniger bekannt", erklärt Leonie Jordan. Sogenannte Trockenmauern böten beispielsweise einen geeigneten Unterschlupf für Eidechsen, Ringelnattern, Wildbienen und Laufkäfer, erläutert die Leiterin der Regionalgeschäftsstelle des Naturschutzbundes Weser-Mitte mit Sitz in Verden. 

Für den Bau einer Trockenmauer müssen nicht unbedingt teure Steine aus Steinbrüchen verwendet werden, häufig können beim Pflügen an die Ackeroberfläche gelangte Lese- und Feldsteine bei Landwirten erworben werden. Auch gebrannte Ziegelsteine, wie sie oft bei Hausabbrüchen oder bei der Erneuerung alter Gehwege auftauchen, können für Eidechsen, Ringelnattern und Insekten einen Schutzraum bilden. "Entscheidend ist, dass eine Art 'Anti-Versink-Unterlage' und gleichzeitige Drainage angelegt wird, indem eine Schicht aus verdichtetem Kies oder anderem Substrat am Boden geschaffen wird", betont Jordan. Gut bewährt habe es sich, diese Schicht mindestens 30 Zentimeter dick anzulegen. Je nach Bodenbeschaffenheit könne eine noch tiefere Anlage ratsam sein. Die Schicht ermöglicht, dass Feuchtigkeit abfließen kann.

Da Trockenmauern insbesondere ein Anzugspunkt für Sonnenanbeter sind, sollten sie idealerweise von West nach Ost angelegt werden. Neben den Steinen sollte auch magerer Boden zum Einsatz kommen. Gut bewährt habe sich auch etwas Muschelkalk, wie er im Bau- und Tierfutterhandel erhältlich ist, empfiehlt der Nabu.

Doch das Mauerwerk ist nur der Anfang. Mit der richtigen Bepflanzung von Fugen und Hohlräumen werde der Garten zum Magneten für Tiere, verspricht Jordan. Besonders gut geeignet seien Fetthenne, Akelei, Schafgarbe, Alant, Lavendel, Rainfarn, Königskerze, Sand-Thymian, Heidenelke, Zimbelkraut und Beinwell. Der Nabu rät, das Grün gleich beim Setzen der Mauer mit einzupflanzen. "Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Natur den Bewuchs selbst übernimmt und vor allem Gräser dominant werden."

Spezialisten wie die Mauerraute, der Streifenfarn oder das Hungerblümchen gedeihen in sehr kleinen Nischen und Fugen. Sie locken allerlei Klein- und Kleinsttiere an, etwa den Hautflügler, wenn die Fugenfüllung lehmig ist, oder auch Spinnen, die auf Beute lauern.

Akkurate Abschlüsse sind bei einer Mauer dieser Art nicht gewünscht, denn gerade Lücken und Hohlräume in verschiedenen Größen und Höhen sind für die Tierwelt interessant. Insekten können sich an heißen Tagen in kühle Ritzen zurückziehen. Eidechsen und Blindschleichen sind ebenso dankbar für einen Unterschlupf. Ist dieser besonders kühl und feucht, können dort sogar Kröten einen heißen Tag gut überstehen. "Das funktioniert am besten, wenn vor den bodennahen Hohlräumen Vegetation stehen bleiben darf", erklärt der Nabu. 

"Die Trockenmauer kann ein besonders spannender Lebensraum sein und sollte in keinem Garten fehlen", findet Leonie Jordan. Sie rät Gartenbesitzern zu "Mut zum Experiment"

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