Erdgasförderung

Neue Bohrung: Landkreis fordert Gutachten

Die Bürgerinitiativen Walle und Scharnhorst gegen Gasbohren planen einen Protestmarsch am Sonntag. Die Dea will im Wasserschutzgebiet bohren.
06.12.2017, 16:47
Lesedauer: 2 Min
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Neue Bohrung: Landkreis fordert Gutachten
Von Anna Zacharias
Neue Bohrung: Landkreis fordert Gutachten

Scharnhorst von oben: Gegen die Pläne der Dea formiert sich Widerstand.

Erich Schwinge

Die Ankündigung der Deutschen Erdöl AG (Dea), in Verden-Scharnhorst im Wasserschutzgebiet bohren zu wollen, hat in der Region für Aufregung und starke Proteste gesorgt (wir berichteten). Jetzt hat der Landkreis Verden in einem Schreiben an das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) eine Umweltverträglichkeitsprüfung gefordert.

Der Antrag der Dea wird derzeit von der Verwaltung in Abstimmung mit dem gewässerkundlichen Landesdienst (GLD) auf Vollständigkeit geprüft. Entscheidend dafür, ob eine Bohrung genehmigt wird, ist der Nachweis der dauerhaften Unschädlichkeit für das Grundwasservorkommen der Panzenberger Rinne. Das Erlaubnisverfahren ist nach Angaben des Landkreises nicht öffentlich. Wie die Dea Landrat Peter Bohlmann mitgeteilt habe, sollen die Antragsunterlagen aber auf der Webseite des Unternehmens publik gemacht werden.

In seinem Schreiben an das LBEG begründet der Landrat, warum eine Umweltverträglichkeitsprüfung zwingend erforderlich sei. Das sei unter anderem deswegen der Fall, weil das Neuvorhaben nach Einschätzung der zuständigen Behörde erhebliche nachteilige Umweltauswirkungen haben könne.

Die neue Bohrung soll den Namen Völkersen Z12 tragen und sich neben der bestehenden Förderstelle Z4 befinden. Da hier eine „kumulierende Wirkung“ zwischen dem alten und dem neuen Vorhaben bestehe, seien die Auswirkungen der Bohrstelle Z4 als Vorbelastung zu berücksichtigen.

„Die Bohrung soll in einem Gebiet mit einem der wichtigsten Trinkwasservorkommnissen Niedersachsens durchgeführt werden“, sagt der Landrat deutlich und meint damit die Rotenburger Rinne. „Folglich ist hier ein ökologisch überdurchschnittlich empfindliches Gebiet betroffen“, erklärt er. Nicht nur der Landkreis Verden selbst sei davon abhängig, auch die Hansestadt Bremen, der Landkreis Rotenburg und Teile des Landkreises Nienburg. „Bei einem Störfall könnte durch die Verunreinigung eine Gefahr für Leib und Leben vieler Menschen entstehen“, sagt Bohlmann. Und diese Gefahr bestehe durch die Lebensmittelindustrie sogar überregional.

Die potenzielle Zerstörung einer der wichtigsten Trinkwasserreserven Niedersachsens, das macht der Landrat mehr als deutlich, sollte unter keinen Umständen riskiert werden. Nicht nur die Gesundheit der Menschen, auch die Arbeitsplätze in der Region hingen davon ab, denn viele Firmen der Lebensmittelindustrie seien von guter Wasserqualität abhängig. Bereits vor einiger Zeit hatte sich der Landkreis Verden gemeinsam mit der Stadt in einer Resolution gegen die Erdgasförderung in der Region ausgesprochen.

In der Zwischenzeit hat sich auch eine Protestbewegung gegen das Vorhaben der Dea formiert. Zu einer ersten Aktion laden die Bürgerinitiativen (BI) Walle und Scharnhorst gegen Gasbohren gemeinsam mit den Bürgerinitiativen des Landkreises am Sonntag, 10. Dezember, um 10 Uhr Bewohner aus Nah und Fern, beteiligte Politiker aus Stadt, Kreis und Land sowie Fachleute aus den Bereichen Gesundheit, Trinkwasser und Umwelt zu einem Spaziergang nach Verden-Scharnhorst ein.

Dabei können sich die Teilnehmer unter anderem mit den örtlichen Gegebenheiten und möglichen Folgen vertraut machen sowie Gespräche darüber führen, wie weitere Vorhaben der Erdgasförderindustrie in der Region verhindert werden können. Für Rückfragen und weitere Informationen steht Marin-P. Busch von der BI unter der Telefonnummer 0 42 30 / 15 14 16 oder per E-Mail an die Adresse info@walle-gegen-gasbohren.de zur Verfügung.

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