Mittelalter Die Grafenstadt zelebriert das Mittelalter

Er hat klein begonnen und ist aus dem Kalender von Mittelalter-Fans inzwischen nicht mehr wegzudenken: der Katharinenmarkt zu Hoya. Selbst Musiker aus Italien reisen dafür an den Mittelpunkt Niedersachsens.
15.09.2022, 13:24
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Die Grafenstadt zelebriert das Mittelalter
Von Jörn Dirk Zweibrock

Marlies Soltau und Andrea Schwarze aus Hoya haben in diesen Tagen sprichwörtlich alle Hände voll zu tun. Im Fundus an der Deichstraße kümmern sich die beiden Mittelalter-Fans um die Gewandungen für den Katharinenmarkt, der an diesem Wochenende, 17. und 18. September, bereits zum 30. Mal in der Grafenstadt steigt. Schwarze näht die Gewandungen, Soltau verteilt sie an die Vereinsmitglieder und achtet mit Argusaugen darauf, dass sie ihr nach dem Markt auch wieder ordnungsgemäß zurückgegeben werden. Was wäre schließlich ein Mittelalter-Spektakel ohne die entsprechende Kostümierung. 

Zumindest für zwei Tage kehrt Hoya am dritten September-Wochenende rund um den Bürgerpark, die Martinskirche und das benachbarte Heimatmuseum ins ferne Mittelalter zurück. Das Grafenlager an der Martinskirche, das Heerlager und der Dorfanger im Bürgerpark laden zur Zeitreise ein. 

Mit Gauklern, fahrenden Händlern und edlen Ritter wird in der Altstadt gebührend gefeiert. An rund drei Dutzend Ständen geben unter anderem Schmiede, Schuhmacher, Korbflechter, Wunderkrämer und Quacksalber Einblick in das mittelalterliche Wirtschaftsleben. Ein berittener Falkner führt seine Vögel vor und auch für die Lütten gibt es wieder jede Menge Programm. 

Für die musikalische Untermalung sorgen beispielsweise eine Musikgruppe aus den italienischen Abruzzen und die Formation Comes Vagantes. Hunger und Durst werden in den Tavernen und Brätereien gestillt. 

Traditionell wird der zweite Markttag, der Sonntag, um Punkt 10 Uhr mit einem feierlichen Gottesdienst in der Martinskirche eingeläutet. 

Was klein begann

Seit nunmehr 30 Jahren lässt der Katharinenmarkt-Verein die Geschichte Hoyas wieder lebendig werden. Namensgebend für den Markt war die Grafentochter Katharina von Hoya, die im 15. Jahrhundert noch blutjung zur Äbtissin des Klosters Wienhausen gewählt wurde. Ihr zur Ehren hielten Graf Otto III. und seine Gemahlin Gräfin Mechthild in der Grafenstadt Markt. 

"Die Geschichte des Marktes begann 1991 klein und bescheiden. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe ,Herbstmarkt' der Fördergemeinschaft Hoya um Erhard Uhlig, Helmut Thöming, Sitta Meyer und Renate Helmle waren an mich als Leiter des Heimatmuseums herangetreten, um gemeinsam zu überlegen, ob man der jährlichen Herbstveranstaltung nicht einen neuen Impuls geben könnte", erzählt Axel Fahl-Dreger, früherer Stadtarchivar und Leiter des Heimatmuseums Grafschaft Hoya.

Der große Zuspruch beflügelte die Arbeitsgruppe, im folgenden Jahr einen größeren Markt auf einem Innenstadt-Parkplatz zu veranstalten. "Anfang der 1990er-Jahre gab es in Norddeutschland kaum historische Mittelaltermärkte. Einzig und allein in Verden mit dem Störtebekerfest und einigen Ruhrgebietsmärkten existierte Vergleichbares", erinnert sich Fahl-Dreger. So sei es kein Wunder gewesen, dass der neue Markt in der Grafenstadt gleich großen Anklang gefunden habe. Pünktlich zum 30-jährigen Bestehen des Katharinenmarktes erscheint natürlich auch eine Chronik, die die vergangenen drei Dekaden beleuchtet.

Brückenschlag in die Neustadt

Dass die Grafenstädter feiern können, ist bereits in der Zwergensage verbrieft. Mit Erlaubnis der Blaublüter sollen die kleinen Männlein damals ein rauschendes Fest im Grafenschloss gefeiert haben. "Die Hotels in Hoya und umzu sind bereits seit Wochen ausgebucht", freut sich "Gewandmeisterin" Marlies Soltau, dass der Markt auch nach der Corona-Zwangspause immer noch ein Zuschauermagnet ist. 

Übrigens: Wie werden die Gewandungen, die Marlies Soltau wie ihren Augapfel hütet, eigentlich gewaschen? "Natürlich im Schonwaschgang", erzählt die Mittelalter-Freundin lachend.

Der Katharinenmarkt in der Hoyaer Altstadt hat am Sonnabend, 17. September, von 13 bis 23 Uhr geöffnet, am Sonntag, 18. September, öffnet er zwischen 11 und 19 Uhr seine Tore für die Mittelalter-Fans aus dem näheren und weiteren Umkreis. Weil der Katharinenmarkt-Verein stets den Schulterschluss mit der Fördergemeinschaft sucht, ist auch auf der anderen Weserseite ordentlich was los. Dort richtet die Kaufmannschaft aus der Grafenstadt ihren Herbstmarkt mit Flohmarkt und verkaufsoffenem Sonntag aus. "Die Verbindung zwischen Alt- und Neustadt über die Weserbrücke ist ein Katzensprung", freut sich Katharinenmarkt-Vorsitzender Hans Soltau über diesen "gelungenen Brückenschlag". 

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