Ehrensache Sie hält das Steuer immer fest in der Hand

Renate Meyer ist eine Anpackerin, die sich mit viel Herzblut für Kirchlinteln engagiert. Sie organisiert das Kino im Krug, fährt Bürgerbus und kämpft für eine Verkehrsberuhigung auf der Landesstraße.
22.02.2018, 17:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Kirchlinteln? „Kirchlinteln ist meine Heimat“, sagt Renate Meyer und blickt aus ihrem Stubenfenster auf die viel befahrene Landesstraße (L) 171. 1985 ist sie mit ihrer Familie aus dem ruhigen Kreepen ins quirlige Kirchlinteln gezogen. Wenn sie von ihrer „Heimat“ erzählt, beginnen ihre Augen zu leuchten. „Ich finde schon, dass man sich in dem Ort, in dem man wohnt, auch einbringen sollte. Irgendwo muss man doch schließlich seine Spuren hinterlassen.“ Spuren hinterlassen hat die 64-Jährige wahrlich viele im Kernort. „Ich bin nicht so die Schnackerin, bin mehr die Anpackerin, die die Fäden im Hintergrund zieht.“ Die Liste ihrer Ehrenämter ist jedenfalls lang.

An diesem Freitag, 23. Februar, zum Beispiel feiert die Kirchlintler Bürgerinitiative (BI) Verkehrsberuhigung L 171 ihr Zehnjähriges. Gemeinsam mit ihrer Nachbarin Gerda Köster hat Renate Meyer die BI damals ins Leben gerufen. Ab 19 Uhr blicken die beiden im Lintler Krug auf die vergangene Dekade zurück. Dass es heute im östlichen Teil Kirchlintelns eine sogenannte Querungshilfe gibt, ist unter anderem das Verdienst der beiden engagierten Frauen. Damals sind sie mit der Unterschriftenliste von Haus zu Haus gezogen. Mütter mit Kinderwagen und Senioren mit Rollatoren danken es ihnen bis heute.

Gut, dass es mit der Aufnahme ins landesweite Modellprojekt Tempo 30 nicht geklappt hat, ist in Renate Meyers Augen ärgerlich, aber sie lässt sich nicht ins Bockshorn jagen, sie kämpft weiter. „Der Verkehr hat auf der Landesstraße 171 in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Rund 10 000 Kraftfahrzeuge fahren täglich durch unseren Ort“, rechnet die mehrfache Großmutter vor. Gemeinsam mit Gerda Köster und den anderen Mitstreitern von der BI fordert Renate Meyer deshalb einen Zebrastreifen auf der L 171 – in Höhe der Straße Vor dem Rehm. „2019 wird doch die komplette Kirchlintler Ortsdurchfahrt saniert. Wäre es nicht sinnig, in diesem Zusammenhang gleich eine Fahrradspur auf der neuen Asphaltdecke zu ziehen?“, fragt sich die Kirchlintlerin. Bei der Verkehrsschau gehören die Eingaben von Renate Meyer und Gerda Köster jedenfalls schon zur Tagesordnung.

Aus der Bürgerinitiative heraus ist übrigens auch „Kirchlinteln blüht auf“ entstanden. Angefangen hat früher alles mit 2500 Blumenzwiebelpflanzen. „Ich habe die Patenschaft für das Beet am Alten Kohlenförder Weg übernommen“, erzählt Renate Meyer von der „rustikalen“ Bepflanzung mit Katzenminze und Bodendecker-Rosen.

Als mehrfache Großmutter weiß sie natürlich, welche Kinofilme Kinder mögen. Deswegen veranstaltet sie in der dunklen Jahreszeit (Oktober bis März) auch gemeinsam mit Elke Beckmann, Sigrid Lindhorst und Bärbel Heller das beliebte Kino im Krug. Mehr als 50 Streifen sind dort in den vergangenen Jahren schon über die Leinwand geflimmert. „Die Filme, die die meisten Zettel bekommen, wählen wir aus“, sagt Renate Meyer und zeigt lachend auf den mit bunten Haftstreifen versehenen Katalog des Bundesverbandes Jugend und Film. Die insgesamt zehnte Kinosaison im Lintler Krug klingt am Dienstag, 6. März, mit dem Nachmittagsfilm (16.30 Uhr) und der Abendvorstellung (19.30 Uhr) aus. Was gehört zu einem Dorfkinotag dazu? Natürlich Popcorn. Das Gute: Die Mädchen und Jungen können ganz bequem mit dem Bürgerbus zum Kinospaß im Krug fahren.

Und schon ist Renate Meyer bei ihrem nächsten Ehrenamt angelangt, dem Bürgerbusfahren. „Der Bus hat mich schon immer fasziniert. Als ich eines Tages Probe gesessen habe, war es sofort um mich gesehen.“ In diesem Jahr läuft ihr Personenbeförderungsschein zwar ab, aber sie will es noch einmal wissen und weitere fünf Jahre dranhängen. „Zeitweise war ich die einzige Frau am Steuer des Busses, mittlerweile sind wir sogar sieben“, freut sich die rollende Renate über die geballte Frauenpower. „Wenn ich durch die Dörfer fahre, winken mir die Leute manchmal schon zu. Auch meine Enkel finden total klasse, dass Oma Bürgerbus fährt“, erzählt sie. Irgendwas ist ja immer – auch beim Bürgerbusfahren hat Renate Meyer schon so einiges erlebt. „Bei einer Tour ist mir doch tatsächlich einmal die Tür herausgefallen. Da musste der Passagier sie die ganze Fahrt über festhalten.“ Ob bei Regen, Sturm oder Schnee – Renate Meyer hält das Steuer immer fest in der Hand. Bloß montags kann sie nicht. „Montag ist Oma-Tag. Da passe ich auf Lilly auf.“

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