Jugend Jazzt Melancholie auf Vinyl

Neun Dozenten des Workshops "Jugend Jazzt" haben sich nun zum Musizieren zusammengetan. Das Ergebnis: Eine Schallplatte voller Coversongs, die ab sofort erhältlich ist.
20.09.2022, 16:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Susanne Ehrlich

Seit vielen Jahren treffen sie sich einmal jährlich zu den "Jugend Jazzt"-Workshops des Vereins Verdener Jazz- und Blues­tage, und immer nutzen sie die gemein­same Zeit, um mit einer stets vom Publi­kum bejubelten Jazz-Session die traditi­onelle Kneipennacht zu eröffnen. Jetzt haben die neun Vollblut-Jazzer die Ge­legenheit beim Schopf gepackt und eine eigene Schallplatte herausgegeben.   

"Das hat sich einfach so ergeben", erzählt Jazzpianist Benny Grenz voller Freude, "weil es bei diesen Sessions immer eine fantasti­sche Che­mie zwischen uns gab." Der Bremer Drummer Stefan Ulrich hatte als erster die Idee: "Mensch, das müssen wir doch mal aufnehmen!" Und weil er in Bremen über ein eigenes Studio verfügt, wurde der spontane Gedanke jetzt in die Tat umgesetzt. Als Project 9 bringen die Musiker auf ihrer frisch erschienenen schwarzen Scheibe mit Namen "September Pearls" jeweils vier Titel auf der A-Seite und auf der B-Seite. Wer seit Jahrzehn­ten nur noch Silberlinge einwirft oder gar all seine Musik streamt, kann sich vielleicht gar nicht mehr an das Platten-Umdrehen erinnern, das tolle Gefühl, wenn es zuerst eine kleine Sekunde lang knistert, bevor der Raum sich mit diesem ganz speziellen, reinen und voluminösen Sound füllt. Die Aufnahmequalität der Schallplatte ist exzellent; der Klang fühlt sich irgendwie luftig an, so als ob man mitten im Raum direkt vor den Musikern steht. Großes Lob verdient die Zusam­menstellung der Tracks, sowohl was die Balance zwischen Eigenkompositionen und erfrischend individuell präsentierten Jazz-Covers betrifft, als auch beim Wechsel zwischen Instrumentalmusik und Gesang.

Melancholische Titel

"Shadow" von der norwegischen Jazz­musikerin Beate Lech, ein Song über eine hoffnungslose, bis zur Besessenheit ausfantasierte Liebe und "Dom De Iludir", ein wunderschöner, melodisch-melancholischer Latin-Jazz-Song des Brasilianers Gaetano Veloso, geben Gabriela Koch Gelegenheit, den Farbenreichtum und die berührende Empfindsamkeit ihrer Stimme zu zeigen. "Diese Stücke haben wir zwar nicht komponiert", erklärt Benny Grenz, aber wir haben sie uns für diese Besetzung zu ei­gen gemacht." Einen trostlos grauen, einsamen Tag beschreibt der "Sunday Blues" von Steff Ulrich, so abgrundtrau­rig gesungen, dass selbst der deprimierteste Zuhörer glauben kann, im Vergleich dazu beneidenswert gut drauf zu sein. 

Das Stück "In the Forest" von Benny Grenz hat nur zwei kurze, nachdenkliche Gesangsstrophen am Anfang und am Schluss, die ein zartes und vielschichti­ges Stück Kammermusik für Jazzcombo einrahmen.  

Instrumental sind außer dem 70 Jahre alten Bernie-Miller-Klassiker "Bernie's Tune" in einem sprudelnd le­bendigen Arrangement das herrlich groovende erste Stück der A-Seite "Let's go" von Frank Schöttl, bei dem alle In­stru­men­talisten ihre persönliche Visiten­karte in den Hut werfen, Steff Ulrichs mystisch-versponnenes "Gotham" und Frank Schöttls "Sunday Afternoon", in dem ausgedehnte gesangliche Fantasien der Bläser das Boogie-Piano flankieren.

Hochrangige Musiker

Der Name der Band Project 9 ist leicht zu erklä­ren. Er zählt einfach die neun "Jugend Jazzt"-Dozenten Stefan Ulrich (Drums), Chris­tian Suter (Gitarre), Benny Grenz (Pi­ano), Mario Emde (Bass), Frank Schöttl (Tenorsaxophon), Hauke Schlüter (Ba­riton-Saxofon), Daniel Gaiser (Posaune) und ihre beiden Kolleginnen Gabriela Koch (Gesang) und Joanna Jablonski (Posaune) zusammen. Sie alle sind hoch­rangige Jazz-Musiker, die in vielen ver­schiedenen Combos überall in Deutsch­land und in Europa auftreten, sie kom­ponieren eigene Musik und sind ge­schickte Arrangeure – unverzichtbar in der Arbeit mit dem begabten Nach­wuchs, dem sie sich alle verschrieben haben. Sie geben ihr Können und Wis­sen auf akademischem Niveau weiter: Gabriela Koch besitzt einen Lehrauftrag für Gesang an der Hochschule für Musik in Detmold. Stefan Ulrich unterrichtet an der Hamburg School of Music und Da­niel Gaiser an der Akademie Deut­sche Pop Hannover. Mario Emde ist Do­zent für Jazzkontrabass und Bass an der Hochschule für Künste Bremen und Christian Suter Dozent für Gitarre an der Musikakade­mie Stade. Saxofonist Frank Schöttl arbeitet als Komponist, Arran­geur und Produzent für Radio Bremen, den NDR und den WDR.

All diese geballte Man- und Wo­man-Power findet sich auf der Vinyl­scheibe wieder, deren Aufnahme den Musikern "unheimlich viel Spaß ge­macht hat", wie Benny Grenz zu berich­ten weiß. Und so macht auch das Hören riesig Spaß, wovon man sich ab sofort über­zeugen kann. Die Schallplatte gibts im Mu­sikhaus Hartig, in den drei Verdener Buchhandlungen Heine, Mahn­ke und Vielseitig und im Geschäft Die Weingenießer. Erhältlich ist sie auch bei der Jazz- und Blues­nacht am kommenden Sonnabend, 24. September, in der Aula des Domgymnasiums, wo die neue Scheibe beim traditionellen Dozenten­konzert ab 20 Uhr von den Musikern persönlich vorgestellt wird.

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