Gottesdienste Aha-Erlebnis mit Kuschelfaktor

Während die Domgemeinde Wolldecken-Gottesdienste anbietet, setzen andere Kirchengemeinde ihre Gottesdienste bis Ende des Monats aus. Jede Gemeinde kocht im Winter-Shutdown ihr eigenes Süppchen.
13.01.2021, 11:43
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Aha-Erlebnis mit Kuschelfaktor
Von Jörn Dirk Zweibrock

Die ersten Gottesdienste des neuen Jahres sind auch in Corona-freien Zeiten traditionell eher spärlicher besucht. Umso mehr hat es Lueder Möring, Pastor am Verdener Dom, verwundert, wie viele Gläubige sich am vergangenen Sonntag zum ersten Wolldecken-Gottesdienst eingefunden haben. Weil aus Gründen des Infektionsschutzes in diesem Jahr keine Winterkirche im geheizten Domgemeindezentrum angeboten werden kann, gehen die Verantwortlichen nun also eher unkonventionelle Wege, um das Wort Gottes an ihre „Schäfchen“ weiterzugeben. Konsens hinsichtlich der Präsenzgottesdienste herrscht in den Verdener Kirchengemeinden jedoch nicht, wie die Bundesländer kocht jede ihr eigenes Süppchen.

Die Stimmung beim ersten Gottesdienst unter dem wärmenden Stoff sei heiter und gelassen gewesen, erzählt Möring und wirbt auch schon – in eine rote Wolldecke gehüllt – für die nächste Veranstaltung dieser Art. An diesem Sonntag, 17. Januar, ist es wieder soweit. Der Verdener Wolldecken-Gottesdienst beginnt am zweiten Sonntag nach Epiphanias um 10 Uhr im Dom zu Verden. „Die guten Erfahrungen der vergangenen Wochen haben uns dazu ermutigt“, freut sich Möring, dass der weitläufige Sakralbau in Pandemiezeiten von den Gläubigen immer mehr als Veranstaltungsort für halbstündige Kurz-Gottesdienste geschätzt werde. Der Dom bietet, so Möring, auch weiterhin die Möglichkeit für die sonntäglichen Kirchgänger, in stillem Rahmen Musik zu genießen. „Gesungen werden darf aber immer noch nicht“, erinnert er.

Grundsätzlich ist die Religionsausübung gemäß niedersächsischer Corona-Verordnung im Winter-Shutdown jedoch gestattet – unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygienevorschriften versteht sich. Die Gottesdienste in St. Andreas werden weiterhin unter den gewohnten Umständen sonntags um 10 Uhr gefeiert. „Alle andere Gruppentreffen und Gemeindeaktivitäten finden, sofern möglich, nur digital statt“, sagt Pastorin Bettina Kattwinkel-Hübler.

Auch in der Verdener Zions-Gemeinde (Selk) findet am 17. Januar um 9.30 Uhr vorbehaltlich der Zustimmung des Kirchenvorstandes ein Gottesdienst nach vorheriger telefonischer Anmeldung statt. „Wie immer gibt es 30 Plätze in der Kirche und während der Übertragung können 40 Menschen im Gemeindesaal teilnehmen“, erläutert Pastor Carsten Voß. „Die Gläubigen, denen Präsenzgottesdienste wichtig sind, kommen regelmäßig in die Kirche“, weiß er. Jüngere Gemeindemitglieder, die digital zu erreichen seien, blieben dem hingegen öfter fern.

Sonntag für Sonntag finden in Corona-Zeiten maximal 50 Besucher in der katholischen Kirche St. Josef in Verden Platz. „Für die Heilige Messe an diesem Sonntag um 10 Uhr haben wir schon wieder etliche Anmeldungen“, erläutert Johanna Wode aus dem Pfarrbüro.

Anders hingegen in St. Johannis. Der Kirchenvorstand hat beschlossen, die Gottesdienste den ganzen Januar über auszusetzen. „Auch wenn Gottesdienste weiterhin erlaubt sind, möchten wir in unserer Gemeinde ein Zeichen setzen, Verantwortung übernehmen und so ebenfalls zu einer größtmöglichen Reduzierung von Kontakten beitragen. Wenn man sich im Privaten lediglich mit einer weiteren Person treffen darf, ist das Abhalten von Gottesdiensten schwer zu vermitteln", teilt die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Frauke Snakker, mit. Damit die Gemeindemitglieder unter Einhaltung der sogenannten Aha-Regeln trotzdem die Möglichkeit zum stillen Gebet hätten, werde die Verdener St.-Johannis-Kirche im Januar montags, mittwochs und freitags jeweils in der Zeit von 15.30 bis 16.30 Uhr ihre Türen öffnen. Der erste Gottesdienst im Februar sei dann für Sonntag, 7. Februar, um 10 Uhr terminiert.

Der Kirchenvorstand der St.-Nikolai-Kirchengemeinde Verden hat in seiner vergangenen virtuellen Sitzung ebenfalls entschieden, die Präsenzgottesdienste bis Ende Januar auszusetzen. „Wir wollen weiterhin verantwortungsvoll handeln und somit ein Zeichen setzen“, betont Pastor Holger Hermann. Im Februar werde der Kirchenvorstand die Situation dann erneut bewerten. Und weiter: „Es ist uns dabei schmerzlich bewusst, dass diese Entscheidung gerade für unsere treuen Gottesdienstbesucher einen erheblichen Verzicht bedeutet. Gleichwohl bitten wir alle Gemeindeglieder um Verständnis für diese Entscheidung, mit der wir als solidarischer Teil unseres Gemeinwesen dazu beitragen wollen, die Gesundheit unserer Mitmenschen zu schützen.“ Die Pandemie könne nur durch eine „gemeinsame Kraftanstrengung aller Menschen“ bewältigt werden, ist Hermann überzeugt und ermutigt seine „Schäfchen“ dabei zur häuslichen Feier von Gottesdiensten, Andachten und Gebeten. Als besonderen Service stellt er den Gemeindemitgliedern auf der Homepage Predigten für den jeweiligen Sonntag als Audio-Datei bereit. Außerdem gibt es die Predigt zum Mitnehmen freitags auf der roten Bank vor dem Gemeindezentrum am Plattenberg.

Die Verdener Domgemeinde geht wie bereits erwähnt andere Wege. Pastor Lueder Möring lädt die Gläubigen sogar dazu ein, Wolldecken für den Gottesdienst mitzubringen. „Wir können zwar keine verteilen, es besteht jedoch die Möglichkeit, die Decken bei uns bis zum nächsten Gottesdienst zu lagern“, erzählt er. Wer möchte, könne sich auch in einer Thermoskanne etwas Heißes zu trinken mitbringen. Wie überall, wo noch Präsenzgottesdienste angeboten werden, müssen sich die Kirchgänger auch für ihren Besuch im Dom vorher anmelden.

Über die computergesteuerte Heizungsanlage wäre es Möring zufolge technisch sogar möglich, den riesigen Verdener Dom zu beheizen, finanziell allerdings nicht. Jedes einmalige Aufheizen des Gotteshauses schlage nämlich mit rund 600 Euro zu Buche. Um Energiekosten zu sparen, werde deshalb traditionell im ersten Quartal die Winterkirche im Domgemeindezentrum angeboten. Übrigens: Um das Inventar zu schützen, sinkt im Dom selbst das Thermometer niemals unter sechs Grad.

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