Domfestspiele Verden Das Warten hat bald ein Ende

120 Mitwirkende, drei Spielebenen, zwei Tribünen, die Platz für 900 Besucher bieten: Die Verdener Domfestspiele werden nicht umsonst als "norddeutsches Oberammergau" bezeichnet. Es sind noch Karten erhältlich.
26.07.2022, 13:39
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Das Warten hat bald ein Ende
Von Jörn Dirk Zweibrock

Noch zwei Tage. Die "Domis" fiebern der Premiere von "Die rebellische Hexe" bereits fieberhaft entgegen. An diesem Freitag, 29. Juli, um 20 Uhr ist es so weit. Monatelang haben die Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen auf den Beginn der Festspielsaison in der Domstadt hingelebt. Schirmherr ist der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil. Die gute Nachricht für alle Kurzentschlossenen: Es sind noch Restkarten für verschiedene Aufführungen erhältlich.

Stand bei den vergangenen Domfestfestspielen (2017) noch das Schicksal von Johann Bornemacher ("Der brennende Mönch") im Mittelpunkt, ist es jetzt die Geschichte der vermeintlichen Hexe Margarethe Sievers. Unter Folter gesteht die junge Verdenerin 1616, einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu sein. Das Domkapitel engagiert daraufhin den freischaffenden Hexenjäger Jan von Mödder (Jörg Outzen). Doch in Person von Friedrich Spee (Nils Thönnessen) steht dem Inquisitor ein humanistischer Geistlicher gegenüber, der sich vehement gegen die Hexenverfolgung ausspricht. Die sorgfältig recherchierten historischen Gegebenheiten hat Autor Hans König in seiner 135 Minuten langen Inszenierung durch einige fiktive Handlungsstränge ergänzt. Jan von Mödder und Friedrich Spee seien sich im wirklichen Leben nämlich nie persönlich begegnet, erzählt König, der bei den Verdener Domfestspielen auch wieder Regie führt.

Streifzüge durchs Fischerviertel

Seit Pfingsten proben die "Domis" nun schon mit Maske und Kostümen in der Intscheder Probenhalle. In die Rolle der Margarethe schlüpfen abwechselnd Domgymnasiastin Inga Müller aus Verden und die Achimerin Joelie Effenberger. Eine besondere Herausforderung ist für beide, die epileptischen Anfälle der Protagonistin zu verkörpern. Die abergläubischen Menschen führten diese in der damaligen Zeit auf ihren vermeintlichen Pakt mit dem Teufel zurück. Margarethe entstammte einer Steinmetz-Familie aus dem Verdener Fischerviertel. Interessierte können während der Festspielzeit mit den beiden Verdener Stadtführerinnen Sabine Lühning und Karin Köster nicht nur einen Streifzug durch das historische Quartier unternehmen, sondern natürlich auch hinter die Kulissen blicken.

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Kulissenbauer Henning Diers hat das Haus der Familie Sievers rechts neben dem Kerker platziert. Das Besondere an der Bühne ist diesmal, dass sie gleich aus drei Spielebenen besteht. Rund 250 Quadratmeter bemalte Kulisse hat Diers in den vergangenen Wochen angefertigt. Die Kulisse besteht aus rund 110 Einzelteilen und misst 35 mal sieben Meter. 

„Die große Freiluftbühne ist eine Herausforderung. Dort kann man als Künstlerin ganz anders agieren als auf einer geschlossenen Bühne. Die Wege sind einfach unglaublich lang. Alles ist so überdimensional groß“, sagt die studierte Opernsängerin Christiane Artisi, die wieder die musikalische Leitung der Domfestspiele übernommen hat. Als Solopart wird sie eine Arie von der dritten Spielebene singen.

Talentierte Laiendarsteller

Wenn auf der Bühne blutverschmierte Waffen, räudige Ratten, brutale Fußfes­seln oder ein grausiges Henkersschwert zu sehen sind, hat Requisiteurin Ilse Schubert ihre Hand im Spiel. Mehr als 85 verschiedene Verkleidungen haben hingegen die Damen aus der Kostümwerkstatt vorbereitet.

Für Regisseur Hans König ist die Arbeit mit Laiendarstellern viel span­nender als mit Profis. Als Regieassistentin steht ihm Schauspielerin Birgit Scheibe zur Seite. „Ich schaue einfach, was die Menschen mitbringen. Ich ar­beite mit dem, was ich sehe, und ent­wickle es mit ihnen gemeinsam weiter", erzählt König.

Fast jeden Tag ist Volker Schwennen, Geschäftsführer der Verdener Domfestspiele vor Ort, beobachtet die Proben und den Aufbau des rund 380.000 Euro kostenden Großprojekts mit 120 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne und etwa 20 unterstützenden Firmen und Gewerken im Hintergrund. Mithilfe der von Wolfgang Reichelt aufgetanen Sponsoren kann fast ein Drittel der Produktionskosten bestritten werden. Rund 80.000 Euro öffentliche Förderung gibt es vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Bundesregierung, vom Land­schaftsverband Stade sowie von der Stadt Verden. „Der Rest muss über die Eintrittsgelder kommen“, ist Schwennen zuversichtlich, dass sich das Großprojekt dennoch tragen wird. 

Auch als neuer Vorsitzender des Verdener Domfestspiel-Vereins mischt Ralf Böse weiterhin gerne auf der Bühne mit. Diesmal mimt er den reichen Bürger Johann Frese. „Die Schauspielerei ist mein Hobby, dafür bin ich auch bereit, viel Zeit zu opfern“, sagt er. Für den Etelser sind die Domfestspiele eben wie eine „Parallelwelt“, in die er zum Ausgleich immer wieder gerne eintaucht.

Rund 10.000 Besucher kommen im Schnitt in jeder Festspielsaison nach Verden; die über­dachten Tribünen bieten für circa 900 Menschen pro Vorstellung Platz.

Die Verdener Domfestspiele erstrecken sich in diesem Jahr vom 29. Juli bis zum 13. August. Das Festspielgelände befindet sich auf der südlichen Seite des Verdener Doms, Grüne Straße. Die Aufführungen finden freitags und sonnabends sowie dienstags und mittwochs ab 20 Uhr statt. Das Gastro-Zelt von der Domschänke hat an den Aufführungstagen ab 17 Uhr geöffnet, eine Reservierung wird empfohlen. Karten sind bei den VERDENER NACHRICHTEN, Große Straße 132, im Bremer Pressehaus sowie allen regionalen Geschäftsstellen des WESER-KURIER erhältlich.

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