Nabu-Aktion Der Vogel des Jahres wird gesucht

Der Nabu ruft zur Stimmabgabe auf: Fünf bedrohte Arten stehen bis Ende Oktober zur Wahl, unter anderem der Feldsperling und das Teichhuhn.
27.09.2022, 14:52
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Der Vogel des Jahres wird gesucht
Von Andreas Becker

Etliche heimische Vogelarten sind in ihrem Bestand gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Um den Blick der Öffentlichkeit auf diese Arten zu richten, organisiert der Naturschutzbund (Nabu) alljährlich die Wahl zum Vogel des Jahres. In Deutschland leben mehr als 300 Vogelarten. Der Nabu hat fünf Arten ausgesucht, unter denen abgestimmt werden kann. Darauf weist Leonie Jordan vom Nabu in Verden hin. Bis zum 27. Oktober können sich Interessierte unter www.vogeldesjahres.de an der Wahl beteiligen. Für den Jahresvogel 2023 gehen ins Rennen: Trauerschnäpper, Neuntöter, Teichhuhn, Braunkehlchen und Feldsperling. "Jeder der fünf Vögel steht für ein Naturschutzthema, das dringend mehr Aufmerksamkeit braucht. Denn Klimakrise, Insektenschwund, intensive Landwirtschaft und Verlust von naturnahem Grün bedrohen die Bestände unserer Vogelarten", erklärt Leonie Jordan.

Der Trauerschnäpper

Anders als sein Name vermuten lässt, ist der Trauerschnäpper ein fröhlicher Luftakrobat. Er fängt sein Insekten-Futter im Flug. Doch Insekten gibt es immer weniger. Außerdem hat er laut Nabu ein Zeitproblem: Weil der Frühling durch die Klimakrise immer früher beginnt, geht der Trauerschnäpper oft leer aus bei der Suche nach Bruthöhlen. Wenn er aus seinem Winterquartier südlich der Sahara zurück ist, sind viele Baumhöhlen und Nistkästen schon besetzt. Der Trauerschnäpper steht in Niedersachsen als "gefährdet" auf der Roten Liste. Die letzte Brutvogelzählung ergab für das Bundesland einen Bestand von 12.000 Revieren. Am häufigsten ist er in Wäldern mit Altholz und großer Baumhöhlendichte anzutreffen, etwa in Rotbuchenwäldern oder Eichenmischwäldern. Neben den Auswirkungen des Klimawandels machen dem Trauerschnäpper vor allem das abnehmende Angebot von höhlenreichen Wäldern und der Insektenschwund zu schaffen. 

Der Neuntöter

Der Volksmund hat dem Neuntöter das Image eines Serienkillers verpasst. Das liegt am speziellen Umgang mit seiner Beute. Er spießt Käfer, Heuschrecken und Hummeln an Dornen und Stacheln von Sträuchern und Hecken auf, um sie später zu verzehren. Allerdings hat der Neuntöter trotz dieser klugen Vorratshaltung immer weniger zu picken. Der Neuntöter steht auf der Vorwarnliste in Niedersachsen, aber seine Bestände haben sich in den vergangenen Jahren stabilisiert. Die letzte Vogelzählung ergab einen Revierbestand von 9500 Revieren in Niedersachsen. Das Verschwinden von Kleinstrukturen wie Hecken in der Kulturlandschaft ist ein Problem. Zudem dezimiert der Pestizideinsatz die Insekten, die seine Hauptnahrungsquelle bilden. Er lässt sich in und auf Hecken und am Waldrand beobachten. 

Das Teichhuhn

Dieser Wasservogel hält sich am liebsten im geschützten Uferdickicht stiller Gewässer auf. Aber es gibt immer weniger grüne Ufer. Schilf, Büsche und Bäume müssen oft zubetonierten oder kahlen Flächen weichen, Flüsse werden begradigt. In Niedersachsen ist das Teichhuhn sehr häufig in den Watten und Marschen anzutreffen, westlich der Weser fast flächendeckend. Das Teichhuhn steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste in Niedersachsen, er ist in seinem Bestand noch nicht gefährdet. Strukturreiche Verlandungszonen von stehenden oder langsam fließenden Gewässern sind der bevorzugte Lebensraum des Teichhuhns in diesem Bundesland. Aber auch in Teichen, Kanälen oder auf überfluteten Wiesen fühlt sich die Ralle wohl. Die letzte Brutvogelzählung ergab einen Bestand von 11.000 Revieren in Niedersachsen.

Das Braunkehlchen

Als Wiesenbrüter baut das Braunkehlchen sein Nest am Boden. Damit hat es schlechte Karten, wenn in der intensiven Landwirtschaft Wiesen häufig gemäht werden und Ackerflächen selten brachliegen. Ungemähte Blühstreifen könnten dieser Art sehr helfen. Das Braunkehlchen steht als "vom Aussterben bedroht" auf der Roten Liste in Niedersachsen. Laut Nabu wird es in absehbarer Zeit in Niedersachsen aussterben, wenn die Gefährdungsursachen nicht beseitigt werden. Seit den 1990er-Jahren ist sein Bestand in Niedersachsen um 83 Prozent zurückgegangen. In Niedersachsen sind die Vogelarten des landwirtschaftlich genutzten Offenlandes prozentual am stärksten gefährdet – das Braunkehlchen ist ein typischer Vertreter. Die Intensivierung der Landwirtschaft, der Umbruch von Grünland und die Nutzung von ehemaligen Brachflächen und Moorflächen gefährden den Bestand. Die letzte Revierzählung ergab einen Bestand von 1100 Paaren.

Der Feldsperling

Der Feldsperling landete bei der vergangenen Wahl auf Platz vier. Er hat sich, wie auch der Haussperling, den Menschen angepasst und lebt häufig auch in Siedlungen, Gärten und Parks. Der Feldsperling braucht bunte Grünflächen mit alten Bäumen und entspannte Gärtner, die es ein bisschen wilder im Garten mögen. Auch der Feldsperling steht in Niedersachsen auf der Vorwarnliste der Roten Liste. In Niedersachsen machen ihm vor allem der zunehmende Maisanbau der Landschaft, die Intensivierung der Landwirtschaft und die Strukturarmut seines Lebensraums zu schaffen.

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