Männergesangverein 'Eintracht' Uphusen löst sich auf / Keine neuen Mitglieder Schlussstrich nach 125 Jahren

Achim-Uphusen. Vor 125 Jahren gründete ein junger Lehrer den Männergesangverein 'Eintracht' Uphusen. Der Chor trat bei Konzerten, Geburtstagen, Dorffesten und Adventsfeiern auf. Doch am kommenden Sonnabend, 23. Oktober, ziehen die Mitglieder einen Schlussstrich - der Verein löst sich auf. 'Wir mussten erkennen, dass unsere Mitgliederzahl kontinuierlich abgenommen hat. Neue jüngere Mitglieder sind nicht in Sicht', erklärt Dieter Harries. Er hat eine Vereinschronik erstellt.
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Von Christian Butt

Achim-Uphusen. Vor 125 Jahren gründete ein junger Lehrer den Männergesangverein 'Eintracht' Uphusen. Der Chor trat bei Konzerten, Geburtstagen, Dorffesten und Adventsfeiern auf. Doch am kommenden Sonnabend, 23. Oktober, ziehen die Mitglieder einen Schlussstrich - der Verein löst sich auf. 'Wir mussten erkennen, dass unsere Mitgliederzahl kontinuierlich abgenommen hat. Neue jüngere Mitglieder sind nicht in Sicht', erklärt Dieter Harries. Er hat eine Vereinschronik erstellt.

Die Geschichte des Vereins 'Eintracht' begann am 1. Oktober 1885, als die Uphuser Schule einen neuen Lehrer bekam. Friedrich Seebode, 1861 in Lehrte geboren, war ein Verehrer des deutschen Liedgutes. Schnell hatte er 27 sangesfreudige Männer für die Idee eines Männergesangvereins gewonnen. Am 23. Oktober 1885 wurde die Idee zur Wirklichkeit. Der Männergesangverein 'Eintracht' wurde gegründet.

In den ersten 25 Jahren war Seebode Dirigent. Nach der Jubiläumsfeier legte er dieses Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder und wurde zeitgleich zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Am 22. September 1936 verstarb er. 'Alle Aktivitäten des Vereins trugen seine Handschrift. Er dirigierte, er organisierte, er entwarf und hielt die Reden. 'Er war die Seele des Vereins', sagt Dieter Harries.

Das erste herausragende Ereignis des Vereins war das Fest zur Fahnenweihe im Jahr 1895. Das ganze Dorf war auf den Beinen. 19 befreundete Chöre beteiligten sich an der Veranstaltung. Nach Fahnenschwur, Rede- und Gesangsdarbietungen marschierte der Festzug, begleitet von zwei Kapellen, durch das Dorf. Während der Kriegsjahre 1914 bis 1918 ruhte die Vereinstätigkeit. Im Frühjahr 1919 wurden die Singabende unter der Leitung des Lehrers Wickbold wieder aufgenommen.

Unglaubliche Zahlen sind im Protokollbuch für den Jahresbericht 1923 verewigt, als in Deutschland die Hyperinflation herrschte. Der Kassenbericht des Gesangvereins protokollierte Einnahmen in Höhe von 23140763353655,60 Mark, bei Ausgaben von 19343261380985,00 Mark. Der Bestand wurde mit exakt 3797501972670,60 Mark (3,797 Billionen) angegeben. 'Für diesen Kassenbestand konnte man sich bei den damaligen Preisen ungefähr 16 Roggenbrote á ein Kilogramm kaufen', hat Dieter Harries ausgerechnet.

Das Protokoll für das Jahr 1933 berichtet, dass in Anbetracht der 'erfolgten nationalen Erhebung des Deutschen Reiches zum nationalsozialistischen Staat' die Umstellung des Vereins auf das 'Führerprinzip' durchgeführt wurde. Vorsitzender war nun der Vereinsführer. Nur dieser musste von den Mitgliedern gewählt werden, weitere Amtsinhaber wurden vom Vereinsführer ernannt. Bis in das Kriegsjahr 1941 dürfte geprobt werden. Dann wurde das Vereinsleben in Uphusen eingestellt. Aber schon im Herbst 1946 machten sich die Sangesbrüder daran, den Verein neu zu beleben. Ab Oktober 1946 traf man sich wieder regelmäßig. Vereinslokal war die Gaststätte Gerken.

1948 wurde in der Generalversammlung der 27-jährige Johannes Oetjen zum 1. Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt übte er bis zum Jahr 1999 aus.

Am 28. Juni 1985 fand ein offizieller Festakt zum 100-jährigen Vereinsbestehen statt. Die Uphuser Sänger konnten zahlreiche Gäste aus Verwaltung, Politik und weiteren Uphuser Vereinen begrüßen. Außerdem gab es Grußbotschaften zahlreicher befreundeter Chöre.

Seit 2001 übte und sang der Verein in einer Chorgemeinschaft mit den Männerchören aus Achim und Ottersberg. Da die Uphuser allerdings unzufrieden waren, wurde die Zusammenarbeit im April 2007 beendet. Dieser Beschluss bedeutete aber auch, dass ein Singbetrieb allein mit den verbliebenen Uphuser Sängern nicht mehr möglich war. Daraufhin beschlossen die Chormitglieder einstimmig, den Verein fast genau 125 Jahre nach der Gründung aufzulösen.

Gleichzeitig wurde beschlossen, dem Förderverein des Kindergartens Uphusen die Kassenbestände als 'Abschiedsgeschenk' zu vermachen.

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