Domgymnasium Mehr Platz für Schüler und historische Bücher

Der Rohbau steht. Bis die Klassen und die historische Bibliothek in die neuen Räume des Domgymnasiums einziehen können, dauert es allerdings noch.
19.09.2022, 16:40
Lesedauer: 4 Min
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Mehr Platz für Schüler und historische Bücher
Von Marie Lührs

Seit rund 20 Jahren lagern die gebundenen Schätze des Domgymnasiums unter denkbar ungünstigen Bedingungen im Keller der Schule. Ein Neubau soll der historischen Bibliothek nun endlich würdige Räume bieten. Der Rohbau steht inzwischen, bis zum Einzug der Bücher wird es allerdings noch dauern. Und nicht nur alte Bände finden in dem neuen Trakt Platz: Auch acht Klassenzimmer sowie zwei Differenzierungsräume können in wenigen Monaten bezogen werden.

In den Weihnachtsferien wurden einige Bäume auf dem Gelände gefällt, um Platz für den Anbau zu schaffen, erzählt Schulleiterin Dorothea Blume. Die schuleigenen Ziegen mussten vorübergehende anderweitig untergebracht werden und finden künftig im Schulgarten eine neue Heimat. Der Rohbau steht inzwischen und auch die ersten Fensterrahmen wurden bereits eingebaut. Während sich nach dem Regen der vergangenen Tage großflächige Pfützen in einigen der Räume gebildet haben, ist es in dem Raum, der künftig die historische Bibliothek beherbergen soll, trocken. Das sei kein Zufall, erklärt Michael Spöring, stellvertretender Schulleiter. Denn der Raum muss besondere Herausforderungen erfüllen.

Optimales Klima

Auf 223,5 Quadratmetern sollen sich die Bücherregale künftig in einem Raum aneinanderreihen, dessen Klima optimal auf die wertvollen Bände ausgelegt ist. Eine Klimaanlage hält die Temperatur unabhängig von der Jahreszeit bei 18 bis 20 Grad. Auch die Luftfeuchtigkeit wird reguliert. Damit auch bei einem Rohrbruch in den darüberliegenden Klassenräumen oder bei einem Feuer möglichst nichts passieren kann, sind Wände, Decken und Boden aus Beton gegossen. Klassisches Mauerwerk kam nicht zum Einsatz. 

Noch ist es hell in dem Raum, doch die Notausgangstüren, die bald eingelassen werden sollen, werden bald auch das Sonnenlicht draußen halten. Ein angeschlossener, ebenfalls klimatisierter Magazinraum ermöglicht die sichere Arbeit mit den historischen Büchern. Zusätzliche Büroräume stehen unter anderem den vielen Ehrenamtlichen, die sich um die Katalogisierung des Bestands bemühen, zur Verfügung. 

In den oberen beiden Etagen sind die acht Klassenzimmer sowie die Differenzierungsräume untergebracht. Je zwei Klassenzimmer im ersten und im zweiten Stockwerk sind durch eine flexible Wand getrennt und können so bei Bedarf zu einem größeren Raum zusammengefügt werden. Eine Glastür trennt die Differenzierungsräume vom Flur ab. 

Neben einem Treppenhaus verbindet ein Fahrstuhl die Stockwerke. In jeder Etage gibt es zudem eine Anbindung an das Hauptgebäude. Noch bleiben die dortigen Türen, die im Notfall auf eine Außentreppe geführt hätten, verschlossen. Ist der Bau fertig, ermöglichen sie einen kurzen Weg von einem Trakt in den anderen. Noch könnten Schülerinnen und Schüler hypothetisch auch durch Fenster in den Neubau "einsteigen". Die Öffnungen sollen allerdings noch zugemauert werden – "aus Brandschutzgründen", wie Blume erklärt. Noch werde nach einer Möglichkeit gesucht, den Übergang möglichst schön zu gestalten.

Wachstum eingeplant

Während mit den neuen Klassenzimmern der aktuelle Bedarf genau gedeckt wird, ist die Bibliothek etwas größer als eigentlich notwendig. "Wir haben auf Wachstum geplant", erklärt die Schulleiterin. Denn immer wieder würden der Schule weitere historische Bücher vermacht, die ebenfalls unter bestmöglichen Bedingungen für Interessierte und die Nachwelt aufbewahrt werden sollen.

Der Neubau ist barrierefrei und bietet eine weitere Behindertentoilette samt Liege für pflegebedürftige Schülerinnen und Schüler. Eine Brauchwasseranlage versorgt die Spülung. In den Klassenräumen heißt es vorerst allerdings noch "Fenster auf", wenn es zu warm ist. Eine Nachrüstung von Klimaanlagen zur Belüftung sei allerdings möglich, sagt Blume.

Bücher werden gereinigt

Bereits im kommenden Frühjahr könnten die Klassenräume bezogen werden. Auf die neue Bibliothek werden allerdings noch alle Beteiligten ein wenig länger warten müssen. Zum einen müsse der Neubau noch ein wenig trocknen, erklärt Blume. Zum anderen werden viele Bücher noch einmal aufbereitet. Die feuchte Lagerung in einer ehemaligen Hausmeisterwohnung im Keller hat ihnen zugesetzt. Schimmel ist eine der unliebsamen Folgen. Die Bücher werden gereinigt und instand gesetzt, ehe sie ihre neuen Regale beziehen können. 

Die großen Notausgänge an den Seiten der neuen Bibliothek sind übrigens nicht nur für Menschen gedacht. Sie sind auch breit genug, um im Notfall möglichst viele Bücher mit Wagen aus dem Gebäude zu transportieren. Bricht ein Feuer in der menschenleeren Bibliothek aus, bleiben die Türen jedoch erstmal geschlossen. Eine Gaslöschanlage soll die Flammen dann ersticken.

Abschied von Containern

Blume und Spöring sind froh, bald mehr Platz für Bücher und Jugendliche zu haben und hoffen natürlich, dass die Gaslöschanlage nicht zum Einsatz kommen wird. Auch die Klassenräume würden dringend benötigt. Sechs sogenannte Mobilklassen seien aktuell in Containern auf dem Schulhof untergebracht. Dass die Bücher auf dem Gelände der Schule bleiben konnten und so auch für Interessierte einfach zugänglich blieben, sei ein zusätzlicher Gewinn. Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet sollen künftig die Möglichkeit haben, in dem Archiv der Schule zu recherchieren. 

Die ersten Pläne für eine angemessene Bibliothek für die historischen Werke lägen bereits gut 30 Jahre zurück, erzählt Spöring. Vor 20 Jahren mussten die Bücher wegen des gestiegenen Raumbedarfs für Schülerinnen und Schüler in die ehemalige Hausmeisterwohnung umziehen. Welche Folgen das für die gebundenen Schätze haben würde, ahnte damals offenbar niemand. "So lange da gewohnt und geheizt wurde, gab es offenbar keine Probleme", sagt Blume über die einstige Kellerwohnung. 

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