Nato-Übung

Zwischen Realität und Fiktion

Bei der Joint Cooperation 2020 geht es um zivilmilitärische Zusammenarbeit in Pandemielagen. Aber auch Besuche in Verden und Dörverden stehen bei den Militärs auf dem Programm.
06.10.2020, 11:18
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Zwischen Realität und Fiktion
Von Jörn Dirk Zweibrock
Zwischen Realität und Fiktion

Die Nato-Großübung für zivilmilitärische Zusammenarbeit ist für die Soldaten ein fester Bestandteil im Jahresverlauf.

Björn Hake

Trotz Corona-Krise startet an diesem Montag, 5. Oktober, die internationale Großübung Joint Cooperation. Dabei handelt es sich um die Nato-weit größte Übung für zivilmilitärische Zusammenarbeit (CIMIC). Unter Pandemie-Bedingungen findet sie in diesem Jahr in einer ganz anderen Form statt, und zwar überwiegend digital. Aber nicht nur: Ein Besuch beim Katastrophenschutzstab des Landkreises Verden und der Initiative „Dörverden hilft“ steht dennoch auf der Agenda der Militärs.

Insgesamt haben 19 Nationen aus Europa und Übersee, vier Nato-Dienststellen sowie vier nationale und internationale zivile Organisationen ihre Mitwirkung zugesagt. Bei der zehnten Auflage der Joint Cooperation reisen die Teilnehmenden nicht wie gewohnt zu Hunderten nach Nienburg oder in die benachbarten Landkreise, sondern verbleiben in ihren Heimatländern und müssen ihre Zusammenarbeit auf Telefon, Mail und Videokonferenzen beschränken. „Dabei werden auch die Erkenntnisse aus diesjährigen Auslandseinsätzen ausgewertet, die ebenfalls unter Pandemie-Bedingungen bewältigt werden mussten“, erläutert Oberstleutnant Ulrich Baade.

CIMIC-Spezialisten kommt die Aufgabe zu, in Krisengebieten, in denen internationale Bündnistruppen eingesetzt sind, durch Erkundungen und Gespräche ein ziviles Lagebild zu erarbeiten. Entgegen den Vorjahren, in denen das Übungsgebiet auf den fiktiven Staat „Framland“ projiziert wurde, muss in diesem Jahr wegen der Corona-Situation auf eine Großlage verzichtet werden. Die einzelnen Erkundungsaufträge werden laut Baade mit kleinen „Taschenlagen“ verbunden.

Den Brückenschlag zur Realität bildet eine „Kräftespezifische Teamausbildung“. Dafür besuchen CIMIC-Teams den Katastrophenschutzstab des Landkreises Verden, der regionale Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie berät, sowie die Initiative „Dörverden hilft“, ein organisationsübergreifendes Netzwerk der Nachbarschaftshilfe für Menschen, die wegen Corona ihr Haus nicht verlassen können. „Aus den Besuchen sollen Erkenntnisse gewonnen werden, ob und wie die Schulung der Soldaten erweitert werden muss, um sie auf Einsätze in Pandemielagen vorzubereiten. Die Beobachtungen vor Ort werden außerdem in Echtzeit in die virtuelle Joint Cooperation eingespielt und dort ausgewertet“, erklärt Baade.

Die Nato-Übung ist nicht nur für die Soldatinnen und Soldaten im In- und Ausland ein fester Bestandteil im Jahresverlauf, sondern auch für viele Einheimische, die sonst als zivile Rollenspielende das Konzept der Übung mittragen und im Vergleich zu anderen Nationen den „Unikat-Charakter“ der Übung prägen. Doch dieses Jahr ist eben alles anders. Oberstleutnant im Generalstabsdienst Jens Riede, der für die Planung und Organisation der Übung verantwortlich ist, sieht es mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Natürlich ist es schade, dass wir die ursprüngliche umfangreiche Planung nicht umsetzen können, da waren einige neue Highlights vorgesehen. Und vielen langjährigen Teilnehmenden, die dieses Jahr nicht mitmachen können, wird etwas fehlen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die geplante Neuausrichtung der Übung wird im nächsten Jahr aufgegriffen. Und wir nutzen dieses Jahr die Chance, um festzustellen, wie wir unser Handeln in Pandemielagen noch weiter verbessern können.“

Vor drei Jahren wurde noch der Dörverdener Rathausvorplatz von Bundeswehrfahrzeugen und -zelten gesäumt. Auch Bürgermeister Alexander von Seggern hat sich bereits als Rollenspieler versucht. Das Verdener Krankenhaus war ebenfalls schon Schauplatz für die internationale Großübung für zivilmilitärische Zusammenarbeit.

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