Eselwanderung

Nicht stur, sondern bedächtig

Eine entspannende Wirkung und Faszination üben Esel auf viele Menschen aus. Ab August können sich Interessierte mit den langohrigen Zeitgenossen in Verden zum Wandern aufmachen.
02.07.2018, 17:18
Lesedauer: 2 Min
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Von Marie Lührs
Nicht stur, sondern bedächtig

Das Geschirr sitzt, gleich kann es losgehen. Zusammen mit Julia Wältring übt Esel Pepe für die Wanderungen im Spätsommer.

Björn Hake

Esel sind stur, heißt es im Volksmund. Doch so ganz stimmt dieses Klischee nicht, weiß Julia Wältring von der Verdener Stadtwaldfarm. Denn wenn ein Esel nicht macht, was ein Mensch von ihm erwartet, dann habe das oft auch seinen Grund. Die Huftiere sind ruhige Zeitgenossen und haben eine entspannende Wirkung auf ihr Gegenüber. Nach den Sommerferien können Interessierte auf einem Spaziergang von dieser Fähigkeit profitieren. Denn einmal im Monat machen sich die Stadtwaldbewohner Kasimir und Pepe gemeinsam mit interessierten Kindern und Erwachsenen auf zu einer Eselwanderung.

Radfahrer, Menschen mit Hunden, ungewöhnliche Geräusche – bei einem Spaziergang durch den Stadtwald lauert so einiges, was einem Esel Angst machen kann. Daher sind Kasimir und Pepe schon jetzt regelmäßig auf ihrer zukünftigen Wanderstrecke unterwegs, um sich an die Situation zu gewöhnen. „Wenn Esel einfach stehenbleiben, hat das immer einen Grund“, sagt Wältring. Oft dauert es einen Moment, bis auch der Mensch mitbekommt, was der Esel schon längst gehört hat. Bei ungewöhnlichen Klängen halten die Tiere lieber kurz inne, um die Lage zu sondieren. Erst wenn sie sich sicher fühlen, setzen sie sich wieder in Bewegung. Auch Brücken, Pfützen und andere kuriose Oberflächen, sind den grauen Pelzträgern nicht immer geheuer. Wie im Umgang mit Kleinkindern gelte es hier, die Ursache zu verstehen, statt Druck auszuüben. Versucht jemand, ebenso stur am Halfter zu zerren, macht der Esel überhaupt nichts mehr. „Manchmal braucht es ein wenig Überzeugungsarbeit“, erklärt Wältring.

Gewöhnlich seien die Esel jedoch gerne unterwegs und äußerst neugierig. Denn im Gegensatz zu vielen Katzen, die für ihre Eigenwilligkeit bekannt sind, sind Esel sehr kontaktfreudig. Und auch, wenn ein Kind ein wenig unruhig ist oder ihm etwas ungeschickt ins Fell greift, bleibt das Langohr entspannt.

Insbesondere für die Arbeit mit Kindern seien Esel somit wunderbar geeignet, ist die Sozialpädagogin, mit Zusatzausbildung zur Wildnispädagogin, überzeugt. Denn im Gegensatz zu den großen Verwandten, den Pferden, sind sie weniger schreckhaft und auch nicht so imposant. „Pferden haben etwas Nervöses“, findet Wältring. Wenn es Kasimir und Pepe doch einmal zu viel wird, dann treten sie einfach den Rückzug an.

Das Duo ist vor einigen Jahren gemeinsam auf die Stadtwaldfarm gekommen. Beide sind etwa fünf Jahre alt, also noch sehr jung. „Esel werden im Durchschnitt etwa 40 Jahr alt“, erklärt Wältring, und besonders in jungen Jahren wollen sie gut beschäftigt werden. Von den Wanderungen durch den Stadtwald profitieren also nicht nur die menschlichen Gäste, sondern auch die Huftiere selbst. „Die Esel wollen auch etwas Action, sie wollen gefordert werden.“

„So eine Wanderung hat viel mit Vertrauen zu tun“, erklärt die Wildnispädagogin. Denn die Esel müssten ihrer Begleitung vertrauen, das Team des Stadtwalds allerdings auch den Tieren, dass sie nicht austreten oder beißen. „Sicherheit ist sehr wichtig.“ Auch die gewährleistet eine regelmäßige Übung.

Die Teilnahme an den Eselswanderungen ist für jeden offen, kostenlos und ohne Anmeldung möglich. „Kinder bis sieben Jahre müssen allerdings in Begleitung eines Erwachsenen sein“, nennt Wildnispädagoge Manuel Wild die einzige Einschränkung. Größere Gruppen werden außerdem darum gebeten, sich im Vorfeld mit der Stadtwaldfarm in Verbindung zu setzen. Der erste Wandertag ist der 16. August. Zwischen 15 und 18 Uhr machen sich die Pädagogen und ihre Esel mehrmals auf den Weg. Die Route ist laut Ankündigung kurz, sodass auch kleine Kinder mithalten können.

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