Fußball Kreisliga Verden ist die fairste Spielklasse Niedersachsens

Die Kreisliga Verden liegt zur Halbzeit beim Fairness-Cup ganz vorne. Gleich drei Teams aus dieser Spielklasse sind unter den Top 20 vertreten. Auf Gesamtplatz drei rangiert der TSV Thedinghausen.
23.01.2020, 19:40
Lesedauer: 3 Min
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Kreisliga Verden ist die fairste Spielklasse Niedersachsens
Von Patrick Hilmes

Landkreis Verden. Eigentlich heißt es ja im Fußball: Je höher gespielt wird, umso fairer wird gespielt. Höherklassige Fußballer würden wissen, wann sie zu einer Grätsche et cetera anzusetzen haben und wann besser nicht. Die unteren Klassen hingegen werden gerne auch als Treter-Ligen betitelt, mehr Kampf als Fußball sei gefragt. In Niedersachsen scheint das aber nicht der Fall zu sein. Der Halbzeitstand beim VGH-Fairness-Cup besagt sogar das Gegenteil. In 22 von insgesamt 33 Kreisen des Niedersächsischen Fußballverbandes sind es die Kreisligisten, die in der Fairnesswertung führen. Und die fairste Spielklasse des Bundeslandes ist zur Winterpause die Kreisliga Verden.

Die 13 Mannschaften im Kreis Verden haben in 174 Spielen lediglich 251 Gelbe Karten, neun Gelb-Rote und sechs Rote gesammelt. Das bedeutet Platz eins in Niedersachsen. Zum Vergleich: Die härteste Liga des Bundeslandes ist die Kreisliga Celle. Die 15 Mannschaften kassierten in 204 Spielen ganze 483 Gelbe Karten, 22 Gelb-Rote, 16 Rote und traten viermal nicht an, oder ihre Vergehen landeten beim Sportgericht.

Während die unfairste Mannschaft Niedersachsens aus der unfairsten Liga stammt – der TuS Celle FC –, ist das bei der fairsten Truppe nicht der Fall. Beim Fairness-Cup wird die Summe der Strafpunkte geteilt durch die Anzahl der Saisonspiele: Das ergibt den Fairness-Quotienten. Und den geringsten hat zur Winterpause nach mehr als 7000 Spielen von 954 Mannschaften aus 64 Staffeln von der Bundesliga bis runter zu den Kreisligen die zweite Mannschaft des BSC Acosta Braunschweig. 0,27 lautete der Wert des Kreisligisten. Mit exakt diesem Wert avancierte der SV Wippingen am Ende der Saison 1993/1994 zum alleinigen Rekordhalter.

Der erste Vertreter aus der fairsten Liga folgt auf Rang drei hinter dem Bezirksligisten TV Stuhr, der einen Wert von 0,61 hat. Es ist der TSV Thedinghausen. Die Spieler von Coach Jens Stührmann sahen in 15 Begegnungen lediglich zehn Karten und keine davon hatte die Farbe rot. Und das kommt nicht von ungefähr, wie der Trainer verrät: „Auf unserer Agenda steht Fairness ziemlich weit oben. Als wir vor anderthalb Jahren angefangen haben, wollten wir, dass sich die Mannschaft fairer präsentiert und sich rücksichtsvoller den Schiedsrichtern gegenüber verhält. Das gilt auch für uns als Trainerteam. Es ist ein Geben und Nehmen. Wir können nicht erwarten, dass wir gut aus einer Partie gehen, wenn wir jeden schlecht behandeln.“

Das erklärt, warum der TSV Thedinghausen unter den Top drei Niedersachsens steht. Aber warum ist die Kreisliga Verden die fairste Spielklasse? Dazu hat Stührmann ebenfalls eine Theorie: „Jetzt, wo die Dauerauswechslungen vorbei sind, scheinen sich die Mannschaften generell mehr zurückzuhalten. Zudem ist bei vielen in der Liga der Antrieb das Spielerische, nicht mehr der Kampf. Bei uns merkt man das auch im Teamgeist. Der ist besser, weil sich niemand mehr auf dem Platz anmacht, weil einer etwas Dummes getan hat.“

Sollte der TSV Thedinghausen seine neue Philosophie beibehalten und sich auf dem Treppchen behaupten können, winkt am Ende der Saison auch eine nette Belohnung. So würde es für Rang drei beim Fairness-Cup einen Sportartikelgutschein im Wert von 1500 Euro geben. Ebenfalls gute Chancen auf einen Preis hat auch der Klassenkonkurrent der Thedinghauser, der TSV Uesen. Der nimmt zur Halbzeit des Cups Rang acht ein. Und damit nicht genug der Verdener Kreisligisten in den Top 20. Auch der FSV Langwedel-Völkersen II präsentierte sich in der laufenden Saison als äußerst fair und nimmt derzeit Rang 16 ein.

Doch nicht alle kreisverdener Mannschaften sammelten so wenige Karten. Im Sommer war es noch der SV Hönisch gewesen, der die kreisinterne Tabelle angeführt hatte. Zur Winterpause ist der Kreisligist ins Mittelfeld des Klassements auf Platz 450 abgerutscht. Im Tabellenkeller befinden sich hingegen zwei Teams, die dort auch schon zum Ende der abgelaufenen Spielzeit zu finden waren: der 1. FC Rot-Weiß Achim und der TB Uphusen. Von 954 gelisteten Mannschaften stellen die Achimer Bezirksligisten eine der unfairsten in Niedersachsen. In 18 Spielen sammelten die Rot-Weißen 46 Gelbe Karten, zwei Gelb-Rote, eine Rote und es landeten zwei Fehlverhalten vor dem Sportgericht.

Vorletzter im Kreis war im Sommer der TBU, das ist er auch im Winter. Der Oberligist handelte sich in 19 Spielen 52-mal die Gelbe Karte ein sowie viermal Gelb-Rot und zweimal Rot. Der Kreis Verden im Gesamten konnte sich derweil in der Tabelle des Fairness-Cups nach oben schieben. Nach der Saison 2018/2019 wurde Platz zwölf von 33 Kreisen eingenommen. Derzeit wird der Kreis Verden auf Rang acht geführt.

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