Hospizkreis Verden ist umgezogen

Sie lauschen auch der Stille

Verden. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold; letzteres aber ist manchmal gar nicht einfach. Diese Erfahrung haben Wolfhard König und Linde Stubbe gemacht. Die beiden sind Sterbe- und Trauerbegleiter beim Hospizkreis Verden.
27.09.2016, 00:00
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Von Anna Zacharias
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Hospizbegleiter Linde Stubbe und Wolfhard König am neuen Standort.

FOCKE STRANGMANN

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold; letzteres aber ist manchmal gar nicht einfach. Diese Erfahrung haben Wolfhard König und Linde Stubbe gemacht. Die beiden sind Sterbe- und Trauerbegleiter beim Hospizkreis Verden.

Die Zahl der ehrenamtlichen Begleiter im Hospizkreis ist in den vergangenen Jahren auf eine beachtliche Zahl gestiegen. Waren es 2013 nur vier, Anfang 2015 noch 20, gibt es inzwischen 38 Aktive, die sich in Kursen als Trauer- und Sterbebegleiter von Psychologin Cornelia Faltermann haben qualifizieren lassen. Im Landkreis ist diese Ausbildung nach wie vor die einzige ihrer Art. Rund 50 Begleitungen gab es im Jahr 2015 insgesamt, berichtet König.

Ein Drittel sind Männer

Normalerweise gebe es in diesem Bereich einen großen Frauenüberschuss – in Verden aber sind ein Drittel der Aktiven Männer. „Der hohe Männeranteil ist extrem außergewöhnlich“, meint Linde Stubbe mit Blick auf die Hospizkreise in anderen Regionen und auch in den Nachbarvereinen Achim und Ottersberg. Die Gründe dafür kann sie sich selbst nicht erklären, für die Betroffenen jedoch sei es gut, denn manche wünschten sich explizit einen Geschlechtsgenossen als Kontaktperson.

Wolfhard König hatte sich vor zwei Jahren für die Ausbildung entschieden, und inzwischen seine ersten Begleitungen erlebt. „Es ist jedes Mal anders“, sagt er. Schwieriger sei es, wenn ein Sterbender nicht mehr reden könne oder wolle: „Da setzt man sich mit sich selbst auseinander“, sagt König. Er spreche dann trotzdem, lese beispielsweise aus einem Buch vor. „Ab und zu merke ich dann eine Regung, ein Lächeln, oder einen Griff nach meiner Hand, so dass ich merke: Er hat es verstanden“. Aber es gab auch die Gespräche, bei denen man viele Gemeinsamkeiten fand, und König nach vier Stunden das erste Mal auf die Uhr schaute.

Nicht nur personell hat sich beim Hospizkreis einiges getan, der Verein ist vor kurzem an den Holzmarkt 13 gezogen, wo der Kulturflügel einen Raum zur Verfügung gestellt hat. Erster Vorsitzender ist Bernd Kösling, der diese Funktion völlig unabhängig von seiner Rolle als Probst der katholischen Gemeinde St. Josef versteht. „Wir sind überkonfessionell“, betont König. Unter den Begleitern seien sowohl katholische als auch evangelische Helfer und auch solche, die mit Kirche gar nichts am Hut hätten. Die räumliche Nähe zu St. Josef hätte es in der Vergangenheit schwieriger gemacht, das zu kommunizieren.

Auf dem Land weniger nachgefragt

Linde Stubbe ist schon länger dabei und macht viel telefonische Beratung, Erstbesuche und das Trauercafé. Sie hat auch schon die Erfahrung gemacht, dass jemand ihre Gesellschaft abgelehnt hat. „Das darf man nicht persönlich nehmen“, meint sie. Um mit den Erlebnissen im Allgemeinen fertig zu werden, gibt es die sogenannte Supervision, bei der sich die Begleiter aussprechen können.

Grundsätzlich werde das Angebot im ländlichen Bereich weniger häufig in Anspruch genommen, berichtet Stubbe. Hilfe von außen schicke sich oft nicht, die Angehörigen machten viel mit sich selbst aus. Und auch sonst sei die Auffassung verbreitet, man müsse das selbst schaffen. „Manche fragen mich: ,Ist es normal, dass ich immer noch trauere'?“, erzählt Stubbe. Früher gab es das Trauerjahr, heute erwarte die Gesellschaft, dass die Betroffenen nach drei, vier Monaten wieder „funktionieren“, man ihnen die Trauer nicht anmerke, sagt sie. Doch das Verdrängte hole einen ein. In der Regel seien es die Frauen, die sich an den Hospizkreis wenden: „Männer sprechen nicht“, sagt König schmunzelnd.

Beide Ehrenamtliche loben die stärkere Zusammenarbeit mit dem Palliativnetz im Landkreis Verden, das sich um die medizinische Versorgung kümmert, während der Hospizkreis für die Psyche zuständig ist. Die Pflegekräfte würden bei Bedarf den Kontakt vermitteln.

Die Sprechstunde des Hospizkreises ist immer montags von 16 bis 18 Uhr am Holzmarkt 13. Mehr Informationen gibt es auch unter www.hospizkreis-verden.de oder per Mail an post@hospizkreis-verden.de. Das Hospiz-Bereitschafts­telefon ist erreichbar unter der Nummer 01 51 / 18 60 02 74.

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