Fußball Abbruch ist noch kein Thema

Im Land Niedersachsen sollen die Entscheidungen auf dem sportlichen Weg ermittelt werden. Notfalls soll die Saison nach den Vorstellungen des NFV verlängert werden.
29.01.2021, 14:36
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Abbruch ist noch kein Thema
Von Florian Cordes

Es wäre übertrieben zu behaupten, dass der 31. Oktober des vergangenen Jahres ein geschichtsträchtiger Tag war. Besonders war er dennoch: Es war der vorletzte Tag, an dem Amateure Fußball spielen durften. An jenem 31. Oktober empfing der TB Uphusen in der Oberliga den TuS BW Lohne. Mit einem 0:0 endete die Begegnung. Seit Anfang November bremst der Shutdown den Amateursport aus. Wie es mit der aktuellen Saison weitergeht, steht weiterhin in den Sternen.

Aber: Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat nun Position bezogen. Während in der Hansestadt Hamburg alles auf einen Saisonabbruch hinausläuft, haben die Verantwortlichen des NFV die Hoffnung auf ein sportliches Saisonende noch nicht verloren. Auf einer Videokonferenz am Donnerstagabend hat sich der Vorstand des NFV mit dem weiteren Umgang mit der aktuell unterbrochenen Serie 2020/2021 auseinandergesetzt. Das Ergebnis: Die Entscheidungen in den niedersächsischen Fußballligen sollen auf dem sportlichen Weg ermittelt werden – notfalls mit einer Verlängerung über den 30. Juni hinaus. Ein Abbruch ist im zweitgrößten Flächenland der Bundesrepublik somit noch kein Thema.

Laut einer Mitteilung des NFV diente während der Zusammenkunft am Abend ein Arbeitspapier als Grundlage, das auf einer zuvor am Nachmittag stattgefundenen Tagung der Vorsitzenden des Verbandsspielausschusses, des Verbandsjugendausschusses sowie des Frauen- und Mädchenausschusses erstellt wurde. „Mit den Ergebnissen werden die Verbandsausschüsse jetzt in die jeweiligen Gremien auf Kreis- und Bezirksebene zur weiteren Beratung gehen“, heißt es vonseiten des Niedersächsischen Fußballverbandes.

Mindestens zweiwöchige Vorbereitung

Das von den Ausschüssen erstellte Arbeitspapier beinhaltet vier Kernaussagen. So will der Niedersächsische Fußballverband weiterhin an seiner Praxis festhalten, „sich an der jeweiligen örtlichen Verfügungslage zu orientieren“, teilt der Verband mit. Verbindliche Termine für einen Re-Start könne der Verband nicht nennen. „Da es aktuell weder vom Bund noch vom Land konkrete Aussagen gibt, ab wann ein Trainings- und Spielbetrieb auf den Sportanlagen wieder möglich ist.“ Sobald das Land Niedersachsen den Kontaktsport in Mannschaftsstärke wieder erlaubt, will der NFV den Teams eine Vorbereitungszeit – mit Ball – von mindestens zwei Wochen ermöglichen. Danach solle der Pflichtspielbetrieb fortgesetzt werden, der seit nunmehr drei Monaten ruht.

Der NFV wünscht sich eine Fortsetzung der Saison 2020/2021, um im gesamten Bundesland in allen Leistungs- und Altersklassen die Entscheidungen möglichst auf dem sportlichen Weg zu fällen – und zwar innerhalb des verbleibenden Zeitraums bis zum 30. Juni. „Die jeweils zuständigen Ausschüsse werden gebeten, Kontakt zu ihren Vereinen beziehungsweise Mannschaften aufzunehmen, um individuelle Alternativen unter Berücksichtigung der spiel- und ordnungsrechtlich vorhandenen Mittel und der dann zur Verfügung stehenden Termine zu erarbeiten“, teilt der NFV weiter mit.

Allerdings will sich der Verband ein Hintertürchen offen halten: Dem NFV-Vorstand soll die Chance eingeräumt werden, notfalls die Saison über den 30. Juni – in jedem Jahr der Stichtag für das Ende einer Spielrunde – hinaus zu verlängern. Nach den Vorstellungen des NFV könnte die Spielzeit um bis zu drei Wochen gestreckt werden, bis zum Beginn der Sommerferien am 22. Juli. „Von der Verlängerung kann der jeweils zuständige Ausschuss Gebrauch machen, muss es aber nicht. Die Verlängerung im Sommer wäre vor allem für die unteren Spielklassen, die Jugend und für die Planungssicherheit sinnvoll“, geht der NFV in seinem Schreiben bereits ein wenig ins Detail. Während der dreiwöchigen Verlängerung könnten laut des Verbandes rund sechs Spieltage ausgetragen werden.

Die Inzidenz entscheidet mit

Der NFV-Vorstand hat während seiner Sitzung zudem den von der niedersächsischen Landesregierung vorgestellten Lockerungsplan thematisiert, der laut verschiedener Medienberichte mehrere Stufen beinhaltet. Der Plan sei strikt an die landesweite Inzidenzzahl gekoppelt, schreibt der NFV: „Mehr als die Ausübung von Individualsport ist demnach erst bei einer landesweiten Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 möglich.“ Am Freitagmorgen lag der Wert bei 79,7. Der Lockerungsplan der Landesregierung sieht unter anderem vor, dass Kontaktsport beschränkt auf 60 Menschen bei einer Inzidenz zwischen zehn und 25 ermöglicht werden soll.

Bei dem Stufenplan handelt es sich jedoch nur um einen Entwurf, der nun zur Diskussion gestellt werden soll. Für das kommende halbe Jahr soll er als grobe Leitlinie dienen. Wie das Land Niedersachsen weiter vorgehen will, soll erst nach dem nächsten Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel entschieden werden. Dieses Treffen ist für Anfang Februar anberaumt.

Weitere Informationen

Das sieht der Plan Niedersachsens für den Freizeitsport vor:

Stufe 1 (geringes Infektionsgeschehen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter zehn): Im Freizeitsport sind wieder alle Sportanlagen geöffnet und Kontaktbeschränkungen aufgehoben.

Stufe 2 (erhöhtes Infektionsgeschehen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen zehn und 25): Sportanlagen geöffnet, Kontaktsport beschränkt auf maximal 60 Personen.

Stufe 3 (hohes Infektionsgeschehen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 25 und 50): Sportanlagen geöffnet, aber Duschen und Umkleiden geschlossen, Gruppenangebote in Abhängigkeit von Platz und Frischluft.

Stufe 4 (starkes Infektionsgeschehen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100): Sportanlagen nur für Individualsport geöffnet, keine Zuschauer.

Stufe 5 (sehr starkes Infektionsgeschehen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200): Sportanlagen nur für Individualsport geöffnet, keine Zuschauer.

Stufe 6 (eskalierendes Infektionsgeschehen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz ab 200): Sportanlagen geschlossen.

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