Minister diskutiert über Erdgasförderung Schlagabtausch in Langwedel mit Olaf Lies

Erst machte er sich ein Bild von den Schäden, die der jüngste Erdstoß am 22. April im Rathaus Langwedel angerichtet hat. Dann diskutierte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies über die Erdgasförderung.
08.09.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Jörn Dirk Zweibrock

Erst machte er sich ein Bild von den Schäden, die der jüngste Erdstoß am 22. April im Rathaus Langwedel angerichtet hat. Dann diskutierte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies über die Erdgasförderung.

Diskussion mit Bürgerinitiativen

Der anschließenden Diskussion mit den Vertretern der landkreisweit aktiven Bürgerinitiativen (BI) gegen Erdgasförderung und Fracking ging ein Fachgespräch mit Landrat Peter Bohlmann (SPD), den Bürgermeistern von Verden und Kirchlinteln, Lutz Brockmann und Wolfgang Rodewald, sowie der sozialdemokratischen Bundestagsabgeordneten (MdB) Christina Jantz-Herrmann voraus. Ebenfalls anwesend: ein Vertreter der Deutschen Erdöl AG (Dea).

Die Forderungen, die dem Förderbetrieb seitens der Politik mit auf den Weg gegeben wurden, wurden auch noch einmal während des folgenden Schlagabtausches zwischen Minister und BI-Vertretern deutlich. Als da wären: die Errichtung eines engmaschigen Mess-Systems sowie der Wunsch nach einem wissenschaftlichen Gutachten, das untersucht, ob die Versenkung von Lagerstättenwasser nun stabilisierend oder etwa doch destabilisierend auf die ausgeförderten, druckabgesenkten Horizonte (5000 Meter Tiefe) wirkt. Auch der Wunsch nach Höhenmessungen kam immer wieder auf.

Die Verwaltungschefs aus den erdgasfördernden Städten und Gemeinden des Landkreises wollten mit Olaf Lies „nicht nur am grünen Tisch“, wie es Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt ausdrückte, sondern vielmehr auch mit den Vertretern der insgesamt sechs im Landkreis Verden aktiven BI diskutieren. „Wir haben zwar gerade Sitzungswoche in Berlin, aber ich bin extra nach Langwedel gekommen, um zu schauen, wie das Gesetzespaket, das wir beschlossen haben, vor Ort wirkt“, sagte MdB Christina Jantz-Herrmann. Zur Erinnerung: Sie hatte sich damals bei der Abstimmung im Parlament enthalten.

Lies: Fracking-Gesetz wichtig

Mit dem von den Bürgerinitiativen vielfach kritisierten neuen „Fracking-Gesetz“ (wir berichteten) habe der Bundestag kürzlich dem von ihm immer geforderten verbindlichen Rechtsrahmen geschaffen, betonte Lies noch einmal. Und weiter: „Ich halte das Gesetz für richtig, sonst wären wir weiterhin vom guten Willen der erdgasfördernden Unternehmen abhängig gewesen“, erklärte Lies im Hinblick auf das sogenannte Fracking-Moratorium, zu dem sich die Erdgasindustrie vor der Verabschiedung des neuen Gesetzes entschieden hatte.

Die BI kritisierten beispielsweise, dass in dem neuen Gesetzespaket Themen wie das offene Abfackeln überhaupt keine Erwähnung finden. Auch dieser Komplex sei im vorangegangenen Fachgespräch mit dem niedersächsischen Wirtschaftsminister noch einmal zur Sprache gekommen, warf Andreas Brandt die Frage nach einem zusätzlichen Monitoring auf. Einig waren sich alle, dass künftig ein Maximum an Daten zur Verfügung gestellt werden müsse, dass anhand der Messwerte genau nachvollzogen werden könne, wo bei einem Erdstoß welche Erschütterung wahrgenommen worden sei.

„Das Mess-System wird von der Dea ständig erweitert. Künftig kommen noch zwei weitere Stationen hinzu“, sagte Heinz Oberlach, Sprecher für den Förderbetrieb Niedersachsen, im Gespräch mit dieser Zeitung. Es gebe zwei Arten von Mess-Werken – Tiefenmess-Stationen in Schächten sowie Oberflächen-Schwingungsmesser wie im Rathaus Langwedel. Beide Systeme würden die Schwingungsgeschwindigkeiten eines seismischen Ereignisses aufzeichnen. „Die von den Sensoren ermittelten Daten werden gekoppelt, daraus ergibt sich dann die Tiefe des seismischen Ereignisses und daraus lässt sich dann wiederum auch die Stärke rückkoppeln. Und es wird gemessen, welche Schwingung tatsächlich an der Oberfläche ankommt“, führte Oberlach aus.

Stichwort Lagerstättenwasser-Verpressung: „Es gibt das Ansinnen des Förderbetriebs, eine Verpress-Stelle im Raum Völkersen einzurichten“, spielte Langwedels Verwaltungschef Andreas Brandt auf den entsprechenden Antrag an, der bereits seit Monaten beim LBEG, dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover liegt. Reduziert die Verpressung von Lagerstättenwasser nun die Erdbebengefahr oder wird sie dadurch womöglich noch erhöht – diese Frage stand bei der Diskussion mit dem Minister im Langwedeler Bürgersaal im Raum. Und diese Frage treibt natürlich auch Verdens Landrat Peter Bohlmann als Vertreter der Unteren Wasserbehörde um. BI-Mitglied Gerd Landzettel: „Es gibt darüber empirische Erkenntnisse aus Amerika. Beim Verpressen von Lagerstättenwasser in ausgeförderten Horizonten steigt das Erdbeben-Risiko.“ Der Landkreis Verden könne in dieser Angelegenheit nicht alleine Grundlagenforschung betreiben, betonte Landrat Peter Bohlmann. Zumal es auch noch die Möglichkeit einer Oberflächen-Entsorgung gebe.

Für Olaf Lies stand jedoch fest: Die Kosten für ein solches Gutachten müssen von der Erdgasindustrie und nicht aus der Gemeindekasse bezahlt werden. „Die Dea hat bereits vor Jahren eine entsprechende Untersuchung in Auftrag gegeben“, erinnerte der Sprecher für den Förderbetrieb Niedersachsen noch einmal an die damalige Studie. Tenor: Das Versenken von Lagerstättenwasser in ausgeförderte, druckreduzierte Horizonte – sprich, dort wo es herkomme – würde die Stabilität im Untergrund „nicht negativ beeinflussen“, erklärte Oberlach.

Angesprochen auf das viel zitierte Beispiel aus den USA entgegnete er: „Dort wurde Lagerstättenwasser in höher gelegenen Horizonten, in Störungszonen, versenkt.“ Dea werde sich selbstverständlich nicht weigern, sollte das Landesbergamt zur „Unterfütterung“ des Antrages weitere Untersuchungen benötigen, betonte Oberlach.

Übrigens: In der unmittelbaren Nachbarschaft, bei Walsrode im Heidekreis, hat es gerade am vergangenen Wochenende wieder Erdstöße rund um die dortigen Erdgasfelder gegeben. Auch dort fördert die Dea Erdgas.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+