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HVN-Beschluss: Ein Spagat zwischen den Interessen

Nach dem Beschluss des HVN sagen viele Mannschaften ihre Spiele ab. Unter anderem tragen die SG Achim/Baden I und II, der TSV Daverden sowie die HSG Verden-Aller ihre Partien an diesem Wochenende nicht aus.
23.10.2020, 04:59
Lesedauer: 4 Min
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HVN-Beschluss: Ein Spagat zwischen den Interessen
Von Florian Cordes
HVN-Beschluss: Ein Spagat zwischen den Interessen

Handballspiele im Landkreis Verden – aktuell sieht es danach aus, als gäbe es davon in den kommenden Wochen nur wenige.

Björn Hake

Bereits vor dem Start der Handball-Saison 2020/2021 war damit zu rechnen, dass die Spielzeit keine normale wird. Schließlich schwebt das Damoklesschwert Corona über ihr. Durch den rasanten Anstieg der Infektionszahlen in Niedersachsen und Bremen der vergangenen Tage sah sich der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) zum Handeln gezwungen. Das Präsidium hat am Mittwochabend – wie bereits berichtet – einen Beschluss gefasst: Punktspiele dürfen von den Vereinen unbürokratisch und ohne Verlegungskosten abgesetzt werden, wenn der Corona-Inzidenzwert in der Region eines der beteiligten Teams über 35 liegt. Spätestens 72 Stunden vor dem Anpfiff sollen dem Gegner sowie der spielleitenden Stelle der Verzicht mitgeteilt werden. Am Donnerstagmorgen zeigte sich, dass viele Mannschaften von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Der Landkreis Verden gehört zu den Gebieten, die den Inzidenzwert 35 überschritten haben. Mehr sogar: Er zählt zu den Risikogebieten. Am Mittwoch lag der Inzidenzwert bei 66,4. Einen Tag später ist er auf 78 gestiegen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass viele Handballteams aus dem Kreis Verden, die in der Landesliga oder höher spielen und somit ins Hoheitsgebiet des HVN fallen, am kommenden Wochenende nicht zu ihren Partien antreten. In der Landesliga der Männer sollten die SG Achim/Baden II (bei der SG Bremen-Ost) und die HSG Verden-Aller (gegen den SVGO Bremen) ihr erstes Spiel bestreiten. Beide Partien wurden abgesagt. Auch der TSV Daverden hat an diesem Wochenende in der Verbandsliga spielfrei. Für die Grün-Weißen war die Partie gegen die HSG Heidmark angesetzt.

SG Achim/Baden tritt nicht an

Die Möglichkeit, ein Spiel zu verlegen ohne dafür eine Strafe zahlen zu müssen, hat auch das Flaggschiff des kreisverdener Männer-Handballs genutzt: Die SG Achim/Baden tritt am Sonntag nicht bei der HSG Hunte-Aue Löwen an. „Wir haben die Mannschaft darüber abstimmen lassen, ob sie spielen will oder nicht“, sagte SG-Teammanager Cord Katz auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Tenor fiel so aus, dass das Team die Fahrt in den Kreis Diepholz nicht antreten will. „Natürlich hätte ich die Jungs gerne spielen gesehen, aber angesichts des rasanten Anstiegs der Infektionszahlen ist die Entscheidung absolut nachvollziehbar und vernünftig“, meinte Katz.

Von den sieben Oberliga-Partien, die an diesem Wochenende ausgetragen werden sollten, finden – Stand Donnerstag – lediglich drei statt. Ob das kommende Heimspiel der SG Achim/Baden gegen den TuS Haren – angesetzt ist die Partie für den 31. Oktober – wie geplant angepfiffen wird, sei noch offen. „Wir geben den Spielern noch bis Montag Zeit. Jeder soll sich seine Gedanken machen. Zudem wollen wir abwarten, wie sich die Zahlen über das Wochenende entwickeln“, umschrieb Cord Katz das weitere Vorgehen. Hinzu kommt, dass die SG auf eine Entscheidung der Harener warten muss.

Froh ist Katz indes darüber, dass der HVN sich nicht dazu entschieden hat, die Saison zu unterbrechen. „Sollte der Spielbetrieb eingestellt werden, können wir die Saison komplett einpacken“, findet er. „So kämpft der HVN für die Saison.“ Allerdings lässt nicht jeder Verfolger der niedersächsischen und bremischen Handballszene ein gutes Haar an dem Entschluss des Präsidiums. Direkt nach der Veröffentlichung wurde auf der Facebookseite des Verbands rege diskutiert. Nicht wenige User warfen dem Verband vor, die Verantwortung allein auf die Vereine zu schieben.

„Ich habe solche Aussagen erwartet“, sagte HVN-Präsident Stefan Hüdepohl auf Nachfrage. „Wir haben eine Situation, in der uns ein Spagat gelingen muss.“ Schließlich gebe es Teams, die gerne spielen wollen und dürfen – andere eben nicht. Darüber hinaus gebe es im Flächenland Niedersachsen immer noch Gebiete, die unter dem Inzidenzwert 35 liegen. Dass es Kritiker gibt, sei für Hüdepohl in Ordnung: „Denn es ist kaum möglich, eine Entscheidung zu treffen, die für alle richtig erscheint. Unser Ziel ist, mit der Freiwilligkeit möglichst alle Interessen abzudecken.“

Handball-Region entscheidet selbst

Der HVN hat zudem beschlossen, dass die einzelnen Handball-Regionen selbst entscheiden sollen, wie sie mit den Ligen umgehen wollen, für die sie zuständig sind. Der Verband empfiehlt jedoch, sich dem HVN-Entschluss anzuschließen. Die Handball-Region Hannover-Leine-Weser (HLW) geht jedoch einen anderen Weg: Dort wurde der Saisonstart auf den Januar verschoben. „Der Empfehlung des Präsidiums, dass die Regionen die dort getroffene Regelung übernehmen mögen, können wir leider nicht folgen. Wir tun dies in unserem Verantwortungsgefühl für die Handballerinnen und Handballer auf der Platte, an der Pfeife, als Trainer und in vielen anderen Funktionen, sowie in der uns übertragenen Verantwortung für unsere Sportart. Andere mögen das anders beurteilen, wir respektieren das, konnten für uns aber keine andere Entscheidung treffen“, wird der HLW-Vorsitzende Sven Petters auf der Homepage der Handball-Region zitiert.

Die Handball-Region Mitte-Niedersachsen, zu der auch der Landkreis Verden gehört, will sich noch in dieser Woche entscheiden, wie sie mit ihren Ligen verfahren will. „Am Freitag treffen wir uns per Videokonferenz. Ich gehe davon aus, dass wir uns an der Richtlinie des HVN orientieren“, sagte der Regionsvorsitzende Steffen Mundt. Sprich: Auch für die Teams, die in der Regionsoberliga oder tiefer antreten, könnte eine freiwillige Teilnahme an den Spielen warten. Die Saison in diesen Spielklassen soll am letzten Oktoberwochenende beginnen. In der Landesklasse wird hingegen schon gespielt – am kommenden Wochenende jedoch weniger. Bei den Männern wurden alle Partien abgesetzt, bei den Frauen vier.

Keine Spiele: So sieht auch die Situation im Süden Deutschlands aus – genauer gesagt in Bayern. Dort wird komplett anders verfahren: Der Bayerische Handball-Verband (BHV) setzt den Spielbetrieb in seinen Ligen und den Spielklassen der Bezirke für drei Wochen aus. Ab dem 14. November strebt der BHV eine Wiederaufnahme an. Ob dieses Szenario auch den Niedersachsen und Bremern droht? Stefan Hüdepohl wollte dazu keine Einschätzung abgeben: „Ob die jetzige Regelung bis übernächste Woche hält? Ich weiß es nicht. Die Lage ist nun einmal dynamisch.“

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