Kampfsport

Wunsch nach Normalität

Inmitten der Corona-Pandemie mussten sowohl Vereine als auch Athleten aus dem Landkreis Verden auf vieles verzichten – auch die Kampfsportler. Dies erforderte Kreativität.
14.10.2020, 05:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Dennis Glock
Wunsch nach Normalität

Beim Ringen haben die Sportler durchgehend Kontakt. Während des Lockdowns war an eine Ausübung des Sports nicht zu denken.

Björn Hake

Beim Ringen drücken die Athleten während eines Kampfes mehrere Minuten ihre Köpfe und Körper gegeneinander. Beim Boxen spritzt über viele Runden der Schweiß. Das ist in diesen Sportarten ganz normal. Inmitten der Corona-Pandemie mussten sowohl Vereine als auch Athleten aus Kampfsportarten jedoch auf vieles verzichten und Kreativität beweisen, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. Nach wie vor ist an einen Normalbetrieb nicht zu denken.

„Die letzten Monate waren für unseren Sport alles andere als gut. Wir haben versucht, uns mit Laufeinheiten fit zu halten und uns ab und zu im Freien für kleinere Übungen getroffen“, erinnerte sich Sven Schröder, Ringer-Übungsleiter des TSV Achim, an die Monate während des Lockdowns. Seit dem Ende der Sommerferien ist zumindest wieder an festgelegte Trainingszeiten zu denken. So kümmert sich Sven Schröder gemeinsam mit René Sokoll dienstags und freitags um Kinder ab sieben Jahren. Einschränkungen verspüren die Übungsleiter aber hierbei nicht. „Natürlich müssen wir Listen führen und auf Symptome achten. Mit unseren zehn bis 15 Jugendlichen besitzen wir zudem einen festen Trainingsstamm, wodurch keine weiteren Probleme entstehen können“, erklärte Schröder.

Coachen mit Maske

Ähnlich hat Ulrike Maaß, Trainerin beim Verdener Karateverein Bushido, die vergangenen Monate erlebt. „Es ist schon sehr heftig, wenn man vom einen auf den anderen Tag seinen Sport nicht mehr ausüben kann. Nach mehreren Monaten Zwangspause konnten wir aber dann wenigstens wieder unter freiem Himmel das Training aufnehmen.“ Mittlerweile trainiert die erfahrene Karate-Trainerin mit ihren Schülern aber wieder in Hallen. Dabei müssen allerdings strenge Regelungen eingehalten werden. So ist beispielsweise das Coachen mit Mund-Nasen-Schutz fest vorgeschrieben. Für Maaß war diese Notwendigkeit zunächst ungewohnt: „Es war natürlich etwas komplett Neues, auf einmal mit einer Maske Anweisungen zu geben. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt.“

Als „Katastrophe“ betitelte Ulrike Maaß die vergangenen Monate für Stanislav Littich. Der Bushido-Karateka holte sich im März bei der Deutschen Meisterschaft in Hamburg in der Leistungsklasse bis 84 Kilogramm souverän den Titel und wollte danach auf nationaler sowie internationaler an diesen Triumph anknüpfen. „Der unendlichen Freude über den Erfolg folgte binnen weniger Tage eine große Enttäuschung. Der Junge will sich mit den Besten messen und muss weiter gefördert werden. In der aktuellen Situation ist dies allerdings nicht möglich“, erklärte Maaß.

Karateka Stanislav Littich

Stanislav Littich von Bushido Verden wurde wegen der Pandemie in seiner Entwicklung gebremst.

Foto: FOCKE STRANGMANN

Mit gemischten Gefühlen hat indes die Judo-Abteilung des TV Oyten den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. Wie der Abteilungs- und Dôjô-Leiter, Jörg Rafalski, erklärte, spiele die Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, bei seinen Schülern eine große Rolle: „Wir haben ein spezielles Hygienekonzept erstellt, um unser wöchentliches Training ausüben zu können. Somit gibt es keinen Grund zur Sorge. Dennoch sind einige Mitglieder und Eltern diesbezüglich sehr vorsichtig und haben Angst.“ Davon will sich Rafalski aber nicht beeinflussen lassen. Bei dem erfahrenen Coach überwiegt in erster Linie die Freude, dass er seine Leidenschaft nun wieder ausüben und Erfahrungen weitergeben kann: „Die vergangenen Monate waren sehr schwierig für mich. Es hat einfach etwas gefehlt. Umso dankbarer bin ich jetzt, dass wir hier in Oyten wieder fast normal trainieren können.“

Zwar befinden sich die Athleten der Voll- und Halbkontaktsportarten alle wieder in einem geregelten Trainingsbetrieb, doch aktuell ist unklar, wie die Zukunft aussieht. Dies liegt vor allem daran, dass noch nicht abzusehen ist, wann die ersten Wettkämpfe wieder starten. „Ohne Wettkampfeinsätze ist es schwierig, die Spannung hoch zu halten und für das Training einen Anreiz zu schaffen“, bemängelte Ringer Sven Schröder. „Im Moment ist noch vieles in der Schwebe. Alles in allem keine leichte Situation für unseren Sport“, ergänzte TV Oytens Judo-Abteilungsleiter Jörg Rafalski.

Ersatzwettbewerb voller Erfolg

Dass es auch inmitten der Corona-Pandemie möglich ist, den Wettkampfcharakter aufrecht zu erhalten, hat der Deutsche Judobund unter Beweis gestellt. Mit der Aktion „Judosafari@home“ wurde ein Ersatzwettbewerb verwirklicht, in dem sich Judokas deutschlandweit von zu Hause aus gemessen haben. Auch die Judo-Abteilung des TSV Bassen nahm diesen Wettbewerb dankend an. In insgesamt drei Kategorien wurde den Bassener Judokas alles abverlangt. Die Ergebnisse wurden per Bild oder Video an die Wertungsrichter übermittelt. Am besten schnitten dabei die Brüder Lukas und Moritz Beyer ab. Ihre Auszeichnungen (Brauner Bär und Schwarzer Panther) nahmen die Beiden vor Kurzem beim Training entgegen. „Nun sind aber alle froh, dass man sich auf der Matte wieder begegnen darf“, sagte TSV-Abteilungsleiter Michael Harms.

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