Ausbildungsplatzbörse "Digitalisierung macht Handwerk sexy"

Rund 100 Betriebe präsentieren sich in Dauelsen. Leidenschaft für den jeweiligen Job ist nach Ansicht der Firmen ein nicht zu unterschätzender Faktor für eine berufliche Karriere.
12.10.2022, 17:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Emil Stock

Vor und im Gebäude der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Verden herrscht reges Treiben. Rund 100 Betriebe und Berufsfelder haben einen Stand auf der derzeit laufenden Ausbildungsbörse. Sie versorgen Schülerinnen und Schüler der regionalen Schulen mit Informationen zu den Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten und mit kleinen Werbegeschenken. Wenn sich die Schüler bei einem Stand informiert haben, erhalten sie außerdem einen Stempel als Nachweis.

Am Vormittag des ersten Messetags blicken die Aussteller bereits positiv auf die Veranstaltung. "Bisher läuft es super", sagt Andre Bannasch, stellvertretender Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Verden, kurz und knapp. Zu dem großen, bunten Anhänger direkt vor dem Haupteingang der BBS kommen viele Jugendliche. "In erster Linie sind wir hier, um Informationen an die Interessierten weiterzugeben", erzählt Bannasch. Aber auch Praktikumsplätze und selten sogar Ausbildungsplätze seien bei vergangenen Jobmessen bereits vermittelt worden. Bannasch hofft, auf der Messe viele Schüler für das Berufsfeld begeistern zu können. Denn wie beinahe alle Gewerke verfüge auch die Malerbranche über zu wenige Arbeitskräfte. "Seit Corona hat unser Handwerk einen Auftragsaufschwung", berichtet der stellvertretende Obermeister. Daher könnten viele Betriebe locker bis zu drei Mitarbeiter oder Auszubildende mehr einstellen, sagt Bannasch.

Auszubildende gesucht

Auch Arne Lindhorst vom Verdener Erlebnisbad Verwell könnte noch mehr Auszubildende einstellen. Er hat einen Stand im "Zukunftszelt" auf dem Gelände der BBS. "Noch läuft es etwas schleppend", sagt er. Es gebe aber durchaus viele, die Halt an seinem Tisch machten. Einen aufblasbaren Wasserball gibt es bei ihm nur, wenn man sich auch anhöre, was der Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe zu bieten habe. "Es ist ein sehr vielseitiger und sportlich anspruchsvoller Beruf", sagt der stellvertretende Betriebsleiter. In der Abschlussprüfung müssten die Azubis 300 Meter mit Kleidung in unter neun Minuten schwimmen. Auf der Ausbildungsplatzbörse im Mai konnte Lindhorst die jetzige Auszubildende für den Beruf begeistern.

Mit rund 60 Auszubildenden in acht unterschiedlichen Ausbildungsberufen hat die Firma Vemag Maschinenbau weniger Probleme mit dem Fachkräftemangel. "Wir übernehmen eigentlich alle, die bei uns eine Ausbildung machen", sagt Herms Okke Knorr vom Vemag-Stand. Schon viele junge Erwachsene hätten sich nach einem Praktikumsplatz erkundigt, ergänzt Beatrice Martini, die neben Knorr steht. Den Erfolg im Auszubildenden-Werben führen die Vertreter auf das breite Angebot der Firma zurück. "Bei uns ist für viele etwas dabei", meint Martini. Auch die Offenheit der Mitarbeiter und die Struktur seien entscheidend. "Wir haben für jeden Praktikanten und Auszubildenden einen Ordner vorbereitet, in dem alles über die Ausbildung steht", erklärt Maike Riewe. Der Ordner beinhalte einen Stationsplan und führe jeden Themenbereich auf, der in der Ausbildung oder im Praktikum behandelt werde. "Man kann schon sagen, dass wir die Leute gut an die Hand nehmen", meint Riewe.

Die 15-jährige Jasmin Strelau weiß schon genau, was sie später einmal werden will: Einzelhandelskauffrau. Trotzdem hat sie sich noch andere Berufe auf der Messe angeschaut. Ihre beiden Klassenkameradinnen von der Wümmeschule in Ottersberg Marie Stuke und Catharina Thal sind sich bei ihrer Berufswahl noch nicht ganz so sicher. "Die Messe hilft aber, sich ein gutes Bild von den Berufen zu machen", sagt die 16-jährige Catharina. Was genau sie werden will, kann Marie trotzdem noch nicht sagen. Der Zehntklässlerin bleibt ja auch noch ein bisschen Zeit.

Digitalisierung nimmt zu

Bei einem der größten Arbeitgeber Deutschlands, der Bundeswehr, sei für jeden der passende Ausbildungsberuf dabei, sagt Regierungsamtsmann Andreas Burggräfe. Auf der Messe können sich die Besucher über bis zu 80 Ausbildungsberufe und bis zu 30 Studiengänge informieren. "Wir kommen gut bei den jungen Leuten an", weiß Burggräfe. Zurzeit habe die Bundeswehr vor allem einen hohen Bedarf im technischen Bereich, auch in den zivilen Abteilungen der Bundeswehr mit Beamtenlaufbahn. Denn die Digitalisierung spiele auch bei der Bundeswehr eine große Rolle. "Bei uns kann man oft auch im Homeoffice arbeiten", betont Stabsfeldwebel Jan-Arne Gudegast. Karriereberatungsgespräche und eine eigene Messe werden ebenfalls digital angeboten.

"Die Digitalisierung ist ein Faktor, den man nicht unterschätzen darf, wenn es um die Attraktivität des Handwerks geht", hebt Bannasch hervor. Im Handwerk dürfe es nicht ausschließlich ums Geld gehen, Leidenschaft für den jeweiligen Beruf müsse auch vorhanden sein, sagt der stellvertretende Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung. Dennoch sollten die Auszubildenden im ersten Lehrjahr eigenständig von ihrem Lohn leben können.

Die Messe ist am Donnerstag, 13. Oktober, von 8.30 bis 12.30 an den Berufsbildenden Schulen, Neue Schulstraße 5, für Besucher geöffnet.

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