20.000 Hausanschlüsse Nach Stromausfall im Achimer Wasserwerk ist Improvisation gefragt

Erst tröpfelt es, dann kommt gar nichts mehr. 20.000 Anschlüsse in Achim, Oyten, Ottersberg und Etelsen bekommen am Dienstagmittag eine Stunde kein Wasser.
20.09.2022, 18:52
Lesedauer: 3 Min
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Von Elina Hoepken Felix Gutschmidt

Nur ein paar hundert Meter liegen zwischen dem Friseursalon von Seman Papazoglu und dem nächsten Supermarkt in der Achimer Marktpassage. Und der Friseurmeister ist vermutlich noch nie so froh gewesen über diese kurze Distanz, wie am Dienstagmittag, als bei ihm plötzlich kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt. Kurzerhand wäscht er den Kunden dann die Haare nämlich mit Tafelwasser aus dem Supermarkt.

Eigentlich hat Papazoglu am Dienstag seinen freien Tag, gegen 13.30 Uhr erreicht ihn und seinen Sohn aber ein Anruf aus ihrem Friseursalon mit der Hiobsbotschaft: Es gibt kein Wasser mehr. Denkbar schlechte Voraussetzungen für einen Friseursalon, der zu dieser Zeit gut besucht ist. "Wir sind dann natürlich sofort hingefahren", sagt Papazoglu. Zunächst habe man geschaut, ob es sich um einen Wasserrohrbruch handelte. Aber schnell wird klar, dass der Salon nicht der einzige ohne Wasser ist.

In der gesamten Stadt Achim, in Oyten, Ottersberg und Teilen von Langwedel ist für etwa eine Stunde die Trinkwasserversorgung ausgefallen. Insgesamt sind etwa 20.000 Hausanschlüsse betroffen, vermutet Stefan Hamann, Geschäftsführer des Trinkwasserverbands Verden. Das Wasser kam erst nur noch tröpfchenweise und schließlich gar nicht mehr aus der Leitung. Grund dafür ist ein Druckabfall im Wassernetz in Folge eines Stromausfalls am Wasserwerk Wittkoppenberg in Achim gewesen.

Kurzschluss sorgt für Stromausfall

Die Stadtwerke Achim bestätigen den Vorfall. "In einer Kundenanlage in Achim hat es heute gegen 13.11 Uhr einen Kurzschluss im 20-Kilovolt-Netz gegeben", erklärt eine Sprecherin. Das habe zu einem Stromausfall in Badenermoor, Margarete-Steiff-Allee, Brambusch und Im Finnigen geführt. "Von dem Stromausfall war auch das Wasserwerk Wittkoppenberg betroffen", sagt die Sprecherin. Bereits nach fünf Minuten seien die ersten Kunden wieder versorgt gewesen. Nach weiteren 15 Minuten sei das gesamte Gebiet wieder mit Strom versorgt worden. Die Ursache des Kurzschlusses sei den Stadtwerken Achim nicht bekannt.

Für solche technischen Fragen hat der Achimer Friseur am Dienstagmittag keine Zeit. Im Salon müssen alle gemeinsam improvisieren. "Zu der Zeit hatten wir nämlich allein fünf Kunden im Laden, die noch Farbe auf dem Kopf hatten", berichtet Papazoglu. Und die musste natürlich runter, denn keiner konnte sagen, wann es wieder Wasser geben wird. "Wir sind dann zum Supermarkt gelaufen, haben dort stilles Wasser gekauft, was wir im Salon erwärmt und zum Auswaschen genutzt haben", sagt Papazoglu. Drei der Kunden habe er zudem zu seinem zweiten Salon nach Posthausen gefahren, wo das Wasser noch floss. "Alles in allem sind wir also noch glimpflich davongekommen." Denn glücklicherweise habe der Wasserstopp insgesamt nur etwa eine Dreiviertelstunde gedauert. Ansonsten wäre es auch für Papazoglu kritisch geworden. "Wenn man in unserem Beruf kein Wasser hat, dann kommt das einer Vollbremsung gleich."

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Ersatzversorgung funktioniert nicht

Theoretisch dürfte so ein Fall auch gar nicht eintreten. Das Achimer Wasserwerk ist für den Fall eines Stromausfalls gesichert. Doch durch die Störung im Netz am Dienstagmittag sei es zu einer Stromabschaltung im Werk gekommen, die sich "bis auf die Sicherheitssysteme auswirkte", sagt Hamann. Die Stromersatzversorgung funktioniert im entscheidenden Augenblick nicht. Warum, das muss der Trinkwasserverband nun herausfinden. "Die möglichen Zusammenhänge werden in den nächsten Tagen geprüft", kündigt Hamann an.

Dass Zehntausende Haushalte zeitweise von der Wasserversorgung abgeschnitten sind, ist äußerst ungewöhnlich. Nach Angaben des Trinkwasserverbands Verden kam es zuletzt 2017 zu einer größeren Versorgungsunterbrechung infolge eines Fehlers an einer elektrischen Anlage. Am Dienstagmittag kann der Trinkwasserverband nach etwa einer Stunde Entwarnung geben. "Gegen 14.10 Uhr konnte die Trinkwasserversorgung wieder vollständig aufgenommen werden", sagt Hamann.

In der Restaurantküche stapelt sich das Geschirr

Als das Wasser wieder fließt, atmen die Mitarbeiter im Restaurant Atrium an der Obernstraße auf. "Wir haben zuerst von den Kollegen aus der Küche gehört, dass der Wasserdruck immer weniger wird. Kurz darauf war das Wasser dann ganz weg", beschreibt Mitarbeiterin Silvia Höhne den Moment, als nichts mehr aus dem Wasserhahn kam. "Wir haben die Gäste sofort informiert, dass die Toiletten aktuell nicht genutzt werden können." In der Küche stapeln sich Teller, Töpfe, Pfannen, "aber darüber hinaus konnte der Betrieb zunächst einmal wie gewohnt weiterlaufen", sagt Höhne. "Brenzlig wäre es irgendwann geworden, wenn uns das saubere Geschirr ausgegangen wäre. Dann hätten wir wohl oder übel schließen müssen." Doch dazu kam es nicht. Denn gegen 14.15 Uhr floss auch hier das Wasser wieder.

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