Fußball

Nur noch 90 Minuten

Die Fußballer dürfen am Wochenende noch einmal auf die Plätze, ehe sie in die Zwangspause gehen. Viele Spiele sind aber bereits abgesagt worden.
29.10.2020, 18:19
Lesedauer: 5 Min
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Von Florian Cordes, Dennis Glock und Florian Kastens
Nur noch 90 Minuten

Auf einigen Fußballplätzen der Region wird in den kommenden Tagen noch gespielt. Dann wird es dort wieder still.

Björn Hake

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Länder haben am Mittwoch Fakten geschaffen. Das Leben in Deutschland wird ab Montag heruntergefahren. Auch der Sport ist betroffen. Weil die Corona-Infektionszahlen steigen, ist der Freizeit- und Amateursport ab dem 2. November für den Rest des Monats untersagt. Der Niedersächsische Fußballverband hat noch am Mittwochabend reagiert und ebenfalls eine Entscheidung getroffen: An diesem Wochenende darf noch gespielt werden – sofern dies noch möglich ist ( NFV setzt Spielbetrieb aus). Ab Montag rollt dann kein Ball mehr.

Oberliga Niedersachsen

Als schwierig und merkwürdig beurteilt Christian Ahlers-Ceglarek die seit Mittwochabend gegebene Situation. Der Coach des TB Uphusen trifft mit seinem Team am Sonnabend (Anpfiff um 13 Uhr) am Arenkamp auf den starken Aufsteiger TuS BW Lohne. Die Unterbrechung im Amateursport soll vorerst zwar nur bis Ende November andauern, Ahlers-Ceglarek rechnet jedoch damit, dass für seine Elf mit dem Abpfiff des Lohne-Spiels die Winterpause beginnt. „Wahrscheinlich wird es unser letztes Spiel in diesem Jahr sein“, verdeutlicht der Trainer des TBU.

Ahlers-Ceglarek hofft nicht nur darauf, dass seine Spieler noch einmal „richtig heiß“ sind, „ich bin davon überzeugt“, sagt der Trainer vor dem Duell mit dem Klub aus dem Landkreis Vechta. „Schließlich ist der Gegner noch einmal ein richtiges Brett. Man will sich in der Regel mit den Besten messen. Und da gehört Lohne dazu.“ Das Team spielt als Aufsteiger in der Tat eine gute Saison: Mit 17 Punkten steht der Klub auf Rang zwei der Staffel Weser-Ems/Lüneburg. Chancenlos sieht der TBU-Coach sein Team aber nicht. Verzichten muss Ahlers-Ceglarek auf den gesperrten Philipp-Bruno Rockahr und den verletzten Marco Wahlers. „Dafür ist aber Boris Koweschnikow wieder dabei“, sagt Christian Ahlers-Ceglarek, der noch einmal vollen Einsatz seiner Elf sehen will.

Landesliga Lüneburg

Noch einmal alles raushauen – und dann die Beine hochlegen. Mit dieser Einstellung geht Nils Goerdel das vorerst letzte Spiel an. Der Trainer des TSV Etelsen soll mit seinem Team den SV Teutonia Uelzen empfangen. „Dass wir danach nicht weiterspielen, ist natürlich schade. Aber in der derzeitigen Situation ist es auch nur vernünftig“, findet er. „Es ist aber schon seltsam. Irgendwie wollen wir ja schon noch einmal spielen. Und wir haben auch genug Jungs, die noch einmal Bock haben.“ Die Verschärfung der Corona-Lage erlaubt aber eben nur noch dieses eine Spiel. Und das ist für Goerdel eben auch in Ordnung: „Bei uns in der Kabine ist es teils schon sehr gespenstisch. Mancher Spieler trägt in der Kabine bereits eine Maske.“ Nun soll aber noch einmal der Fußball im Mittelpunkt stehen. „Und wir wollen diese eine Partie unbedingt gewinnen“, kündigt Goerdel an.

Während am Schlosspark wohl gespielt wird, deutet beim TSV Ottersberg nicht viel darauf hin, dass die Partie gegen den ASC Cranz-Estebrügge zur Austragung kommt. „Wir halten es für alles andere als sinnvoll, dass am Sonntag noch gespielt werden soll, wenn ab Montag alles stillsteht. Wir haben diesbezüglich Kontakt zum Gegner aufgenommen“, erklärt Ottersbergs Sportlicher Leiter Markus Bremermann, der ergänzt, „dass eine wirkliche Chancengleichheit nicht gegeben wäre, sollten wir tatsächlich spielen müssen. Wir trainieren schon seit letzter Woche nicht mehr, nachdem wir ja einige Verdachtsfälle in den Reihen der Mannschaft hatten.“

Frank Neubarth, Trainer des FC Verden 04, zeigte am Donnerstagmorgen ebenfalls nur wenig Verständnis dafür, dass am Sonntag noch gespielt werden soll. Allerdings wird er am Wochenende nicht auf der Bank des FCV Platz nehmen. Denn das Auswärtsspiel der Reiterstädter beim TSV Gellersen wurde am Donnerstagnachmittag abgesetzt. Zuvor seien schon die ersten Anzeichen einer Absage aus Gellersen gekommen, hatte Neubarth erklärt.

Bezirksliga Lüneburg 3

Bereits am Freitagabend hätte der TV Oyten im Heimspiel gegen den FC Hansa Schwanewede den neunten Spieltag der Bezirksliga eröffnet. Daraus wird allerdings nichts, wie Oytens Coach Axel Sammrey bestätigt: „Schwanewede konnte in der gesamten Woche nicht trainieren. Auch wenn wir in der Tabelle nicht allzu gut dastehen, wollen wir uns daraus keinen Vorteil verschaffen und das Spiel lieber zu einem anderen Zeitpunkt austragen.“ Ein Nachholtermin steht schon fest. Das Duell wurde auf den 19. Februar terminiert.

Wie der TV Oyten hat auch der TV Sottrum spielfrei: Eigentlich sollte die Elf von Coach Dariusz Sztorc auf den Heeslinger SC II treffen. Der TV Sottrum hat den Sportbetrieb aber im gesamten Verein eingestellt. „Es gilt für uns alle, die Verbreitung des Coronavirus so schnell wie möglich zu verlangsamen. Wir handeln in der Verantwortung für die Gesundheit aller Menschen, der wir uns verpflichtet fühlen“, heißt es auf der Homepage des Wieste-Klubs.

Beim TSV Fischerhude-Quelkhorn wird ebenfalls seit einigen Tagen nicht mehr trainiert. An der Wümme hat sich ebenfalls der Vereinsvorstand zu dem Schritt entschlossen, den Sport in allen Sparten ruhen zu lassen. Aus diesem Grund habe man auch eine Verlegung der Heimpartie gegen den VfL Visselhövede beantragt, sagte Spartenleiter Julian Kallhardt auf Nachfrage. Für den SV Vorwärts Hülsen hat die spielfreie Zeit schon begonnen. Für die Elf von Jan Twietmeyer war die Partie beim SV Pennigbüttel angesetzt. Das Fußballspielen ist im Kreis Osterholz jedoch schon seit einer Woche untersagt. Die Begegnung soll nun am 21. Februar 2021 steigen.

Bereits zwei Wochen früher (7. Februar) soll das Kreis-Derby zwischen dem 1. FC Rot-Weiß Achim und dem TSV Bassen nachgeholt werden. Schon vor der Absage der für Sonntag geplanten Begegnung waren RW-Trainer Costa Efeoglou und TSV-Coach Uwe Bischoff skeptisch, ob eine Austragung kurz vor der Aussetzung des Spielbetriebs Sinn ergebe.

In einer seltsamen Situation befindet sich der TSV Thedinghausen. Während der Tabellenletzte der ersten Staffel in dieser Woche planmäßig trainierte, wurde dem kommenden Gegner FC Worpswede das Training untersagt. Gespielt werden soll aber dennoch – am Sonntag ab 14 Uhr. Der TSV Thedinghausen ist in dieser Saison noch immer sieglos. TSV-Coach Lars Gudegast will das womöglich letzte Spiel für längere Zeit nutzen, um den langersehnten ersten Sieg zu erzwingen: „Ein Dreier wäre definitiv das i-Tüpfelchen. Aber auch wenn wir verlieren, ist mir wichtig, dass die Jungs noch einmal Spaß haben und wir alle gemeinsam einen schönen Abschluss erleben.“

Dem Aufeinandertreffen zwischen dem FSV Langwedel-Völkersen und dem TSV Achim (Sonntag, 14 Uhr) steht nach wie vor nichts im Weg. Deshalb freuen sich beide Trainer auf eine umkämpfte Partie, mit dem besseren Ausgang für ihre Mannschaft. TSV-Trainer Sven Zavelberg beurteilt die Entscheidung der Spielaussetzung sehr kritisch: „Ich bin mir sicher, dass es eine andere Lösung gegeben hätte. Meiner Meinung nach stehen die Vereine in Zukunft vor großen Problemen, da einige Spieler dem Sport den Rücken kehren werden.“ Auch Langwedels Coach Emrah Tavan hält von der Spielaussetzung wenig: „Wenn wir einmal mit einer Aussetzung anfangen, ist doch klar, dass es bis zur Fortsetzung Monate dauern kann.“

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