Kinder-Zirkus am Hoppenkamp präsentiert heute beim Stadtteilfest Artistik, Feuer und Jonglage

Proben für den großen Auftritt

Eine Woche lang haben sich Kinder am Hoppenkamp mit Jonglage und Artistik auf einen großen Zirkusauftritt vorbereitet. Heute Nachmittag präsentieren sie ihr Programm im Rahmen des Stadtteilfestes am Bürgertreff.
10.08.2012, 05:00
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Von Maren Brandstätter
Proben für den großen Auftritt

Michael Richter übt mit den jungen Artisten lebende Pyramide für die beiden Zirkus-Vorstellungen, die heute im Rahmen des Stadtteilfestes am Bürgertreff Hoppenkamp gezeigt werden.

Maren Brandstätter

Eine Woche lang haben sich Kinder am Hoppenkamp mit Jonglage und Artistik auf einen großen Zirkusauftritt vorbereitet. Heute Nachmittag präsentieren sie ihr Programm im Rahmen des Stadtteilfestes am Bürgertreff.

Verden. Die Manege für den großen Auftritt ist markiert, die Vorbereitungen in dem bunten Zirkuszelt laufen auf Hochtouren. Acht Kinder stehen im Halbkreis um Ines Rosemann und proben mit ihr Fackelwerfen. Eine Trockenübung – die Flamme kommt später. "Nicht greifen, einfach zuschnappen", rät die Expertin vom Zikus Radieschen. Jungs und Mädchen sind konzentriert bei der Sache, die Übung klappt ohne Pannen.

Seit zehn Jahren kooperiert der mobile Zirkus aus Oldenburg mit dem Bürgertreff am Hoppenkamp. "Unter den Kindern sind schon ein paar richtig alte Hasen", erzählt Rosemann. "Die nehmen die Neuen ein bisschen mit an die Hand." Bei so viel Erfahrung sei die Qualität der Darbietungen am Hoppenkamp entsprechend hoch.

Julia, Tabata und Miles sind solche alten Hasen. Sie proben für den Fackelwurf im Dreieck. Rosemann ist soweit zufrieden, "aber den Arm müsst ihr weiter vom Körper abspreizen – sonst ist die Flamme später zu dicht am Gesicht". Jalica wirft ihre Fackel unermüdlich hoch und fängt sie wieder auf. "Dreißig!", ruft sie. 30 ist die magische Zahl. Wer so viele Würfe fehlerfrei hintereinander hinbekommt ist reif für den nächsten Schwierigkeitsgrad. "Dann kannst Du jetzt den Saltowurf üben", sagt Rosemann. Jalica strahlt und macht sich sofort daran, ihrer Fackel eine Drehung mit auf den Weg zu geben.

Eine Woche lang proben die Kinder für den großen Auftritt, der auf den selben Tag wie das Stadtteilfest fällt. "Früher haben wir den Zirkus immer auf einen gesonderten Termin gelegt", erzählt Christel Kijewski vom Bürgertreff. Nach der Vorstellung seien die Artisten mit ihren Eltern zum Kaffeetrinken in den Bürgertreff gekommen – für das Publikum sei der Nachmittag dann abrupt vorbei gewesen. "Jetzt ist der Zirkus eingebettet in die Angebote des Stadtteilfestes – das ist eine rundere Sache."

Hinter dem Zirkuszelt stehen die Transporter der reisenden Zirkustruppe. Von März bis September sind sie in diesem Jahr auf Tour. Ihre Engagements führen sie an Schulen und Einrichtungen quer durch Deutschland. Die Arbeit von Ines Rosemann, Michael Richter, Sergio Modesto Augusto und Nina Schmidt kommt gut an: "Im Moment übersteigt die Nachfrage das Angebot", erzählt Rosemann.

Die Artistik-Gruppe hat ihren Probenraum unter freiem Himmel neben dem Zelt. Michael Richter übt mit ihnen lebende Pyramiden. Die Kinder wagen sich an schwindelerregende Konstruktionen. Auch der Charme darf dabei nicht zu kurz kommen – "jetzt noch nett gucken, auch wenn’s schwer fällt", lautet Richters Appell am Ende einer Übung. Die Kinder tun ihr Möglichstes und lassen die Pyramide lächeln. Für den Fall, dass die Kondition mal nicht ausreicht, ist "weg" das Zauberwort – dann wird die Konstruktion umgehend aufgelöst.

Damit Konzentration und Muskelkraft nicht schwächeln, wirft Richter immer wieder kurze Spielsequenzen ein. Zwischen zwei Pyramiden schlägt er eine Runde "Toaster" vor. Zwei Kinder fassen sich an den Händen, ein drittes hüpft zwischen ihnen wie ein geröstetes Weißbrot hoch und runter. Das ganze funktioniert auf Zuruf und lässt sich auch als "Mixer" – dann mit Drehung – spielen. "Ich kenn’ das Spiel mit ,kotzendes Känguru’", ruft ein Mädchen und simuliert mit den Armen einen Eimer. Die Variante wird ins Programm aufgenommen.

Neben Fackeln und Artistik haben die Mitarbeiter vom Zirkus Radieschen noch Laufkugeln und Pois – Flatterbänder an Stäben – im Programm. Alle Darbietungen sollen am Ende Teil eines Bilderbuchkinos werden. Dessen Protagonist, der Hund Ludini, wird in der Manege von Zirkushund Ludwig verkörpert. Der Cocker Spaniel ist ein Rüde fortgeschrittenen Alters, verfügt nicht mehr über allzu viel Hörkraft, versehe seine Aufgabe aber dennoch "zur vollen Zufriedenheit". In der Geschichte muss Ludwig Ludini rund um die Uhr mit seinem Frauchen fernsehen. Das langweilt ihn und er beschließt, einen Zirkus zu gründen.

In der Feuergruppe von Ines Rosemann werden die Fackeln inzwischen nicht mehr nur geworfen, sie werden auch geschwungen. Rosemann zeigt den Kindern den einzig wahren Griff für diese Disziplin. "Zwischen Daumen und Zeigefinger und dann aus dem Handgelenk schwingen", erklärt sie. Andernfalls bestehe höchste Gefahr für das Zelt oder fürs Publikum. Engagiert eifern die jungen Jongleure ihr nach. Die Motivation der Kinder am Hoppenkamp sei bemerkenswert, betont Rosemann. Das läge nicht zuletzt daran, dass das Zirkusprojekt auf Freiwilligkeit basiere – anders als in den Schulen, wo der Mitmach-Zirkus stets Teil einer festen Projektwoche sei.

Inzwischen riecht es im Zelt nach Spiritus. Die Kinder fiebern hinter dem Vorhang ihrer Feuerprobe entgegen. "Mucksmäuschenstill müsst ihr jetzt sein", wispert Rosemann. Musik erklingt, die Fackeln – es geht los.

Das Stadtteilfest mit Hüpfburg, Schmink- und Bastelzelt, Lagerfeuer, Wettspielen, Bingo, Kaffee und Kuchen wird heute von 14 bis 18 Uhr am Hoppenkamp gefeiert. Die Zirkusvorstellungen beginnen um 14 und um 16 Uhr.

Proben für den großen Auftritt

Kinder-Zirkus am Hoppenkamp präsentiert heute beim Stadtteilfest Artistik, Feuer und Jonglage

Zitat:

"Unter den Kindern

sind schon ein paar

richtig alte Hasen."

Ines Rosemann, Zirkus Radieschen

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