Coronakrise

Riesige Welle der Solidarität

Im Verdener Südkreis gibt es zahlreiche Hilfsprojekte für Menschen aus Risikogruppen. Von Einkäufen über Botengänge bis zum Gassigehen ist alles dabei.
26.03.2020, 16:53
Lesedauer: 3 Min
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Riesige Welle der Solidarität
Von Jörn Dirk Zweibrock
Riesige Welle der Solidarität

Helfer in der Not: Georg Mahn (l.) und Kay Zimmer.

Schuhplus

Seit dem Ausbruch des Coronavirus halten die Menschen im Verdener Südkreis zwar Abstand, haken sich aber im übertragenen Sinn unter. Viele Hilfsprojekte wurden in den vergangenen Tagen ins Leben gerufen, Nachbarn kaufen für die ältere Dame von gegenüber ein oder versorgen aus reiner Nächstenliebe wildfremde Bürger mit Vorerkrankungen.

Der 26-jährige Verdener Sönke Schlemmer hat beispielsweise die Corona Hilfe Verden gegründet. „Das Angebot nimmt langsam Fahrt auf. Donnerstagvormittag haben sich schon drei Verdener bei mir gemeldet. Zwei davon schicken mir ihren Einkaufszettel per E-Mail, eine Dame, die noch keinen Internetanschluss besitzt, gibt mir ihre Liste dann kurz vor dem Einkauf telefonisch durch“, erzählt der hilfsbereite junge Mann. Auch ein Kollege von ihm hat schon einer anderen älteren Dame helfend zur Seite gestanden. „Erst hat er für sie das Rezept beim Arzt herausgeholt und später die Medikamente in der Apotheke besorgt.“ Die Corona Hilfe Verden habe bereits viele positive Rückmeldungen erhalten, freut sich der berufstätige Verdener. Warum hat er das Projekt eigentlich gestartet? „Ich will einfach meine durch die Coronakrise hinzugewonnenen Freizeit sinnvoll nutzen und der Gesellschaft etwas zurückgeben“, erläutert er seine Motivation. Wer der Risikogruppe angehört und aktuell nicht das Haus verlassen darf, kann Sönke Schlemmer und seine Mitstreiter unter der Mobilfunknummer 01 70/2 84 55 22 um Hilfe beim Einkaufen oder kleinerer Botengänge bitten.

Nachbarschaftshilfe für Menschen aus Risikogruppen wird auch bei der Verdener Freiwilligenagentur groß geschrieben. „Auf unserer Homepage www.freiwilligenagentur-verden.de/jetzt-helfen-in-verden. können sich Interessierte als Nachbarschaftshelfer registrieren lassen“, erklärt Fred Pielsch. Außerdem ist eine Hotline (Telefon 0 42 31/1 22 00) geschaltet und das Angebot per E-Mail an nachbarschaftshilfe@verden.de zu erreichen. Frei nach dem Motto „Vereint, vermittelt, verbindet“ sollen die Menschen zusammengebracht werden. „Ein kleiner Schnack am Telefon oder die Frage nach dem Befinden können außerdem helfen, Gefühle von Isolation und Einsamkeit zu verringern. Daher kann auch dies ein Hilfangebot sein“, ist Pielsch überzeugt.

Auch für Event-Managerin Jeanette Atherton stand sofort fest, dass sie helfen will. Unter der Telefon-Hotline 0 42 51/9 83 93 41 vermittelt sie Hilfesuchende an Hilfsbereite. Ob Einkaufsdienste oder Gassigehen mit dem Vierbeiner – Atherton kümmert sich und hat sich bereits der Aktion der Verdener Freiwilligenagentur angeschlossen.

Der Slogan der evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai lautet ohnehin schon „St. Nikolai – Ich bin dabei“. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Pastor Holger Hermann und sein Team der Initiative der Diakonie Hannover „Wir helfen helfen“ anschließen würden. Informationen zum Projekt „Nikolai hilft“ gibt es unter www.nikolaigemeinde-verden.de. Auch die Kirchengemeinden Kirchlinteln und Wittlohe haben die Idee des Diakonischen Werkes gerne aufgenommen. Zentrale Ansprechpartnerin ist hier Regionaldiakonin Karin Kuessner (0 42 36/9 41 32, karin.kuessner@evlka.de).

„Als erste Speerspitze haben wir einen Lebensmittel-Bringdienst eingerichtet, um den Angehörigen der Risikogruppen zu ermöglichen, durchweg zu Hause zu bleiben“, teilt Dirk Westermann, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit. Der Kreisverband ist unter 0 42 31/9 24 50 zu erreichen.

Auch die Landgemeinde Dörverden steht der Kreisstadt in Sachen Hilfsbereitschaft in nichts nach. Das von Stefan Bormann initiierte Netzwerk „Dörverden hilft“ ist unter coronahilfe@schulzentrum-doerverden.de oder unter 0 42 34/94 21 51 zu erreichen. Das gesellschaftlich breit aufgestellte Netzwerk hat sich unter anderem aus Parteien, Kirchengemeinden und Vereinen formiert.

Schuhplus, der Dörverdener Spezialist für Übergrößen, unterstützt nicht nur finanziell die Corona-Forschung (von jeder Online-Bestellung fließen fünf Euro an das Robert-Koch-Institut), sondern bietet darüber hinaus auch einen Einkaufs-Service für ältere Menschen und Erkrankte an. „Die Bestellungen werden montags bis freitags in der Zeit von 9 biss 11 Uhr telefonisch unter 0 42 34/8 90 90 80 entgegen genommen und nachmittags ausgeliefert“, erklären Firmenchef Kay Zimmer und sein Kompagnon Georg Mahn.

„Die Erfahrungen aus der enorm schwierigen Nachkriegszeit zeigen, wie wirksam ehrenamtliches Handeln ist“, freut sich der frühere Landtagsabgeordnete Wilhelm Hogrefe über die riesige Welle der Solidarität, die gerade durch den Südkreis rauscht.

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