Podiumsdiskussion in Achim

Hoffen auf mehr Frauenpower in den Rathäusern

Bei einer Podiumsdiskussion in Achim haben Bürgermeister- und Bundestagskandidatinnen aus dem Landkreis Verden ihre Pläne für den Fall einer erfolgreichen Kandidatur erläutert.
23.07.2021, 16:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Gisela Enders
Hoffen auf mehr Frauenpower in den Rathäusern

Cornelia Schneider-Pungs (von links), Nadine Fischer, Lena Gumnior, Anke Fahrenholz, Christiane Siemer und Sabine Mandel stellten sich den Fragen.

Björn Hake

Was sollte Frau dazu bewegen, ihren Wohnsitz in eine bestimmte Region zu verlegen? Das war die Eingangsfrage, die Kornelia Knieper den fünf Kandidatinnen stellte, die im September auf ein gutes Abschneiden bei der Bürgermeisterwahl hoffen und im Falle ihres Erfolges eine Reihe zurzeit offener oder nicht ausreichend gelöster Punkte in den Vordergrund ihrer Arbeit stellen wollen. Auch die nachgelagerten Fragen, die die Gewerkschaftsfrau anlässlich der Podiumsdiskussion am Donnerstagnachmittag im Achimer Kasch vorbereitet hatte, bezogen sich überwiegend auf die Bedürfnisse der weiblichen Bevölkerungsteile. Eine leistungsgerechte Bezahlung war hier genauso Thema wie Gewalt gegen Frauen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Während sich Nadine Fischer (parteilos) und Cornelia Schneider-Pungs (SPD) als Kandidatinnen für die Stadt Achim empfehlen, treten Anke Fahrenholz (SPD) und Christiane Siemer (Bündnis 90/ DIE GRÜNEN) für Thedinghausen an. Sabine Mandel (parteilos) bewirbt sich in Kirchlinteln und Lea Gumnior (Bündnis 90/Die Grünen) möchte als Kandidatin der Landkreise Verden und Osterholz in den Bundestag einziehen.

Nadine Fischer bezeichnet Achim als lebenswert mit Potenzial nach oben. Sie sieht die Familie als Ganzes, wünscht sich aber im Sinne der Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ein noch besseres Beratungsangebot für Frauen. An die Notwendigkeit eines Frauenhauses glaube sie trotz Zunahme der strafrechtlich relevanten Fälle momentan nicht, erklärt die Kandidatin, die von der CDU unterstützt wird, sie werde diesen Punkt aber im Auge behalten. Große Sorgen mache ihr jedoch der Mangel an qualifiziertem Kita-Personal, für dessen Generierung sie unkonventionelle Wege gehen möchte. Zum Wohl aller Bürger sprach sie sich für den Erhalt des Achimer Krankenhauses aus und für die Ansiedlung zusätzlicher ambulanter Pflegedienste. Ganz oben in ihren Plänen rangiert die Verschönerung der Innenstadt mit Sitz- und Spielplätzen in einer begrünten Umgebung.

Attraktives Achim

Die Frage nach der Attraktivität der Stadt Achim, um deren Bürgermeisterstuhl sich Cornelia Schneider-Pungs bewirbt, ist schnell beantwortet: Sehr gefragt sei das Leben in der Weserstadt mit ihrem enormen Potenzial und ihrer zunehmenden Urbanität. Ein spannendes Sportangebot trage dazu bei und kulturelles Leben, das sie noch weiter nach vorne bringen möchte. Der Zustand der IT-Versorgung in den Schulen stimme sie indes nachdenklich, erklärt die SPD-Frau, hier gebe es im Sinne einer einheitlichen Infrastruktur noch viel zu tun. Um die Sicherheit von Frauen macht auch Schneider-Pungs sich Gedanken und verspricht, die Notwendigkeit eines Frauenhauses näher zu beleuchten. Ein weiterer Punkt, dem sie sich zuzuwenden gedenkt: die Förderung alternativer Mobilität.

Sabine Mandel lebt seit 27 Jahren in Kükenmoor in der Nähe von Kirchlinteln – umgeben von der Natur. Sie beschreibt die Region, zu der insgesamt 17 Ortschaften zählen, als liebenswert und lobt den Zusammenhalt unter den dort lebenden Menschen. Trotz aller positiver Merkmale sieht die Sozialpädagogin Luft nach oben, zum Beispiel was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht und die damit verbundene Versorgung der Kinder. Es gelte, gut ausgebildetes Fachpersonal anzuwerben, um die Mädchen und Jungen in den Dörfern zu halten und damit ihr soziales Umfeld zu sichern. Zudem fehlten noch Strukturen, um von Gewalt bedrohten Frauen unbürokratisch Hilfe gewähren zu können. Zum Thema Wohnen im Alter empfiehlt sie die Gestaltung neuer Wohnprojekte, in denen Senioren von zum Beispiel studentischen Mitbewohnern profitieren könnten. Die Verbesserung der verkehrlichen Erreichbarkeit ist ein weiteres Thema, dem sich Mandel zuwenden möchte.

Stärkung Frauen in der Politik

Christiane Siemer bezeichnet die Samtgemeinde Thedinghausen als wunderbares Fleckchen Erde mit hohem Freizeitwert. Sowohl das Betreuungsangebot für Kinder als auch die Unterstützung gewaltgeplagter Frauen sieht die 52-Jährige gut gelöst, wünscht sich aber die Stärkung von Frauen in der Politik. Ständiges „Bohren“ helfe ihr darüber hinaus dabei, das schwierige Thema ÖPNV voranzutreiben. Die Taktung nach Bremen und Achim habe sich zwar verbessert, sei aber durchaus noch ausbaufähig. Anke Fahrenholz bewirbt sich ebenfalls für den Verwaltungschefposten in Thedinghausen. Sie glaube, aus dem eigenem Erleben heraus Kenntnis von der Situation in der Samtgemeinde zu haben. So fehlen zurzeit noch eine Sozialstation und ein Anbieter von Tagespflege. Ein „Kümmerer“ wäre zudem gut, der ältere Menschen bei der Erledigung zum Beispiel behördlicher Angelegenheiten zur Seite stünde. Zum Thema Gewalt sieht sie sich an der Seite der Gleichstellungsbeauftragten, mit der sie eng zusammenarbeite.

Eine faire Bezahlung guter Arbeit, neue Wege der Mobilität, die paritätische Aufteilung der Arbeit innerhalb der Familien sind Themen, die Lena Gumnior beschäftigen. Zudem bemängelt sie, dass durch den hohen Anteil an Akademikern in der Politik, die Themen einfacher Menschen, und damit verbunden etwa auch die Altersarmut vieler Frauen, nicht genug Beachtung fänden.

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