Auktion

Verdener Tafelsilber wird versteigert

Im Kunstauktionshaus Schloss Ahlden kommen wertvolle Leuchter unter den Hammer. Sie stammen von Silberschmied Hermann Christoffer Ludewig Koch.
04.09.2020, 13:56
Lesedauer: 3 Min
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Verdener Tafelsilber wird versteigert
Von Jörn Dirk Zweibrock
Verdener Tafelsilber wird versteigert

Einst Verbannungsort der ungekrönten Königin von Großbritannien, heute renommiertes Kunstauktionshaus: Schloss Ahlden.

Kunstauktionshaus Schloss Ahlden

Der Verdener Silberschmied Hermann Christoffer Ludewig Koch war ein Meister seines Fachs. Ein Paar seiner um 1820 gefertigten silbernen Tafelleuchter wird an diesem Sonnabend, 5. September, im Kunstauktionshaus Schloss Ahlden versteigert. Die Versteigerung beginnt um 11 Uhr. Der Startpreis liegt nach Aussage von Mitarbeiterin Anna-Maria Rumland bei 1800 Euro. „Man kann das als Okkasion ansehen“, sagt die Expertin. Solche Silberofferten aus Verden gebe es relativ selten, weil damals auf dem Land schlichtweg nicht soviel hergestellt wurde wie beispielsweise in der Hauptstadt.

Bei der insgesamt 179. Kunstauktion im Schloss Ahlden kommen einige Schätze unter den Hammer. Die Verdener Tafelleuchter bewegen sich damit kunsthistorisch betrachtet in allerbester Gesellschaft. Kaiserlich-königliche Prunkvasen, geformt vom berühmten preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel, verziert von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), befinden sich ebenso im Auktionskatalog wie Steinschloss-Reiterpistolen vom Alten Fritz. Anna-Maria Rumland setzt gleich noch einen drauf: „Der Auktionssaal befindet sich ganz in der Nähe von Sophie Dorotheas Schlafgemach.“ Richtig, weil die Kurprinzessin von Braunschweig-Lüneburg zu ihrer Zeit mit Graf von Königsmarck fremdgegangen ist, wurde sie nicht Königin von Großbritannien, sondern nach Ahlden verbannt.

Inmitten dieser blaublütigen Umgebung kommen nun also bei der großen Herbstauktion im Kunstauktionshaus Schloss Ahlden die Schätze aus Verden unter den Hammer. „Sie sind unglaublich fein gearbeitet“, schwärmt die Mitarbeiterin des Auktionshauses von den beiden Tafelleuchtern. Am Stand befinde sich ein Lorbeerkranz, weiter oben seien die Leuchter mit Akanthus-Blättern verziert. Sie stammen aus der frühen Biedermeier-Zeit. „Es gibt bereits einige Interessenten für die Objekte“, verrät die Kunstexpertin und ist schon ganz gespannt darauf, in welcher Höhe sich am Sonnabend der Zuschlagspreis bewegen wird.

In der Tat – auch heute noch fällt bei jeder Auktion im Schloss Ahlden ganz klassisch das Hämmerchen. 150 bis 180 Positionen werden dort im Schnitt pro Stunde aufgerufen. Nicht nur in Corona-Zeiten, sondern auch schon vorher wurden im Schloss Online-Auktionen abgehalten. Aber auch auf schriftlichem oder telefonischem Weg haben Interessenten dort Gelegenheit mitzubieten. Natürlich besteht bei der dreitägigen Herbstauktion an diesem Wochenende auch die Möglichkeit, vor Ort im großen Auktionssaal in unmittelbarer Nachbarschaft zu Sophie Dorotheas Schlafgemach mitzubieten. Unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygienevorschriften versteht sich.

Im Gegensatz zu den mit Berliner Stadtansichten (Schloss, Altes Palais) verzierten Prunkvasen weisen die Kochschen Leuchter keine Bezüge zur Reiterstadt auf. Sie bestechen einfach durch fast noch klassizistische Eleganz. Der Verdener Silberschmied Hermann Christoffer Ludewig Koch hat übrigens im Jahr 1785 den Meistertitel erhalten. „Bei den Pistolen aus dem persönlichen Besitz von Friedrich II., Sophie Dorotheas Enkel, handelt es sich um Reiter-, nicht etwa um Duellpistolen“, betont Anna-Maria Rumland noch einmal. Sie wurden von einer bekannten Büchsenmacher-Familie gefertigt. Prinz Ernst August von Hannover habe sie dann verkauft.

Als Prinzessin von Ahlden ist Sophie Dorothea, die ungekrönte Königin von Großbritannien, in die Geschichte eingegangen. In ihrem ehemaliger Verbannungsort, dem Schloss, finden bereits seit rund vier Jahrzehnten Auktionen statt. Drei große Versteigerungen (Mai, September, November) werden dort im Jahresverlauf veranstaltet. Das Haus zählt heute nach Aussage von Anna Maria-Rumland deutschlandweit zu den fünf größten.

Unter den Kunden des international tätigen Auktionshauses befinden sich Anna Maria-Rumland zufolge Industrielle, Verleger und Politiker. Namen verrät sie natürlich nicht. Nur soviel: „Es ist gut möglich, dass die Leuchter wieder zurück nach Verden kommen.“

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