Freiwilligenagentur 'ZeitSpende': Jörg Keßler gibt Kurse im Internetcafé am Schwarzen Berg Rentner schult Rentner am Computer

Von Julia Vogel
14.10.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Julia Vogel

Verden. Zwei Tage pro Woche ist der Rentner Jörg Keßler im Internetcafé am Schwarzen Berg anzutreffen. Dort leitet er Computerkurse für Senioren und bringt ihnen den einfachen Umgang mit dem Internet sowie Schreib- und E-Mail-Programmen bei - ehrenamtlich. Die Verdener Freiwilligenagentur 'ZeitSpende' vermittelte ihm diese Arbeit.

Seit einem Jahr ist Keßler nun schon im Internetcafé tätig. Ein Freund hatte ihm damals einen Flyer der Freiwilligenagentur mitgebracht. 'Er wusste, dass ich gerne eine regelmäßige Arbeit machen wollte', so Keßler. Er habe sein Freizeit als Rentner sinnvoll nutzen wollen. 'Ich meldete mich bei der ?ZeitSpende? und wir überlegten gemeinsam, welche Arbeit für mich infrage käme', sagt er. Dabei hätten sich zwei Möglichkeiten ergeben: die Mitarbeit in einem Sportverein oder die Leitung der Computerkurse. 'Ich entschied mich für Letzteres, weil der Verein erst im Aufbau war', erzählt Keßler.

So übernahm er die beiden Seniorenkurse, die sein Vorgänger vier Jahre lang - seit der Öffnung des von der Stadt Verden eingerichteten Internetcafés - geleitet hatte. '1976 hatte ich den ersten Kontakt mit einem Computer und in den Jahren 1997 und 1998 habe ich eine Ausbildung zum EDV-Sachbearbeiter gemacht', sagt Jörg Keßler. Daher käme ihm die Arbeit im Internetcafé sehr gelegen und mache ihm außerdem viel Spaß. 'Ich finde es auch wichtig, dass Ältere ihr Wissen an Jüngere weitergeben', erzählt er.

'Montagvormittag unterrichte ich diejenigen, die im Umgang mit Computern noch etwas unerfahrener sind, am Mittwochvormittag die Fortgeschrittenen', erklärt Keßler. Fünf Computer stehen in dem Internetcafé, meist seien drei bis vier Personen pro Kursus anwesend. 'Wir haben also noch freie Plätze', so der Verdener.

Zu Hause bereitet Jörg Keßler sich intensiv auf die Stunden vor. 'Ich denke mir Fragen aus, die ich meinen Schülern dann stellen kann', sagt er. Und gleich nach einer Unterrichtsstunde habe er dann schon wieder viele neue Ideen für die folgende Woche.

'Was kostet der Flug von Bremen nach Sydney?', lautet zum Beispiel eine Aufgabe. Die Kursusteilnehmer müssten dann den kostengünstigsten Flug aus dem Internet suchen. 'Ich will meine Schüler außerdem auf die Gefahren des Internets hinweisen', erzählt der Rentner. Manchmal stelle er ihnen auch geschichtliche Fragen, deren Antworten sie dann durch Internetrecherche herausfinden müssten. Außerdem würden sie praktische Dinge wie das Einrichten von E-Mail-Accounts sowie das Drucken von Etiketten oder Visitenkarten lernen.

'Als nächstes wollen wir selber Weihnachtskarten herstellen', sagt Christiane Raude, eine der Teilnehmerinnen des Fortgeschrittenenkurses. Seit anderthalb Jahren besucht sie das Internetcafé. 'Ich wollte den Computer einfach besser kennenlernen und sicherer im Umgang mit dem Internet werden', erklärt sie. 'Wenn wir Fragen haben, werden sie auf jeden Fall von Jörg Keßler in den Unterricht eingebaut.'

Angenehm sei auch das Gemeinschaftsgefühl unter den Teilnehmern. Man treffe sich auch außerhalb der Unterrichtszeiten. 'Wir waren zum Beispiel zusammen auf der Domweih Eis essen', so Jörg Keßler. Er wolle die Kurse gerne noch lange Zeit leiten. Doch nicht nur während seiner Unterrichtsstunden ist Keßler im Internetcafé anzutreffen. 'Mittwochnachmittags übernehme ich die Aufsicht im öffentlichen Café', erklärt der Rentner. Überwiegend Jugendliche aus der Gegend würden dann dort im Internet surfen oder für die Schule recherchieren. 'Auch ihnen hoffe ich mit meinem Wissen weiterhelfen zu können', sagt der aktive Rentner.

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