Hannoveraner Verband Youngster weckt Hoffnungen

Einen Umsatz von fast 800.000 Euro verzeichnet der Hannoveraner Verband für die letzte "OnLive-Auktion" in seinem Jubiläumsjahr. Einiges lief jedoch anders als geplant.
04.12.2022, 17:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Angelika Siepmann

In die Garde der gekörten Springhengste hatte es der Viscerado-Sohn nicht geschafft. Aber er war am späten Sonnabendabend immerhin das letzte Pferd, das im Jubiläumsjahr des Hannoveraner Verbandes versteigert wurde. Mit Frederik De Backers kräftigem Hammerschlag „zum Dritten“ ging der Dunkelfuchs für 30.000 Euro an einen amerikanischen Kunden, und damit klang das Auktionsgeschehen 2022 aus. Im Finale waren zuvor drei Junghengste zu einem sechsstelligen Preis verkauft worden. An der Spitze der Finanzrangliste landete mit 120.000 Euro zwar keines der fünf zusätzlich prämierten Vatertiere in spe, jedoch ebenfalls ein Youngster, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt.

Auf dem Weg zum Zuchteinsatz haben in Verden 18 von 33 jungen Springhengsten eine hohe Hürde gemeistert: Sie erhielten nach eingehender Begutachtung von der fünfköpfigen Fachkommission das begehrte Urteil „gekört“. 15 davon standen auch zum Verkauf und wurden zum Abschluss der Veranstaltung, die von den Hannoveraner Springpferde-Masters umrahmt wurde, in Form der inzwischen bewährten "OnLive-Auktion" versteigert. Bis es in der Niedersachsenhalle so weit war, hatten die Körkandidaten mehr Zeit als ursprünglich vorgesehen erhalten, sich der Jury und dem Publikum in angemessener Weise vorzustellen. Nach der sogenannten Pflastermusterung am Freitag im kalten Freien zogen sich Freilaufen und -springen in der warmen Halle nun hin und verzögerten den Beginn des Schauprogramms und der Auktion um rund zwei Stunden.

Zeitrahmen kurzfristig erweitert

Aber das sollte letztlich so sein, wie Verbandspräsident Hinni Lührs-Behnke (Verden-Borstel) erklärte. Man habe kurzfristig entschieden, den Zeitrahmen zu erweitern. Die Hengste sollten noch einmal ausgiebig und in aller Ruhe gezeigt werden. Dabei bestätigte sich erwartungsgemäß Lührs-Behnkes Eindruck, dass es sich um einen „überdurchschnittlichen Jahrgang“ handelte. Die Kommission sah es ebenso. „Wir haben viele Hengste gesehen, die Hannover in Zukunft in Zucht und Sport bestens präsentieren werden“, sagte Jörg Münzner (Hamburg). Zum Auswahlgremium zählten auch Markus Beerbaum (Thedinghausen), Dieter Smitz (Bad Nenndorf), Franz Bormann (Harsum) und Verbandszuchtleiter Ulrich Hahne.

Vor allem die frisch gekörten Hengste, von den prämierten ganz zu schweigen, waren sehr begehrt. Sie seien auch „vom internationalen Markt gut honoriert“ worden, erklärte Lührs-Behnke mit Blick auf die Auslandsverkäufe. Teuerster Junghengst war ein Nachkomme des belgischen Warmblüters Aganix du Seigneur (Züchter und Aussteller Frank Johannsen, Buxtehude-Daensen). Wohin in Deutschland der springgewaltige zweieinhalbjährige Rheinländer mit dem 44. Gebot von 120.000 Euro verkauft wurde, blieb offen. Der höchstbezahlte Prämienhengst kostete nur 5000 Euro weniger. Zur neuen Heimat des Hannoveraners v. Comme il faut NRW/Quality (Tessa Pfeil, Elmlohe) hieß es, es handele sich um eine „Station in Niedersachsen“.

Bekannte Springreiterin ersteigert Schimmel

Die niederländische Station VDL-Stud in der Provinz Friesland investierte 107.000 Euro in einen „großlinigen“ Sohn v. For Treasure VDL/ Stakkato (Georg Bräuer/ Ramona Lorenz-Bräuer, Kreis Hildesheim). Mit der Kopfnummer eins war der einzige Dreijährige des Aufgebots ins Rennen gegangen. Der Schimmel v. Cornado/Antaeus aus der Zucht von Wilhelm Harling (Sottrum) wird sein bisheriges Zuhause auf dem Gestüt Eichenhain (Blender-Varste) in Richtung Pinneberg verlassen. Er erhält eine Box auf dem Hof der bekannten Springreiterin Janne-Friederike Meyer-Zimmermann, die den Vollbruder ihres Erfolgspferdes Büttner’s Minimax für 75.000 Euro ersteigerte.

Ein prämierter Hengst v. Grey Top/Ludwigs As (Heino Henning, Hechthausen/Peter Dieckmann, Odenthal) erlöste 38.500 Euro und wird die Reise nach Hessen antreten. Auf Prämierung erkannte die Kommission auch bei zwei weiteren Junghengsten, die nicht zu haben waren. Der Nachkomme v. Conthargos/Contendro (Züchter Hilmer Meyer-Kulenkampf, Bruchhausen-Vilsen) bleibt auf der Hengststation Hoffrogge in Dorsten, der Schimmel v. Cornet’s Edition/Drosselklang II (Wilhelm Leymann, Bassum) bei Holger Baum in Hofheim am Taunus.

Durchschnittspreis von 52.900 Euro

Für die 15 gekörten Hengste ergab sich unter dem Strich ein Durchschnittspreis von 52.900 Euro. Er lag damit etwas unter dem vor zwölf Monaten bei gleicher Pferdeanzahl registrierten Resultat (54.400 Euro). Der Nettoumsatz belief sich auf 793.500 Euro. Fünf Hengste wurden für zusammen 214.000 Euro ins Ausland verkauft, davon zwei nach Belgien, je eines nach Mexiko, Tschechien und in die Niederlande.

Für die Junghengste, denen der positive Körbescheid versagt blieb, wurden im Schnitt knapp 17.610 Euro gezahlt (Vorjahr 21.050). Es war das erwähnte Schlusslicht im gesamten Auktionsreigen des Jahres, das in diesem Sortiment den Tageshöchstpreis erlöste. Für den vielversprechenden Viscerado/Black-Jack-Sohn (Heinrich-Gerhard Tietjen, Bremen/Chris-Florian Witte, Hannover) ließ ein amerikanischer Kunde 30.000 Euro springen. Der Umsatz wurde mit 246.500 Euro angegeben.

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