Beim Sprachcafé im Gemeindehaus St. Josef treffen sich Ehrenamtliche mit Flüchtlingen Spielend Deutsch lernen mit Mikado

Verden. Mikado, „Mensch ärgere dich nicht“ und ein Satz Uno-Karten sind die Vermittler zwischen den Kulturen an diesem Freitagnachmittag im Gemeindezentrum St. Josef in Verden.
28.03.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Spielend Deutsch lernen mit Mikado
Von Anna Zacharias

Mikado, „Mensch ärgere dich nicht“ und ein Satz Uno-Karten sind die Vermittler zwischen den Kulturen an diesem Freitagnachmittag im Gemeindezentrum St. Josef in Verden. An Tischen verteilt sitzen die Besucher des von der Caritas organisierten Sprachcafés für Flüchtlinge. Ein älterer Mann zeigt auf die Abbildung in einem Buch, seine beiden jungen Zuhörer aus Eritrea neigen den Kopf und sprechen den deutschen Begriff nach.

Misghena redet nicht gern darüber, warum er seine Heimat verlassen musste. Was für den 29-jährigen Eritreer zählt, ist, dass er jetzt in Sicherheit ist. „Wir sind sehr froh, hier zu sein“, sagt er auf Englisch. Seit fünf Monaten lebt er in einer Flüchtlingsunterkunft in Verden. Im Sprachcafé, das inzwischen zweimal in der Woche stattfindet, hat er bereits Fortschritte beim Lernen der deutschen Sprache gemacht. Sein abgeschlossenes Chemie-Studium wird in Deutschland nicht anerkannt. Mit Hilfe der Caritas plant er, an der Universität Bremen entsprechende Kurse zu belegen.

Um eine Chance in diesem Land zu haben, das wissen hier alle, ist die Sprache der Schlüssel. Die meisten Flüchtlinge haben vor ihrer Ankunft noch nie ein deutsches Wort gehört. „Wir sind sehr dankbar, dass wir hier Unterstützung bekommen“, sagt Misghena. Er hoffe, hier einmal arbeiten und eigenes Geld verdienen zu können. Wie viele hier weiß er noch nicht, ob seinem Antrag auf Asyl stattgegeben werden wird.

„Mensch ärgere dich nicht“ gibt es zwar nicht in Eritrea, aber das Prinzip des Brettspiels ist auch dort bekannt. „Wenn man jemandem gegenübersitzt, dessen Sprache man überhaupt nicht versteht, können einfache Spiele der Schlüssel sein“, erklärt Beatrix Wagner-Willmer. Sie ist eine von rund 40 Ehrenamtlichen, die sich regelmäßig in dem Café mit Flüchtlingen treffen. Sie hofft, dass auch andere Einheimische ihre Berührungsängste ablegen. Die Ehrenamtlichen versuchen, ihren Schülern zu vermitteln, dass man auch Fehler machen darf – viele würden sich deswegen mit den ersten Brocken Deutsch im Alltag nicht so richtig trauen.

Andrea Wessel ist bei der Caritas zuständig für die Beratung im Bereich Migration und Flüchtlinge und hat das Sprachcafé vor gut einem halben Jahr ins Leben gerufen, nachdem die Integrationslotsen des Landkreises die ersten Willkommenscafés eingerichtet hatten. Seit Februar stehen so viele Ehrenamtliche zur Verfügung, dass das Sprachcafé zweimal pro Woche angeboten werden kann. Wessel hat beobachtet, wie die meist jungen Männer die fremde Kultur entdecken und beispielsweise inzwischen das Händeschütteln als Begrüßung übernommen haben. „Der Landkreis kann das Zusammenleben und das Kennenlernen nicht organisieren – das muss aus der Gemeinschaft kommen“, findet sie.

Adrian Giele vom Netzwerk katholisches Familienzentrum St. Josef berichtet, dass rund 35 Flüchtlinge ins Sprachcafé kommen. „Das Angebot wird extrem gut angenommen und wir werden immer noch nach mehr Möglichkeiten für Sprachunterricht gefragt“, sagt er. Damit die Flüchtlinge in Verden mobil sind, bittet die Caritas auch darum, gebrauchte Fahrräder zu spenden, mit denen schon jetzt viele zum Sprachcafé fahren. Die Flüchtlinge leben in Verden größtenteils in Wohngemeinschaften und müssen den Alltag mit Einkaufen oder Behördengängen selbst bestreiten. Damit sie dafür gewappnet sind, bringen ihnen die Ehrenamtlichen alltägliche Begriffe bei. „Das macht jeder anders. Ich habe einen Atlas mitgebracht, andere eine Zeitung, Bildwörterbücher oder Einkaufsprospekte“, sagt Wagner-Willmer. Auch das Deutsch-Englische Wörterbuch dürfe hier nicht fehlen.

Tierärztin Barbara Duprée ist inzwischen in Rente und wollte sich nun für Menschen einsetzen. „Alle hier sind sehr wissbegierig. Es ist für mich eine Bereicherung, diese Menschen kennenzulernen“, sagt sie.

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