Letzte Sitzung des Verdener Stadtrats Radverkehr und kalte Platten

Der "alte" Verdener Stadtrat kam zu seiner letzten Sitzung zusammen. Und die Mitglieder fassten nochmal zukunftsträchtige Beschlüsse bevor sie sich Schnittchen schmecken ließen.
29.09.2016, 00:00
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Radverkehr und kalte Platten
Von Andreas Becker

Der "alte" Verdener Stadtrat kam zu seiner letzten Sitzung zusammen. Und die Mitglieder fassten nochmal zukunftsträchtige Beschlüsse bevor sie sich Schnittchen schmecken ließen.

Trotzdem wurden zukunftsträchtige Beschlüsse gefasst, etwa zum sogenannten Brückenschlag über die Aller. Hier stimmte der Rat mehrheitlich dafür, einen Fördermittelantrag zum Bundeswettbewerb „Klimaschutz im Radverkehr“ zu stellen. Zwei Mitglieder der CDU-Fraktion votierten dagegen, acht enthielten sich der Stimme.

Die Fördermittel sollen zum Bau einer neuen Radverbindung von Wahnebergen nach Verden entlang der Eisenbahnbrücke dienen. Die Wegeverbindung soll als Abkürzung, vor allem für Pendler, in die Innenstadt und ins Gewerbegebiet dienen. Die Stadt hofft auf eine 70-prozentige Förderung und würde das Projekt gemeinsam mit der Gemeinde Dörverden und dem Landkreis Verden realisieren. Wie berichtet, würde sich die Gemeinde Dörverden jedoch nicht finanziell an dem Projekt beteiligen, sondern gegebenenfalls Aufgaben der Unterhaltung übernehmen. Wie Heinz Möller (SPD) in der Sitzung berichtete, habe der Kreistag bereits seine Bereitschaft signalisiert, einen finanziellen Anteil zu übernehmen. Nach dem aktuellen Stand der Planungen betragen die Gesamtkosten etwa 2,8 Millionen Euro.

Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) brachte den Stadtrat zunächst auf den aktuellen Stand des Verfahrens. Danach habe die Stadt bereits eine Projektskizze eingereicht. 50 Teilnehmer, darunter Verden, seien ausgewählt worden, in einem zweiten Schritt das Projekt ausführlich zu beschreiben. Bestandteile seien neben der eigentlichen Radbrücke der Ausbau von Bahnhofstraße und Im Burgfeld für den Radverkehr sowie gesicherte Abstellanlagen samt Ladestationen für E-Bikes. Die notwendigen Verträge mit der Deutschen Bahn, um an der Eisenbahnbrücke eine Radbrücke anzuhängen, habe die Stadt bereits abgeschlossen, so Brockmann. „Eine Entscheidung für die Radbrücke ist keine Entscheidung gegen einen dritten Allerübergang für Autos“, warb er für das Projekt. Auch Nichtradler hätten etwas davon, da durch eine schnelle Wegeverbindung der Anreiz größer werde, mit dem Rad und nicht mit dem Auto in die Stadt zu pendeln. Dadurch verringere sich der Stau an der Hönischer Kreuzung. Michael Otten (SPD) sagte, die Stadt habe ein Problem mit ihrer Erreichbarkeit. Deshalb sei jede Brücke hilfreich. „In absehbarer Zeit ist ein dritter Allerübergang nicht realisierbar, da sind wir uns einig“, sagte er. E-Bikes seien ein Riesenthema, mit der Radbrücke denke der Stadtrat an die Zukunft.

Kritischer betrachtet Jens Richter (CDU) das Thema. Eine Radbrücke sei zwar wünschenswert, die Kosten stünden aber in keinem Verhältnis. Selbst wenn die Höchstförderung bewilligt werde, bleibe für die Stadt noch eine erhebliche Summe zu stemmen. „Dazu kommen jährliche Unterhaltungskosten von 209 000 Euro“, warnte Richter vor einer „erheblichen Belastung“ für Verden. Er sehe auch die künftigen Nutzerzahlen der Brücke als zu optimistisch an.

Einen Rückblick ins Jahr 2001, als das Thema Radbrücke erstmals diskutiert worden sei, unternahm Henning Wittboldt-Müller von der FDP. „Bei so einem Projekt muss man dicke Bretter bohren“, betonte er. Damals und auch später habe die CDU hinter dem Projekt gestanden. Insofern warf er der CDU-Fraktion im Stadtrat inkonsequentes Verhalten vor. „Wenn die Radbrücke einmal fertig ist, will sie jeder gebaut haben“, so Wittboldt-Müller ironisch. Die Brücke sei nicht notwendig, aber ein großer Teil der Bürger stehe hinter dem Projekt. Sinnvoll sei, sie in Bezug zu setzen mit dem dritten Allerübergang.

Dass die Grünen hinter dem Projekt stünden, sei laut Johanna König keine Überraschung. Nach ihren Informationen würden seit zehn Jahren immer mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen. Mit dem Bau der Radbrücke ließen sich die Verkehrsspitzen abfedern. „Die Folge ist, dass sich zu Stoßzeiten weniger Staus bilden“, sagte sie. Frank Medenwald (CDU) ließ sich davon nicht beeindrucken. „Sagen Sie doch einfach, dass sie das Ding wollen und die Mehrheit haben, das auch zu machen. Damit kann man leben, aber verstecken Sie sich nicht hinter Zahlen und Gutachten, die teilweise hanebüchen sind“, warf er Bürgermeister Lutz Brockmann und der Mehrheitsgruppe vor. Er kündigte an, dagegen zu stimmen. „Ich will, dass Steuergeld sinnvoller ausgegeben wird“, sagte Medenwald.

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