Probierstadt Verden

Karten, Kunst und Kamelhaar

Die Große Straße zu beleben – das ist das Ziel des Projekts „Probierstadt Verden“. Dazu beziehen Pop-up-Stores leerstehende Geschäftsräume. Zwei haben bereits geöffnet, weitere sollen folgen.
11.10.2020, 13:15
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Von Marie Lührs
Karten, Kunst und Kamelhaar

Ein Raum, zwei Geschäftsideen: Katja Priebe (links) und Beate Hillwig machen im ehemaligen Fisch Bremer gemeinsame Sache.

FOCKE STRANGMANN

Die Verdener Innenstadt ist neuerdings um zwei Einkaufsmöglichkeiten reicher. Im ehemaligen Fischgeschäft Bremer locken nun unter anderem flauschige Pullover aus Alpakahaar und farbenfrohe Wanddeko. Wenige Gehminuten weiter Richtung Nordertorkreisel hat sich ein Langwedeler Unternehmen niedergelassen, das individuell gestaltbare Landkarten verkauft. Beide Geschäfte sind sogenannte Pop-up-Stores. Sie sind Teil des Projektes „Probierstadt Verden“ und werden vorerst nur bis zum Jahresende ihr Glück an der Großen Straße versuchen.

„Es geht darum, neue Anreize zu schaffen“, erklärt Klaus Mensing vom Hamburger Büro Convent, das das Vorhaben gemeinsam mit der Stadt Verden umgesetzt hat. Zunächst sei man auf die Suche nach geeigneten, leerstehenden Immobilien gegangen. In einem Wettbewerb konnten sich dann Menschen mit ihren Ideen um die Ladeflächen bewerben. Es seien einige Bewerbungen eingegangen, erzählt Fabian Fortmann von der Wirtschaftsförderung der Stadt. Nicht immer passten die Ansprüche an die Immobilien zu den Möglichkeiten, dennoch konnten nun die ersten Pop-up-Stores öffnen.

Zwei Geschäfte in einem

Das erste Geschäft beherbergt gleich zwei Geschäftsideen. „Wir haben auch noch Partnervermittlung gespielt“, scherzt Mensing nun bei der Eröffnung. Denn die beiden Inhaberinnen Katja Priebe und Beate Hillwig kannten sich vor ihren Bewerbungen für das Projekt nicht – mochten sich jedoch auf Anhieb, als sie sich schließlich begegneten. Die Verdenerinnen hatten sich unabhängig voneinander mit ihren Ideen um eine Ladenfläche beworben, bekamen eine Zusage und teilen sich nun das ehemalige Fischgeschäft. Auf der linken Seite reihen sich Bilder von Katja Priebe aneinander, auf der rechten Seite hängen Kleidungstücke aus Alpakahaar.

Priebe hatte für das Jahr 2020 eigentlich anderes vor. 20 Ausstellungen waren geplant, doch Corona machte der Künstlerin einen Strich durch die Rechnung. „Ich war kurz davor, meine Selbstständigkeit aufzugeben“, erzählt sie. Dann machte ein Freund sie auf die geplanten Pop-up-Stores aufmerksam und Priebe versuchte ihr Glück.

„Ich freue mich wirklich sehr“, betont sie nun. Es sei ein tolles Gefühl, eine Galerie außerhalb der eigenen vier Wände zu haben. Den neuen Standort möchte sie nutzen, um ihre Kunstdrucke, sowie Postkarten zu verkaufen. Neuerdings bietet sie auch Drucke im XXL-Format – zwei mal anderthalb Meter – an. Die Bilder seien eine gute Alternative zu Fototapeten und ließen sich ganz individuell gestalten. Priebe verkauft nicht nur fertige Motive, sondern nimmt ihrer kleinen Galerie auch Aufträge an. Künftig möchte sie vor Ort zudem Workshops anbieten.

Farbenfrohe Wollwaren

In der anderen Hälfte des Geschäfts geht es ebenfalls farbenfroh zu. Wollpullover mit bunten Mustern, Mützen, Socken und andere Accessoires reihen sich dort aneinander. Gewöhnlich verkauft Beate Hillwig ihre Waren auf Schlossmärkten, doch auch die fielen in den vergangenen Wochen reihenweise ins Wasser. Die Vorzüge von Alpakahaar hat Hillwig entdeckt, als sie beruflich in Südamerika im Bereich Expeditionstourismus tätig war. Damals lebte sie in Argentinien, besuchte allerdings auch viele umliegende Länder und stieß dabei immer wieder auf das besondere Material. „Das Alpakahaar ist extrem dünn und innen hohl“, erklärt sie. Dadurch speichere es Wärme, gebe sie aber auch wieder ab. Daher halte Kleidung aus dem Naturmaterial stets warm, der Träger komme allerdings nicht ins Schwitzen.

Zurück in Deutschland machten ihr bei winterlichen Ausritten auf ihrem Pferd ihre kalten Füße zu schaffen. Sie erinnerte sich an das Haar der südamerikanischen Kamelart, importierte Alpaka-Socken, trug sie selbst und verkaufte weitere an andere Reiter. Inzwischen hat ihr Sortiment mehr zu bieten.

Individuelle Landkarten

Einiges von der Welt gesehen hat auch Nico Holtkamp. Gemeinsam mit Stefan Radtke hat er die Firma Mapdid gegründet. Seit einem knappen Jahr vertreiben die beiden Reiselustigen auf ihrer Internetseite individuelle Landkarten. Ihre Kunden können Urlaubsbilder, Reiserouten und andere Erinnerungen darauf verewigen. Einige Beispiele sind in den großen Schaufenstern des Eckgrundstücks Große Straße 10 zu sehen. „Ein Fotobuch schaut man sich nur selten an, das steht meistens im Schrank“, sagt Holtmann. Die Landkarten und Stadtpläne an der Wand ließen hingegen jederzeit die Urlaubserinnerungen aufkommen. An vier Tagen in der Woche – dienstags, donnerstags, freitags und sonnabends – können sich Interessierte über das Angebot informieren.

Drei Monate bleiben die Geschäfte zunächst geöffnet. Im November soll ein weiterer Pop-up-Store in einem ehemaligen Bekleidungsgeschäft an der Großen Straße dazukommen. Details verrät Fortmann noch nicht.

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