Tanzpädagogik Révérence für Christa Weise

Das Verdener Ballettstudio Christa Weise firmiert ab dem 1. Juli unter dem Namen Polkadot. Was sich hinter diesem Namen verbirgt, erklärt die neue Primaballerina.
28.06.2017, 17:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Verden. In ihrem Lied „So ein Mann“ verliert die frühere Balletttänzerin Margot Werner still und leise Taschentücher bündelweise. Genauso wie die Ballettschüler von Christa Weise. Mit einer bewegenden Révérence haben sie sich jetzt von ihrer langjährigen Ballettlehrerin verabschiedet. „Der Begriff Révérence kommt aus dem Französischen und bedeutet, dass sich die Schüler nach dem Tanz von ihrer Ballettmeisterin und dem Pianisten verabschieden“, erläutert Tanzpädagogin Julia Nehus die höflichen Umgangsformen auf dem Tanzteppich. Gut, die Musik kommt in der Ballettschule Weise zwar üblicherweise vom Band, aber verneigt haben sich die Ballerinas dennoch vor ihrer Meisterin. Die war sichtlich berührt von der ehrfürchtigen Darbietung. Zum 1. Juli gibt sie ihr Ballettstudio nun in jüngere Hände, hat mit der Bremer Tanzpädagogin Isabella Klesse eine absolute Wunsch-Nachfolgerin gefunden. Wenn sie nicht überzeugt davon wäre, dass die Mutter einer kleinen Tochter dafür die Richtige ist, hätte sie ihr Lebenswerk wohl kaum aus der Hand gegeben. „Christa Weise ist auf allen Ebenen ein absolut korrekter Mensch. Sie hat einfach für das Tanzen, ihr Studio und ihre Schüler gelebt“, schwärmt Mitarbeiterin Julia Nehus von ihrer langjährigen Chefin und bescheinigt dem Ballettstudio ein Spitzen-Niveau. Und das, obwohl die Schüler dort ja eigentlich „nur“ hobbymäßig an der Stange und vor der riesigen Spiegelwand trainieren.

Wie sagte doch einst Augustinus? „Oh Mensch, lerne Tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen.“ Christa Weise, die in Dörverden aufgewachsen ist, hat diese geflügelten Worte beherzigt wie keine Zweite. Nach ihrer Ausbildung zur Bühnentänzerin an einer der renommiertesten privaten Ballettschulen Niedersachsens hatte sie unter anderem Engagements beim Oldenburgischen Staatstheater und der Landesbühne Niedersachsen-Nord in Wilhelmshaven. Vor nunmehr 23 Jahren, 1994, eröffnete sie ihr Ballettstudio in Verden – damals noch am Nikolaiwall. „Ballett? Brauchen wir hier in Verden nicht!“, erinnert sich Christa Weise noch wie heute an die Antwort, die sie damals auf dem Kulturamt bekam. „Meinen Kreditantrag hat die Bank gleich in der Schublade behalten“, erzählt sie lachend. Dennoch habe sich ihre Hartnäckigkeit im Endeffekt ausgezahlt, verweist Christa Weise auf ihre Erfolge. Ihr Studio wurde sogar als berufsvorbereitende Ballettschule anerkannt. „Weil es im Umkreis nie ein eigenständiges Ballettstudio gegeben hat, habe ich mich früher ganz bewusst für Verden entschieden“, betont die Bremerin. 1999 folgte der Umzug ins Ökologische Zentrum an der Artilleriestraße.

Ihrer Nachfolgerin Isabella Klesse hinterlässt Christa Weise also ein gut aufgestelltes Studio. Künftig wird es zwar unter dem Namen Polkadot – wie Klesses Studio in Schwachhausen – firmieren, aber die bewährten Lehrkräfte Melanie Schubert (Ausbildung an der Hamburger Lola-Rogge-Schule) und Julia Nehus bleiben natürlich auch weiterhin an Bord. „Ich kannte Christa Weise schon, bevor ich sie kannte, ohne zu wissen, wer sie ist“, erzählt Isabella Klesse davon, welchen guten Ruf das Verdener Studio selbst in der Tanz-Metropole Bremen genießt. Die Tanzwelt sei schließlich klein. Die Ballettschuhe haben Christa Weise und Isabella Klesse, ebenfalls Mitglied im Berufsverband deutscher Tanzpädagogen, bereits getauscht – nun hofft die Bremerin, dass sie in Verden ebenso große Fußstapfen hinterlässt, wie es Christa Weise in den vergangenen 23 Jahren getan hat. Was bedeutet eigentlich der Name Polkadot? „Er leitet sich aus dem Modebereich ab und bezeichnet ein fröhliches Tupfenmuster“, klärt Isabella Klesse auf.

Sogar fünf Jungs schweben momentan im Ballettstudio Weise über die Tanzfläche. „Manche entscheiden sich doch lieber für Fußball, wenn sie in die Schule kommen und ihre Mitschüler erfahren, dass sie zum Ballettunterricht gehen“, erzählt Christa Weise schmunzelnd. Andere wiederum würden selbst im fortgeschrittenen Alter noch die Ballettstange für sich entdecken. In diesem Kontext fallen der ehemaligen Musical-Darstellerin („Kiss Me, Kate“) zwei größere Jungs ein, die mittlerweile „volle Kanne“ dabei seien. Langweilig wird es der umtriebigen Christa Weise in ihrem neuen Lebensabschnitt bestimmt nicht, schließlich will sie in Bremen künftig ein generationenübergreifendes Wohnprojekt realisieren. Nach wie vor hege sie eine große Dankbarkeit, dass sie ihren Lebenstraum verwirklichen durfte, sagt die Tanzpädagogin, und sammelt die Taschentücher auf, die bündelweise über den Boden verstreut liegen.

„Polkadot bezeichnet ein fröhliches Tupfenmuster.“ Isabella Klesse
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