Abbruch nur noch Formsache

Das war’s wohl mit der Handball-Saison

Der Handball-Verband Niedersachsen beseitigt alle Unklarheiten und will die Saison vorzeitig beenden. Die Handball-Region Niedersachsen Mitte will sich diesem Entschluss laut des Vorsitzenden anschließen.
16.02.2021, 16:29
Lesedauer: 5 Min
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Das war’s wohl mit der Handball-Saison
Von Florian Cordes

Eine Mischung aus einer gewissen Anspannung und purer Vorfreude lag am 10. Oktober 2020 in der Gymnasiumhalle in der Luft. Die Heimspielstätte des Oberligisten SG Achim/Baden hatte schon viele besondere Handballspiele gesehen. Jene Partie am 10. Oktober – zu Gast war die HSG Schwanewede/Neuenkirchen – war allerdings ein Novum. Erstmals trug die SG Achim/Baden ein Heimspiel unter Corona-Bedingungen aus. Strenge Hygieneregeln mussten eingehalten werden, nur rund 130 Zuschauer durften in der Halle Platz nehmen, viele Fans verfolgten die Begegnung daher zu Hause per Livestream. Es war zudem das bisher einzige Heimspiel, das die SG in der Saison 2020/2021 ausgetragen hat. Und nun steht fest: Dabei soll es auch bleiben. Der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) hat sich dazu entschlossen, die Saison abzubrechen.

Für Stefan Hüdepohl, Präsident des HVN, sowie Jens Schoof (Vizepräsident Spieltechnik) sei der Abbruch nur noch eine Formsache. Den offiziellen Beschluss des Präsidiums kündigten Hüdepohl und Schoof noch für diese Woche an. Zuvor sei noch Rechtssicherheit zu schaffen. „Die Beschlüsse der Bundes- und Landesregierungen zwingen uns, die Saison für die Mannschaften der Ober-, Verbands- und Landesligen sowie der Landesklassen für beendet zu erklären“, nannte Stefan Hüdepohl einen Grund für die Entscheidung. Der Saisonabbruch sieht vor, dass es in den einzelnen Ligen keine Wertungen aller bisher ausgetragenen Spiele geben soll.

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Bevor sich der HVN öffentlich zum angepeilten Abbruch äußerte, tauschten sich die Spitzenvertreter des Verbandes online mit den Vertretern der Gliederungen aus. Einvernehmlich wollen sich die Gliederungen, zu denen auch die Handball-Region Niedersachsen Mitte (HRMN) gehört, dem anvisierten Präsidiumsbeschluss anschließen, hieß es vonseiten des HVN.

Region will wie der HVN verfahren

Steffen Mundt, Vorsitzender der HRMN, bestätigte diese Aussage auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wir stellen ebenfalls den Antrag auf Saisonabbruch so wie es der HVN in seinem Zuständigkeitsbereich vorgibt. Schließlich haben viele unserer Vereine noch gar kein Spiel bestritten und so wird es einfach schwierig, die Saison durchzubringen. Vor allem weil wir ja noch gar nicht wissen, wann es weitergehen könnte.“ Außerdem ist es das Bestreben des Vorsitzenden, die derzeit geltenden Regularien der Saison 2020/21 mit in die neue Spielzeit zu nehmen. „So sollen zum Beispiel die Landesklassen jetzt noch nicht aufgelöst werden, wie es eigentlich am Ende der aktuellen Spielzeit geplant war“, berichtet Mundt. „Doch das muss alles noch abgestimmt werden und ist noch nicht spruchreif.“

Bereits vor dem virtuellen Treffen mit den Vertretern der Gliederungen tauschte sich die HVN-Spitze mit den Funktionären der Ober- und Verbandsligisten aus. Zudem gab es hinsichtlich des weiteren Umgangs mit der Saison eine schriftliche Abfrage der Klubs, die den Landesligen und Landesklassen angehören. Allein unter diesen Vereinen hat es nach Angaben des Verbandes ein klares Signal gegeben: Knapp 90 Prozent der Befragten hätten sich dafür ausgesprochen, die Saison abzubrechen beziehungsweise auf eine Wertung zu verzichten. „Die überwältigende Mehrheit der Regionen und der Vereine unterstützt den Abbruch, fordert gleichzeitig auch Perspektiven, den Handballsport wieder zu betreiben“, sagte Hüdepohl. Ziel müsse sein, zumindest zurück ins Training zu kommen, „um dann Spiele auf freiwilliger Basis in engen regionalen Grenzen nötigenfalls auch auf Rasen oder im Sand zu organisieren.“

Dass in naher Zukunft Handball an der frischen Luft möglich sein soll, sieht Steffen Mundt eher kritisch. Er glaubt nicht, dass die geforderten Inzidenzwerte schnell erreicht werden, um einen Sportbetrieb zu ermöglichen. Hinzu kommt, dass viele Vereine gar nicht so angetan von den möglichen Alternativen sind. Zumindest laut der Umfrage des HVN. „Rund 75 Prozent der 164 Vereine, die an der Umfrage teilgenommen haben, haben sich gegen Handball auf Rasen ausgesprochen“, gibt Mundt preis. In die andere Richtung gehen dabei die Antworten beim Thema Beachhandball. Hier hätten rund 70 Prozent Interesse an möglichen Turnieren, verrät Mundt.

Schnelle Unterbrechung

Nun geht aber erst einmal eine Saison zu Ende, die im Grunde gar keine war. Am ersten Oktoberwochenende war es so weit: Die Ober- und Verbandsligen starteten in die Spielzeit. Bereits eine Woche zuvor wurde das Final-Four-Turnier um den Verbandspokal der Frauen aus der Vorsaison nachgeholt. Bei diesem Turnier habe er die Vorfreude, das Gefühl „endlich wieder Handball“ gespürt, wurde Jens Schoof vor dem Auftakt auf der HVN-Webseite zitiert. Allerdings gab es schon damals eine gewisse Skepsis. Schließlich stiegen die Infektionszahlen am Anfang des Herbstes allmählich an.

Und es sollte dann auch nicht lange gut gehen. Weil die Inzidenz-Zahlen in Niedersachsen und Bremen größer und größer geworden sind, sah sich der HVN zum Handeln gezwungen. Ab dem 21. Oktober stellte es der Verband den Vereinen frei, ob ihre Teams zu ihren Spielen antreten sollen, wenn diese in einem Gebiet mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 35 angesetzt waren. Am darauffolgenden Wochenende wurden dementsprechend wenige Partien angepfiffen. Wenige Tage später ging nichts mehr: Der HVN setzte den Spielbetrieb am 28. Oktober aus – zunächst bis zum 31. Dezember. Schnell wurde klar, dass mit Beginn des neuen Jahres eine Rückkehr in den Spielbetrieb nicht möglich wird.

Bis in den Januar hinein hoffte der HVN, der für die Planungen einer Saisonfortsetzung eigens eine Task Force ins Leben gerufen hatte, die Saison ab März zu Ende spielen zu können – wenn auch anhand von einer Einfachrunde, also in abgespeckter Form. Als sich aufgrund politischer Beschlüsse eine Aufhebung des Lockdowns auch Ende Januar nicht andeutete, gab der HVN am 30. Januar bekannt, am 15. Februar eine finale Entscheidung zu fällen. Der Abbruch deutete sich mehr denn je an – und nun soll er kommen.

Appell vom HVN-Präsidenten

Der Blick geht beim HVN jetzt aber nach vorne. Daher appelliert Stefan Hüdepohl an die Politik: „Die Sportler in Niedersachsen brauchen eine Perspektive. Das setzt voraus, dass der Amateursport nicht bis in den Sommer verboten bleibt. Die Integrationskraft und die gesellschaftliche Verantwortung des Sports werden immer betont. In einer Zeit wie jetzt kann der Sport helfen, die Gesellschaft wieder zusammenzuführen und zu stärken. Gerade deshalb brauchen wir schnellstmöglich eine Perspektive durch die Politik.“

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Zur Sache

HVN will Abfrage unter Oberligisten starten

Im Zuständigkeitsbereich des Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN) soll es in diesem Jahr keine Auf- und Absteiger geben. Das wird mit dem Abbruch der Saison zur Gewissheit. Laut HVN-Vizepräsident Jens Schoof halte der Deutsche Handballbund aktuell aber daran fest, in den dritten Ligen Aufsteiger aus den Oberligen aufzunehmen. „Das hat zur Folge, dass wir in den nächsten Wochen eine Abfrage bei den Vereinen der Oberligen der Frauen und Männer starten und die Bereitschaft zur Teilnahme einer Aufstiegsrunde abfragen“, teilte Schoof mit.

Sollte eine Aufstiegsrunde gespielt werden, sei es die Aufgabe des Handball-Verbandes Niedersachsen, einen Modus zur Ermittlung der Aufstiegsplätze zu erarbeiten. In diesen müssten dann auch Hygiene- beziehungsweise Testkonzepte einfließen. Voraussetzung für Aufstiegsspiele ist jedoch, dass Wettkampfsport in Mannschaftsstärke rechtzeitig wieder zulässig ist.

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