Ringen Wo sich Nina Cordes in wenigen Tagen auf Medaillenjagd begibt

Nina Cordes ist ein Ausnahme-Talent im Ringen. Nun tritt die 13-Jährige für den TSV Achim bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft an. Und fährt mit großen Ambitionen nach Dormagen.
21.09.2022, 17:00
Lesedauer: 4 Min
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Wo sich Nina Cordes in wenigen Tagen auf Medaillenjagd begibt
Von Bruno Sellschopp

Wenn am kommenden Freitag und Sonnabend die Deutsche Meisterschaft der weiblichen Jugend im Ringen in Dormagen ausgetragen wird, ist auch der TSV Achim vertreten. Für Kämpferin Nina Cordes wird es die erste bundesweite Meisterschaft ihrer Laufbahn. Dennoch reist sie mit großen Ambitionen nach Nordrhein-Westfalen.

Mit 13 Jahren darf Nina Cordes nun erstmals als B-Jugendliche an einer Deutschen Meisterschaft teilnehmen. Wenige Tage vor dem ersten Turnier-Tag wird noch einmal kräftig geschwitzt. Denn sie muss auf ihr Kampfgewicht von 42 Kilogramm kommen. Ansonsten ist die Vorbereitung auf das größte Turnier ihrer bisherigen Karriere nicht großartig anders, wie sie betont.  Ihr Ziel: "Ich möchte gern eine Platzierung erreichen. Ich denke, das ist möglich." Dafür müsste sie einen der ersten drei Plätze belegen.

Auf Turnieren hat die hochtalentierte Ringerin ihr Können schon unter Beweis gestellt. "Ich bin Niedersachsenmeisterin geworden, Landesmeisterin in Nordrhein-Westfalen und Norddeutsche Vizemeisterin. Ansonsten habe ich viel auf Freundschaftsturnieren gekämpft", erzählt Nina Cordes. "Du bist sehr bescheiden", erwidert ihr Trainer Miles Henschel und ergänzt: "Wir waren auch in Schweden und haben da eine Medaille geholt. Auf einem Turnier in Dänemark ist sie beste Kämpferin geworden, hat sich da gegen Jungs durchgesetzt, die mehrere Köpfe größer waren. Das war echt cool. Und wenn du da mit einem großen Pokal nach Hause fahren kannst, ist das eine tolle Sache."

Ihre Turnier-Erfahrung hat zur Folge, dass Nina Cordes viele ihrer kommenden Gegnerinnen auf der Deutschen Meisterschaft schon kennt. "Gegen die Hälfte der anderen Teilnehmerinnen hat sie schon gekämpft und gewonnen", ordnet Miles Henschel ein. Zwar wird Nina Cordes zu den jüngsten Teilnehmerinnen gehören, doch ihr Trainer zählt sie zu den Mitfavoritinnen. "Natürlich will man auch da oben stehen. Zu wissen, dass man zu den drei besten Deutschlands gehört, das wäre schon stark."

Nachteil zum Vorteil machen

Dabei wird Nina Cordes gegen Kämpferinnen antreten, die unter ganz anderen Voraussetzungen trainieren. "Wir trainieren beim TSV Achim dreimal die Woche à zwei Stunden, ohne, dass Nina einen richtig starken Trainingspartner hat", erzählt Miles Henschel, "und dann trifft sie auf Kämpferinnen, die kommen zum Beispiel aus Frankfurt (Oder), sind da auf einer Sportschule und trainieren dreimal am Tag. Das gleiche haben die in Bayern und Baden-Württemberg. Auch Nordrhein-Westfalen hat einen starken Stützpunkt. Wenn man das vergleicht, ist es schon wirklich stark, was wir hier leisten. Wir machen das beste aus unseren Möglichkeiten und sind damit sehr erfolgreich." Dass man aus dem Standort-Nachteil auch einen Vorteil ziehen kann, erklärt Sven Schröder, ebenfalls Trainer von Nina Cordes: "Dadurch, dass die Mädels hier viel gegen ältere und schwerere Jungs ringen müssen, sind sie auch früher schon stärker. Die lernen sehr früh, sich durchzusetzen."

Sehr früh ist bei Nina Cordes ein gutes Stichwort. Bereits mit vier Jahren fing die Elsdorferin mit dem Ringen an. "Meine Brüder sind auch Ringer, so bin ich dazu gekommen", erinnert sie sich. Einer ihrer Brüder, Felix Baldauf, holte bei der Europameisterschaft 2017 in Serbien sogar die Goldmedaille für Norwegen. Das Land, in das er und seine Mutter 2004 auswanderten. Später kehrte sie gemeinsam mit Tochter Nina zurück nach Deutschland. Der Sport liegt der ganzen Familie am Herzen, was Miles Henschel einigen Respekt abverlangt. "Man muss die Eltern von Nina hervorheben, die solche Sachen auch mitmachen. Zuletzt waren wir in Göteborg, das ist nicht mal eben um die Ecke. Das kostet alles auch Geld, aber da wird sie extrem unterstützt. Das ist wirklich cool." Natürlich werden die Eltern zur Unterstützung auch in Dormagen mit dabei sein.

Aline Rotter-Focken als Vorbild

Den Titel Europameister, den ihr Bruder trägt, peilt Nina Cordes langfristig auch an. "Wenn ich ein bisschen älter bin, will ich schon gern höhere Siege auf internationalen Turnieren holen. Nächstes Jahr würde ich gern Deutsche Meisterin werden und irgendwann mal Europameisterin." Ihr Vorbild ist derweil Aline Rotter-Focken. Die ehemalige deutsche Ringerin wurde 2014 Weltmeisterin und gewann vergangenes Jahr in ihrem letzten Kampf Olympisches Gold in Tokio. Jüngst sind sich Nina Cordes und Aline Rotter-Focken sogar über den Weg gelaufen – beim Besuch der Weltmeisterschaft in Belgrad. "Wir saßen in einer Reihe. Ich habe überlegt, sie nach einem Foto zu fragen, habe mich aber nicht getraut", berichtet Nina Cordes lachend.

Worauf es beim Ringen ankommt, fasst Nina Cordes schon höchst professionell zusammen: "Auf jeden Fall auf Kondition, Konzentration und Technik. Man muss die Griffe können. Das dauert eine Weile, bis man die drauf hat. Das im Kampf umzusetzen, ist noch mal eine andere Sache. Man muss den Willen haben und es auch mal aushalten können, wenn es weh tut." Trainer Miles Henschel sieht seine Schülerin auf einem sehr guten Weg und ist "gespannt, wo es noch hingeht."

Frauenringen auf aufsteigendem Ast

Früher, so berichtet Nina Cordes, wurde sie in der Schule für das Ringen mitunter ausgelacht. "Die meisten aus meinem Freundeskreis sind eher im Fußballverein oder beim Turnen." Immerhin eine Freundin ringt inzwischen mit ihr beim TSV Achim. Und auch Miles Henschel sieht das Frauenringen in Deutschland auf dem aufsteigenden Ast. Bei den jüngsten Europameisterschaften in Budapest holten die deutschen Frauen vier Medaillen in drei Gewichtsklassen. Für die Aschaffenburgerin Anna Schell gab es sogar die Goldmedaille. "Deutschland geht beim Ringen langsam an die Spitze", findet Miles Henschel. Selbst wenn er in den skandinavischen Ländern, wo Nina Cordes zuletzt häufiger antrat, weiterhin andere Strukturen wahrnimmt. "Da hast du jedes Wochenende ein großes Turnier. Wir müssen immer noch größtenteils weite Strecken auf uns nehmen."

Nun geht es erst einmal nach Dormagen. Und für Nina Cordes kommt die erste Chance, sich auf bundesweiter Ebene durchzusetzen. Unabhängig vom Ausgang, wird es sicher nicht die letzte sein.

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