Schüler nehmen an Wettbewerb teil Filmcollage über den Reitsport in Verden

Über „Die Geschichte des Reitsports in Verden“ haben drei Schüler des Domgymnasiums einen Film gedreht und ihn als Beitrag wie einige ihre Mitschüler beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten eingereicht.
28.03.2021, 13:45
Lesedauer: 4 Min
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Von Angelika Siepmann

Verden. Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass Frank-Walter Steinmeier auch nur annähernd alle Beiträge persönlich begutachten kann, die für den 27. Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten eingegangen sind. Nach Angaben der ausrichtenden Hamburger Körber-Stiftung lagen bei Einsendeschluss Ende Februar exakt 1351 Arbeiten unterschiedlichster Art vor. Aber wenn es die drei (Noch-) Domgymnastinnen Rieke Allermann, Silja Kettenburg und Celina Paeper mit ihrer gut halbstündigen Filmcollage ganz weit nach vorn schaffen, besteht gewiss eine reelle Chance, dass auch Staatsoberhaupt Steinmeier Einblick in „Die Geschichte des Reitsports in Verden“ nehmen wird.

Momentan ist Abwarten angesagt, was die Auswertungen der zahlreichen Beiträge zum Thema „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“ ergeben werden. Wer im November den Weg nach Berlin antreten und im Schloss Bellevue präsidiale Glückwünsche entgegennehmen darf, steht noch in den Sternen. Bevor die Bundessiegerinnen und -sieger 2020/21 im alle zwei Jahre ausgetragenen „größten historischen Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland“ gekürt werden können, müssen die Sichtungen und Rangierungen auf Landesebene erfolgen. Die Ergebnisse sollen Mitte Juni bekanntgegeben, die Auszeichnungen in den einzelnen Bundesländern frühesten im Spätsommer verteilt werden.

Fachkundige Gesprächspartner

Und bis dahin… hat das Film-Trio dem Domgymnasium (DoG) hoffentlich schon endgültig den Rücken kehren können – mit den ersehnten Abiturzeugnissen im Gepäck. Den aus Interviews, alten Aufnahmen und neuen Szenen komponierten Streifen haben die drei mehr oder weniger pferdeaffinen 13-Klässlerinnen im dritten Semester des Seminarfachs „Sport und Gesellschaft“ produziert. Auf Basis des ab Anfang Oktober entwickelten Konzepts, reger Recherche und Verabredungen mit ebenso fachkundigen wie auskunftsfreudigen Gesprächspartnern fanden im Dezember und Januar die nötigen Dreharbeiten statt.

Der schulmäßige Titel trifft den Inhalt des Beitrags nicht komplett. Denn neben der eigentlichen Geschichte des Pferdesports, die Verden immerhin den weltweit geläufigen Beinamen Reiterstadt bescherte, dokumentiert der Film auch in Bild und Wort den heutigen Stellenwert von Sport und Zucht, gerade auch in wirtschaftlicher Hinsicht und vor dem Hintergrund des Tourismus. Die Schülerinnen haben ihre „Hausaufgaben“ gründlich gemacht und auch bei der Zusammenstellung der einzelnen Sequenzen ein „Händchen“ bewiesen. Was Wunder, dass Seminarfachleiter Joachim Everts sehr angetan ist von dem „sehenswerten“ Film.

Illustre Rundreise

Ausgehend von den beiden Bronzefohlen in der Fußgängerzone führt die illustre Rundreise erst mal schnell Richtung Rathaus. Bürgermeister Lutz Brockmann hat ausführlich und kenntnisreich vor der Kamera Rede und Antwort gestanden; Interviewparts zu einzelnen Aspekten sind auf den gesamten Film verteilt. Und Brockmann gebührt auch quasi das letzte Wort; wenigstens was die kleine Experten-Equipe betrifft, die bereitwillig Verdens pferdesportliche Bedeutung beleuchtet.

Dazu zählt mit Joachim Weist auch der langjährige Leiter einer Einrichtung, die einst wesentlich zum internationalen Renommee der Reiterstadt („Ein großer Begriff“) beigetragen hat. Über die 1948 gegründete Hannoversche Reit- und Fahrschule kann der 76-Jährige so viel erzählen, dass es für einen eigenen Film reichen würde. Das waren noch Zeiten, damals am Lönsweg mit dem legendären Schulchef Fritz Meyer-Stocksdorf, seinem Vorgänger. Das Bedauern darüber, dass die 1996 aufs Kreisgelände verlegte Lehranstalt seit fast zehn Jahren nicht mehr besteht, ist ihm anzumerken.

Besuch im Pferdemuseum

Ein Besuch im Deutschen Pferdemuseum (DPM), filmisch erreicht über die mit eingelegten Hufeisen versehene Ostertorstraße, darf selbstverständlich nicht fehlen. Auch das DPM-Team hat gerne zum Gelingen des DoG-Werks beigetragen. Dasselbe gilt für den Schwartze Hof der Familie Baumgart in Döhlbergen, seit Jahrzehnten eine erstklassige Adresse für Spring- und Dressurausbildung sowie erfolgreiche hannoversche Zucht. Gern erzählt Philipp Baumgart, dass Vater Reinhard den einstigen Ableger des Hönischer Ritterguts Hesse 1971 dank eines teuren Auktionsverkaufs erwerben konnte.

Und apropos Auktionen: Vor der Zentrale des Hannoveraner Verbandes steht die für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Britta Züngel bereit und verrät unter anderem, dass Verden für sie, die gebürtige Frankfurterin, schon die „Reiterstadthaupt in Deutschland“ war, ehe sie vor knapp 30 Jahren hier anheuerte. Züngels Infos zu Turnier-, Zucht- und Versteigerungsgeschehen werden unterhaltsam unterbrochen durch ausführliche Aufnahmen vom Hengstmarkt 2018: Da wurde ein Prämienyoungster nach nervenaufreibendem Bieterduell für zwei Millionen Euro verkauft.

Den „wichtigen Wirtschaftsfaktor“ Reitsport können auch Sabine Walter-Roggenbuck und Tochter Hedda Roggenbuck vom Sporthaus Verden („Alles für Pferd und Reiter“) nur unterstreichen. Foto- und Filmmaterial von den militärisch bestimmten Großturnieren in den 1930er-Jahren im Stadion und von Rössern und Reitern eines Jagdtrosses, der sich publikumswirksam durch die Innenstadt bewegt, runden den Beitrag ab.

Info

Zur Sache

Weitere Teambeiträge

Im Seminarfach „Sport und Gesellschaft“ des Domgymnasiums sind insgesamt vier Teambeiträge zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten entstanden. Auf sportliche Spurensuche sind beim DoG auch Lara Löw, Lea Thies, Felix Brüggemann, Henrik Rolfes und Lennart de Wall begangen. „Der Fußballsport im Kreis Verden“ wird mit besonderem Blick auf die Vereine FC Verdenia, TSV Dörverden und FC Langwedel beleuchtet. Fentke Lühning, Katharina Knopp und Luisa Kober haben ein Video zum Thema „Die nationalsozialistische Instrumentalisierung des Sports im Landkreis Verden“ erstellt. Im Podcast von Gunda Saschek, Karin Brandt und Linus Heise geht es um Karate, speziell um Frauen in diesem Sport. Und wer könnte besseres Beispiel sein als die erfolgreiche Karateka Ulrike Maaß, Vorsitzende des Vereins Bushido Verden. Weitere Infos unter www.domgymnasium-verden.de.

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