Kirchengemeinde Etelsen Photovoltaikanlage für Kirchendach geplant

Langwedel. Es gibt viele Solardächer im Landkreis Verden, doch noch keine Photovoltaikanlage auf einem Kirchendach. Das könnte sich bald ändern: Die Kirchengemeinde Etelsen plant, die Südseite ihres Gotteshauses mit Sonnenkollektoren einzudecken.
16.07.2010, 17:00
Lesedauer: 3 Min
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Photovoltaikanlage für Kirchendach geplant
Von Anke Landwehr

Langwedel. Es gibt viele Solardächer im Landkreis Verden, doch noch keine Photovoltaikanlage auf einem Kirchendach. Das könnte sich bald ändern: Die Kirchengemeinde Etelsen plant, die Südseite ihres Gotteshauses mit Sonnenkollektoren einzudecken. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Etelser Darlehen zur Verfügung stellen.

'Wir kaspern schon fast drei Jahre mit der Idee herum, jetzt haben wir endlich eine Lösung', sagt Bernd Roseland vom Kirchenvorstand. Mit 'herumgekaspert' umschreibt er die Schwierigkeiten mit dem Fiskus. Das Problem aus Sicht der Kirchengemeinde: Sie wollte als Betreiberin der Anlage nicht von der Umsatzsteuer befreit werden, 'weil wir sonst einen namhaften Betrag verloren hätten', so Roseland. Nach neuester Rechtsprechung gelte nun jeder als Gewerbetreibender, der eine Photovoltaikanlage sein Eigen nenne - 'also auch eine Kirchengemeinde.'

Überlegungen, einen wirtschaftlichen Verein mit den Kirchengemeinden Daverden und Baden, seien damit vom Tisch. Blieb die Finanzierung zu klären. Zweckgebundene Gelder aus Kirchensteuer und anderen Quellen kommen nicht in Frage, die eigene Rücklage für freiwillige Aufgaben möchte der Vorstand nach Roselands Angaben nur vorsichtig anknabbern und der Gedanke an eine Kreditaufnahme bei einem Geldinstitut wurde auch verworfen.

Denn mit seiner Nutzung erneuerbarer Energie möchte der Kirchenvorstand mehr erreichen, als einen 'Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung' (Roseland) zu leisten. 'Wir wünschen uns, dass sich wieder mehr Etelser unserer Gemeinde anschließen, dass wieder mehr Menschen in die Gottesdienste und zu anderen Veranstaltungen kommen.' Wenn die Kollektoren auf dem Kirchendach mit Darlehen der Einwohner finanziert würden, dann sei das ein Gemeinschaftsprojekt. Roseland: 'Damit hoffen wir, das Wir-Gefühl zu stärken und zu fördern.'

Doppelter Zinssatz

Praktisch soll das so aussehen, dass die Darlehen 'in 500-Euro-Schritten' über eine Laufzeit von fünf oder zehn Jahren vereinbart werden. Wer sich für die kürzere Variante entscheidet, bekommt pro Jahr 1,5 Prozent Zinsen und nach Ablauf den geliehenen Betrag zurück. Bei zehn Jahren gibt es den doppelten Zinssatz.

Günstige Konditionen, wie Bernd Roseland meint. 'Tragen Sie Ihr Geld mal zur Bank, da kriegen sie vielleicht gerade die Hälfte.' Dass die Photovoltaikanlage Gewinn einfährt, daran hat der Projektleiter keinen Zweifel. Auch wenn die für 20 Jahre garantierte Energieeinspeisevergütung des Bundes demnächst reduziert werde, 'werden wir nach der Ausschüttung und dem Abzug aller Kosten mindestens eine schwarze Null schreiben.' Bleibe ein Reingewinn übrig, käme er der Kirchengemeinde für andere Projekte zugute.

Bundesweit gibt es nach Roselands Angaben etwa hundert Kirchendächer mit Solaranlagen. Die nächste und nach ihrer Erweiterung wieder größte Anlage befinde sich in Stuhr-Seckenhausen. In Etelsen sollen etwa 200 Quadratmeter Kollektoren eine Leistung von 28 Kilowatt Peak bringen (die Maßeinheit definiert die höchste elektrische Leistung, die ein Gerät umsetzen kann).

Weil die Etelser Kirche erst 45 Jahre alt ist und nicht unter Denkmalschutz steht, ist die Baugenehmigung laut Roseland kein Problem. Der Tischlermeister und mit ihm der gesamte Kirchenvorstand gehen davon aus, dass die Maßnahme in spätestens sechs Monaten in Angriff genommen werden kann. Wenn es dann wieder Module gibt. 'Im Augenblick ist der Mark leergefegt', so Roseland. Weil das Energieeinspeisegesetz ursprünglich bereits zum 1. Juli geändert werden sollte, 'wollten ganz viele die Dinger noch rechtzeitig aufs Dach kriegen.'

Das Mindestdarlehn von 500 Euro begründet Roseland damit, dass der Verwaltungsaufwand für die jährlichen Zinsausschüttungen sonst zu groß sei. 'So lässt sich das einfacher rechnen.' Läuft alles nach Plan, will der Kirchenvorstand die Beteiligten jährlich zu einer Art 'Sonnenfeier' einladen. Roseland: 'Damit wollen wir den Leuten sagen: Guckt, das ist eure Anlage, die habt ihr erst ermöglicht.'

Wer dazu beitragen möchte, wendet sich an Bernd Roseland (Telefon 04235/94020) oder an Pastor Martin Beckmann (04235/375).

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