Fitnessstudios

Verhaltener Neustart

Seit dem 25. Mai haben die Fitnessstudios in Niedersachsen unter einigen Auflagen wieder geöffnet. Ein Ansturm im Landkreis Verden blieb bisher aber aus.
03.06.2020, 15:37
Lesedauer: 3 Min
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Verhaltener Neustart
Von Patrick Hilmes
Verhaltener Neustart

Ran an die Sportgeräte: Auch das Fitness- und Squash-Center Achim-Baden hat wieder geöffnet.

Björn Hake

Es darf geschwitzt werden. Die Fitnessstudios in Niedersachsen haben ihre Türen wieder geöffnet. Der offizielle Startschuss fiel in Niedersachsen am 25. Mai. In manch anderem Bundesland, wie etwa in Nordrhein-Westfalen, in dem bereits seit dem 11. Mai wieder trainiert werden darf, herrschte zum Neustart ein wahrer Ansturm auf die Hantelbänke, Stepper und Co., im Landkreis Verden sind die Massen den Studios eher noch ferngeblieben.

„Entgegen der allgemeinen Einschätzung liegt das Durchschnittsalter der Leute, die ins Fitnessstudio gehen nicht bei 20 Jahren, sondern bei über 40. Und die Älteren sind noch extrem vorsichtig. Natürlich gab es auch die, die richtig gebrannt haben. Die standen auch als erstes auf der Matte. Aber man denkt, dass alle heiß sind, jedoch warten viele noch ab. Das weiß ich auch aus vielen Gesprächen“, erzählt Jörg Kriegel. Er ist der Leiter des Fitnessstudio Highlight in Verden, das erst am 26. Mai wieder seine Tore öffnete. „Wir hatten am Montag nochmals ein Meeting mit allen Trainern. Sie müssen nun ja auch viel beachten und da wollten wir auf Nummer sicher gehen.“ Kriegel benennt zudem einen weiteren Grund, warum die Mitglieder verhalten auf den Neustart reagiert haben. „Jedes Bundesland kocht seine eigene Suppe. Daher fragen sich viele, was sie überhaupt dürfen.“

Und die Anzahl an Einschränkungen ist wahrlich keine kleine und teils auch etwas kompliziert. Das trifft unter anderem auf die Maskenpflicht zu: Bei Eintritt wie bei Austritt und beim Umhergehen im Fitnessstudio gilt die Pflicht, eine Maske zu tragen. Beim Training selbst wird hingegen kein Mund- und Nasenschutz benötigt. Zudem muss dokumentiert werden, wer wann das Studio betreten und verlassen hat – inklusive Name und Anschrift. Sauna, Duschen und Umkleidekabinen sind derweil weiterhin geschlossen. Heißt: Das Studio muss bereits in Trainingsmontur betreten werden. Ebenso gilt es, sich bei Eintritt die Hände zu desinfizieren, dasselbe gilt für jedes Trainingsgerät nach jeder Benutzung. Zudem herrschen die allgemeinen Kontaktbeschränkungen. Heißt: zwei Meter Abstand, keine Begrüßungsrituale.

Entgegen anderer Bundesländer schreibt das Land Niedersachsen jedoch keine exakte Quadratmeterzahl pro Person im Fitnessstudio vor. Diese reguliert sich einzig daraus, dass der Zwei-Meter-Abstand zu wahren ist. Für die Studios im Landkreis scheint das kein Problem darzustellen. „Wir haben 1000 Quadratmeter Trainingsfläche. Auch bei zehn Quadratmeter pro Person hätten wir also Platz für 100 Leute. Die haben wir aber nicht mal zur Hauptzeit im Winter“, sagt Jörg Kriegel, der aber einige Geräte aufgrund der Abstandsregeln stillegen musste. Auch beim Fitness- und Squash-Center Achim-Baden spielt die Beschränkung durch die Zwei-Meter-regel quasi keine Rolle. „Wir haben bisher eine Auslastung von 35 bis 45 Prozent, und bei uns könnten 150 Leute gleichzeitig trainieren. Wir haben auch teils die Squash- und Badminton-Flächen genutzt, sodass bei uns alle Geräte nutzbar sind“, betont Geschäftsführerin Britta Kaiser-Föhl.

Apropos Squash und Badminton: Zwar sind beides keine Kontaktsportarten, aber man kommt sich beim Spiel doch sehr nah – zu nah mit Blick auf die Abstandsregeln. Entsprechend ist ein gemeinsames Spiel untersagt, Einzeltraining aber möglich. Auflagen gibt es also reichlich, Britta Kaiser-Föhl hatte aber mit noch mehr gerechnet. „Ich hatte noch schlimmere Einschränkungen befürchtet. Aber alles ist in der Praxis gut umsetzbar. Und auch die Menschen halten sich an die Regeln und gehen verantwortungsbewusst miteinander um“, freut sich Kaiser-Föhl über den bisherigen, wenn auch verhaltenen Start.

Dieser Neustart war nach über zwei Monaten wieder möglich, diese Zeit hat aber auch Spuren hinterlassen. „Zwei Monate Komplettausfall, das ist ein harter Schlag und tut weh“, weiß Kaiser-Föhl, „aber wir stehen grundsätzlich auf soliden Beinen.“ Von einer Kündigungswelle der Mitglieder sei das Fitness- und Squash-Center verschont geblieben, dasselbe gelte auch für das Highlight in Verden. Einige andere Studios im Landkreis Verden wollten sich auf Nachfrage dieser Zeitung nicht äußern.

Nun gilt für die Fitnessstudios quasi dasselbe wie zuvor auch: Sie müssen abwarten, wie sich alles in Corona-Zeiten entwickelt, ob die Leute wiederkommen. Zunächst einmal sind sie aber froh, überhaupt wieder geöffnet zu haben. „Die Jungs und Mädels sind mit Leib und Seele Trainer. Sie wollen etwas Gutes tun und wieder positive Erfahrungen sammeln, wenn man jemandem etwa die Rückenschmerzen genommen hat. Ich gucke derzeit nur in freudige Gesichter. Momentan sind wir erstmal glücklich“, betont Jörg Kriegel.

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