50 Jahre Städtepartnerschaft

Neuer Blick auf eine alte Freundschaft

Gleich zwei Ausstellungen widmen sich in Verden der jahrzehntelangen Partnerschaft mit Saumur. Darin zeigt sich vor allem, mit wie viel Herzblut die Verdener bei der Sache waren und es noch sind.
08.08.2017, 16:19
Lesedauer: 3 Min
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Neuer Blick auf eine alte Freundschaft
Von Anna Zacharias
Neuer Blick auf eine alte Freundschaft

Roswitha Urbanski, Andrea Lutter, Jochen Benner und Kathrein Goldbach (v.l.) haben die vielen Zusendungen der Verdener sortiert und gestalten eine Ausstellung im Domherrenhaus.

Björn Hake

Verden. Viele Verdener haben ihr Herz an die französische Stadt Saumur verloren. Das merkt man allein an den zahlreichen Mails und Zuschriften, die das Verdener Dokumentationszentrum Doz 20 am Holzmarkt bekommen hat, nachdem öffentlich um Bilder und Dokumente zu 50 Jahren Städtepartnerschaft gebeten wurde. Und man merkte es auch am Montagabend im Verdener Rathaus, als eine Fotoausstellung mit 40 Motiven aus Saumur und Verden eröffnet wurde.

Diesen Anlass nutzte Bürgermeister Lutz Brockmann, um sich bei den Lehrkräften zu bedanken, die den Schüleraustausch über die Jahrzehnte am Leben gehalten haben – sie durften sich als kleine Überraschung in das Goldene Buch der Stadt Verden eintragen. Hunderte Klassen und Tausende Schüler sind über die Jahre von einem Nachbarland ins andere gereist, seitdem die Freundschaft am 19. Juni 1967 besiegelt wurde. Von den Vereinen, Chören oder Privatinitiativen gar nicht zu sprechen.

Der Place St-Pierre, ein Volksfest – fast wie die Domweih – zwei Radfahrer in schwarz-weiß oder die malerische Loire-Brücke sind auf den Bildern zu sehen, vor denen Mitorganisatorin Sabine Mandel zur Eröffnung am Montagabend stand. Die Bilder des Fotoclubs Saumur bilden eine Wanderausstellung, die bereits in Frankreich zu sehen war und noch bis zum 23. September im Rathaus zu sehen ist. Ende August, verriet Mandel, wird auch noch die Delegation aus Frankreich zu einem Empfang mit dem Partnerschaftsverein erwartet.

Die Realschule, das Domgymnasium und das Gymnasium am Wall waren im Schüleraustausch sehr aktiv, jetzt wollen auch die Berufsbildenden Schulen (BBS) mitmischen. Lehrerin Silke Garms ist bereits in Saumur – bei Temperaturen um die 38 Grad – von Tür zu Tür gegangen und hat bei Firmen angefragt: Die Schule will im nächsten Juni im Rahmen des Europäischen Wirtschaftsdiploms jungen Verdenern in französischen Unternehmen ein Praktikum ermöglichen.

„Wir haben schon Hotels, Bekleidungsgeschäfte, einen Supermarkt, ein Bootsunternehmen, Brasserien und ein Eiscafé dabei“, sagte Garms. Zehn Plätze hat sie schon sicher, doch sie will sich bald noch einmal auf die Reise machen. Sie will die überzeugen, die noch nicht definitiv zugesagt haben.

Selbst nach 50 Jahren also ist die Freundschaft zwischen den Städten quicklebendig und wird weiter mit Leben gefüllt. Im Doz 20 Am Holzmarkt ist man derweil mitten in den Vorbereitungen: Am Freitag, 1. September, wird um 18 Uhr im Domherrenhaus die Ausstellung mit den gesammelten Dokumenten der Verdener Bürger gefüllt. Schulen, Chöre und Vereine, Ärzte, Feuerwehr, Sportler – aus allen Bereichen kamen die Beiträge. „Die Menge war enorm“, sagt Koordinatorin Kathrein Goldbach.

Alles konnten die Mitwirkenden vom Doz bei weitem nicht unterkriegen, darum wird es nun einen Querschnitt auf den 14 Stellwänden zu sehen geben, weitere Dokumente sollen aber an einem Tisch für Interessierte zur Ansicht zur Verfügung stehen. Außerdem wird es an einer Station multimedial und interaktiv: „Tondokumente und Filme stehen dort zur Verfügung, unter anderem vom Besuch des Verdener Bürgermeisters Kurt Winkel in Saumur im Jahr 1966“, sagt Mitstreiter Jochen Benner. Und diverse Geschenke, wie eine typische alte Tasse zur Weinverköstigung aus Saumur, werden zu sehen sein, an der Seite eines Rennrades, dessen Fahrer einst den weiten Weg auf sich nahm. Einen weiteren Teil der Ausstellung machen die Gemälde mit Werken des Künstlers Klaus-Jürgen Maiwald aus, der unter anderem das Saumurer Schloss in Öl festgehalten hat.

Zur Eröffnung wird Andrea Lutter einen Vortrag über die Entwicklung der Städtepartnerschaft halten, die sie selbst in den 1970er-Jahren auf ihre erste Auslandsreise führen sollte. „Für uns war das damals alles unheimlich spannend, als der Zug dann am Nachmittag endlich in Saumur ankam“, erinnert sie sich. Dass es so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt eine derartige deutsch-französische Freundschaft gab, für die die Saumurer „über ihren Schatten gesprungen sind“, betont Goldbach, sei absolut bemerkenswert.

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