Partnerschaftskonzert Der Klang der Freundschaft

Mit einem Partnerschaftskonzert im Zuge der Sommerkonzerte im Dom präsentieren die Stadt Verden und der Domkantor ein außergewöhnliches Trio aus Zielona Gora.
19.08.2022, 14:58
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Von Susanne Ehrlich

So schön kann Freundschaft klingen: Mit einem Partnerschaftskonzert im Zuge der Sommerkonzerte im Dom präsentierten die Stadt Verden und Domkantor Robert Selinger ein außer­gewöhnliches Trio aus Zielona Gora. Das Ensemble Reed Connection spielte Kammermusik für Holzbläser und begeisterte das Publikum im dicht besetzen Chorraum.

Und weil es für diese Besetzung kaum Originalkompositionen gibt, haben zeit­genössische polnische Komponisten den drei Solisten der Tadeusz-Baird-Phil­harmonie zwei Werke direkt auf den Leib geschrieben. So erlebte das Publikum unter anderem die Erstaufführung eines Werkes von Czeslaw Grabowski, dem früheren Diri­genten des bedeutenden polnischen Or­chesters, das bereits viele Male zu den traditionellen Neujahrskonzerten in der Verdener Stadthalle zu Gast war.

Trio besucht drei deutsche Städte

Oboist Michal Mogila nahm vor Beginn des Konzertes auf dem "Blauen Sofa" Platz, auf dem Robert Selinger seit sei­nem Dienstantritt im Verdener Dom den Gästen der Sommerkonzerte das Wort gönnt. Mogila erzählte von den Vorbe­reitungen seiner Heimatstadt für das große Fest zum 800-jährigen Bestehen. Dabei wurde auch ein Wettbewerb zur Präsentation des kulturellen Reichtums von Zielona Gora ausgeschrieben, bei dem Reed Connection zum Preisträger wurde und nun die drei deutschen Part­nerstädte Verden, Cottbus und Zittau mit diesem besonderen Programm bereisen darf. "Wir haben alle drei unsere Ausbil­dung in Deutschland gemacht und freuen uns jedes Mal, hierher zurückkommen zu können", erklärte Mogila, der ebenso wie seine Kollegen Jaroslaw Pod­siadlik (Klarinette) und Rafal Dolega (Fagott) in vielen Neujahrskonzerten als Orchestersolist musizierte und nun erst­mals mit dem 2010 gegründeten Trio nach Verden kam. "Für uns Musiker gibt es keine Grenzen", umriss Mogila den Geist dieses Freundschaftskonzertes, mit dem im Zuge des großen Anlasses auch die vielen erfolgreichen Jahre der Städtepartnerschaft gefeiert werden sollten.

Klassisch war der Auftakt mit einem Di­vertimento (KV Anh. 229). 25 kleine Musizierstücke, die Mozart ursprünglich für zwei Klarinetten und Fagott geschrie­ben hatte, wurden nachträglich zu eini­gen Divertimenti zusammengestellt, von denen das Ensemble ein besonders schönes und abwechslungsreiches Bei­spiel ausgewählt hatte. Dem lieblichen Kopfsatz folgten ein Larghetto wie ein zärtlich-melancholisches Abendlied, ein ungemein kontrastreiches Menuett, in dem sich die Musiker gleichsam zu dritt duellierten, und ein unglaublich modern wirkendes, harmonisch und motivisch gleichermaßen aufmüpfiges Rondo.

Verspielt, geistreich und kreativ

Aus den vielen Werken ohne Opuszahl von Beethoven erklangen die Variatio­nen über Mozarts Arie "Reich mir die Hand, mein Leben" aus Don Giovanni in einer Fassung für Bläsertrio – verspielt, geistreich und von Einfällen nur so sprudelnd.

Farbenreich und voll spannender Sze­nenwechsel war die "Suite pour Trio d'anches" (Trio für Rohrblattinstru­mente) des polnischen Komponisten Aleksander Tausman (1897-1986) mit ernsten Dialogen, neckischen Intermezzi, einer elegischen Arie und dem pointillisti­schen Bilderbogen des Finales.

Im Corona-Jahr 2020 eigens für Reed Connection geschrieben, ist das Stück "Maski Zarty na bok!" (Masken – Schluss mit lustig!) von Katarzyna Kwiecien-Dlugo (1978 geboren) eine humor­voll-bissige Abrechnung mit dem Ge­genstand, den niemand will, und der un­ser Leben seit zwei Jahren begleitet. Es beschreibt den Widerwillen mit brodeln­dem Trotz, aber ganz ohne Aggressivität oder Wut, dafür mit so viel Humor, dass das Publikum am Schluss – ganz anders als der Titel erwarten ließ – hell aufla­chen musste.

Höchst virtuose Soli

Mit dem wunderschönen, rein tonal komponierten "Cantabile e Scherzando" ehrte Czeslaw Grabowski (1946 geboren) seine drei Bläsersolisten ebenso wie sie ihren früheren Dirigenten. Es wurde hier erstmals aufgeführt und bot den drei Musikern Gelegenheit, ihr Können in höchst virtuosen Soli zu präsentieren, die so individuell und ausdrucksstark gestaltet waren wie Solokaden­zen in einem Instrumentalkonzert. Ein ausgelassenes Tänzchen mit überra­schendem Schluss ließ das Publikum am Ende des sonst recht ernsten Werkes in großer Heiterkeit zurück. Ein temperamentvoller Czardas war der Dank der Gäste für den begeisterten Ap­plaus, und mit drei Fla­schen Verdener Sekt be­dankte sich die stellvertretende Bürger­meisterin Johanna König im Namen der Stadt für das rundum gelungene Konzert.

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