Verwaltung ist skeptisch Achim diskutiert über die Einstellung eines Klimaschutzmanagers

Die SPD-Fraktion wünscht sich einen Klimaschutzmanager für die Stadt Achim. Der könnte Bürger, aber auch Politik und Verwaltung unterstützen. Letztere sieht den Vorschlag allerdings eher skeptisch.
28.09.2022, 15:53
Lesedauer: 3 Min
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Achim diskutiert über die Einstellung eines Klimaschutzmanagers
Von Elina Hoepken

Tipps zum Energiesparen sind aktuell bei vielen gern gesehen und daher auch in aller Munde. Die SPD hätte diese Tipps und ähnliche Hilfestellungen für die Achimer Bürger gerne von der Stadt direkt, also von ganz oben – genauer gesagt von einem Klimaschutzmanager, den die Stadt nach dem Wunsch der Fraktion neu einstellen soll. Auch Politik und Verwaltung selbst könnten nach den Vorstellungen der SPD von dem Wissen eines solchen Klimaschutzmanagers profitieren.

Zum Aufgabengebiet für diese neu zu schaffende Stelle hat Werner Wippler, der stellvertretend für seine Fraktion den Antrag bei der Verwaltung gestellt hat, auch schon einige Vorstellungen. "Die Person soll übergreifend in dem gesamten Gebiet der Stadt Achim beobachten, bewerten und Verbesserungsvorschläge ausarbeiten, die zur Reduktion von Energieverbrauchen und Ressourcenschonung unter anderem auch im Bereich der Flächennutzung beitragen", heißt es von Wippler. Darüber hinaus sollte der Klimamanager den Bürgern bei klimaschonenden Maßnahmen zur Seite stehen und sie etwa bei der Beantragung von Fördermitteln beraten und gegebenenfalls begleiten. Mit der Schaffung der Stelle eines Klimaschutzmanagers könne die Strategie der Stadt Achim für das Thema Klimaschutz neu aufgestellt und Politik, Verwaltung und den Bürgern eine beratende Instanz zur Seite gestellt werden.

Strategie bereits vorhanden

Ob die Stadt allerdings tatsächlich eine neue Strategie beim Klimaschutz braucht, bezweifelt die Verwaltung selbst. "Für die Stadt Achim hat das Thema Klimaschutz und die Umsetzung von Maßnahmen zum Stopp des Klimawandels und Reaktionen auf die bereits eingetretenen Folgen schon lange höchste Priorität und es existiert auch eine nachhaltige Strategie dazu", heißt es in der Antwort des zuständigen Fachbereichsleiters Steffen Zorn auf den Antrag der SPD. So habe die Stadt beispielsweise 2019 ihr Leitbild um das Ziel "Umwelt- und Klimaschutz" erweitert und in diesem Zuge auch ein Ziel- und Maßnahmenpaket beschlossen, das kontinuierlich fortgeschrieben wird.

Bisher habe man ganz bewusst die Aufgabe des Klimaschutzes organisatorisch nicht zentral
innerhalb der Verwaltung an einer Stelle positioniert, sondern alle Produkte aufgefordert, im eigenen Bereich Maßnahmen zu planen und umzusetzen. "Übergeordnet wird das Gesamtmaßnahmenpaket dazu laufend mit der Klimaschutzagentur des Landkreises Verden abgestimmt", erklärt Zorn den bisherigen Stand.

Qualitative Verbesserung möglich

Ganz verteufeln will er den Vorschlag der SPD aber dennoch nicht. "Durch die Schaffung einer zusätzlichen Stelle für einen Klimaschutzmanager können die konzeptionelle Arbeit sicher qualitativ weiter verbessert und zusätzliche Maßnahmen und Projekte für den Klimaschutz in Achim durchgeführt oder die laufenden beschleunigt werden", ist er überzeugt. Sorgen bereiten ihm allerdings die zu erwartenden Kosten, die mit der Schaffung einer neuen Stelle einhergehen und die Frage, inwieweit eine solche überhaupt zeitnah besetzt werden kann.

"Um die Stelle eines Klimaschutzmanagers adäquat zu besetzten, muss der mögliche zukünftige
Stelleninhaber ein breit angelegtes Fachwissen in vielen Bereich vorweisen können, in der
Lage sein sich weitere Kenntnisse schnell und fundiert anzueignen, durchsetzungsstark sein und
möglichst langjährigen Projektmanagementerfahrung vorweisen können", zählt Zorn die Anforderungen auf. Für eine solche Stelle rechnet die Verwaltung mit jährlichen Personalkosten in Höhe von 80.000 Euro pro Jahr. Zwar kann diese Stelle durch Fördermittel des Bundesumweltministeriums mit bis zu 80 Prozent gefördert werden, allerdings gilt das nach Angaben von Zorn nur für die ersten zwei Jahre. Danach sinkt die Förderquote auf 40 Prozent. "Nach fünf Jahren werden die Ausgaben zukünftige Haushalte dauerhaft zu 100 Prozent belasten", erklärt Zorn.

Um das zu verhindern, bestehe lediglich die Möglichkeit, die Stelle befristet auszuschreiben. Ob
das bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage und der hohen Nachfrage zielführend sein kann, wagt Zorn allerdings zu bezweifeln und mahnt mit Blick auf die Finanzen der Stadt zur Vorsicht: "Aufgrund der aktuellen Krisenlage muss sehr gut abgewogen werden, ob und wofür die Stadt Achim zukünftig ihr Geld investiert."


Der Antrag der SPD wird in der kommenden Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Klimaschutz am 4. Oktober (17 Uhr) beraten.

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