Kreissparkasse Verden Geldhaus will grüner werden

Die Geschäftsbilanz 2022 ist von soliden Zahlen geprägt. Die Sprengungen von Geldautomaten durch Kriminelle sind aber zum Problem geworden.
10.03.2023, 14:52 Uhr
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Geldhaus will grüner werden
Von Andreas Becker

Die jüngsten Sprengungen von Geldautomaten durch Kriminelle, um Bargeld zu erbeuten, wird sich auf das SB-Angebot der Kreissparkasse (KSK) Verden auswirken. Das berichtete der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Matthias Knak auf der Bilanzpressekonferenz des Instituts. "Diese Taten werden zunehmend zum Problem, weil die Geldautomaten teilweise in Wohnhäusern eingebaut sind und die Zerstörung der Gebäude mitunter immens ist", sagte Knak. Um die Bewohner dieser Immobilien zu schützen, sucht die Kreissparkasse nach alternativen Standorten, um dort SB-Pavillons zu errichten.

In der jüngeren Vergangenheit hatten Täter Geldautomaten bei Dodenhof, im Kaufmarkt Dauelsen und einem weiteren Supermarkt in Oyten gesprengt. Als Folge hätten einige Supermärkte die Zusammenarbeit mit der KSK beendet. "Die Supermärkte wollen die Geldautomaten nicht mehr haben", so Knak. Teilweise seien sie bereits abgeschaltet. Zur Sicherung der Automaten wollte der Vorstand keine Angaben machen, diese seien aber in Absprache mit der Polizei auf dem neuesten Stand.

Angebot in der Fläche

Zum Filialnetz im Landkreis Verden sagte Vorstandsmitglied Dennis Gläß, dass dies ständig überprüft werde. Vor allem in den vergangenen Jahren sei es wegen der Pandemie und den teilweise hohen Krankheitszahlen nicht einfach gewesen, alle Filialen jeden Morgen zu öffnen. "Das hat immer wieder personelle Verschiebungen erfordert, aber letztlich haben wir es immer geschafft", so Gläß. Ziel sei auch weiterhin, den Kundinnen und Kunden in der Fläche ein Angebot zu machen.

Ein zentrales Thema, das die Kreissparkasse seit dem vergangenen Jahr verstärkt vorantreibe, sei Nachhaltigkeit. "Vor wenigen Tagen haben wir die Selbstverpflichtung für Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften unterzeichnet", erklärte die Vorstandsvorsitzende Silke Korthals. Damit verpflichtet sich die Kreissparkasse Verden, ihren Geschäftsbetrieb bis 2035 Kohlendioxid-neutral zu gestalten. "Das bedeutet jedes Jahr drei bis fünf Prozent weniger Emissionen". Auch sollen Finanzierungen und Eigenanlagen nachhaltig ausgerichtet, Kunden bei ihrer Entwicklung zu einer klimafreundlichen Wirtschaft unterstützt werden.

Klare Ziele formuliert

Gemeinsam mit einer Unternehmensberatung habe die Kreissparkasse bereits eine Bestandsaufnahme gemacht und Ziele formuliert, die in den nächsten drei Jahren erreicht werden sollen. "Das ist ein klarer Plan, welche Aufgaben wir bewältigen müssen", so Korthals. Bereits jetzt hat sich die Absenkung der Raumtemperatur auf 19 Grad nach Angaben des Vorstands zu deutlichen Einsparungen geführt. Zur besseren Energiebilanz habe auch die Digitalisierung der Arbeitsprozesse beigetragen. Zudem würden nicht genutzte elektrische Geräte schneller abgeschaltet. Auch die Anzahl der Kurierfahrten sei deutlich reduziert worden. Dadurch würden etwa 50.000 Kilometer weniger mit dem Auto zurückgelegt, wie Korthals berichtete.

Es ging aber auch um die Umsatzzahlen des vergangenen Jahres. Beim Kundengeschäft verzeichnet die KSK ein "solides Wachstum", wie Matthias Knak es formulierte. So sei die Bilanzsumme um knapp 93 Millionen Euro auf mehr als 3,3 Milliarden Euro angestiegen. Während das Einlagengeschäft auf Vorjahresniveau verharrte, sei es im Kreditbereich ein "außergewöhnlich gutes Jahr gewesen. So ein Ergebnis hatten wir noch nie". Dabei sei das vergangene Geschäftsjahr von vielen Unsicherheiten gekennzeichnet gewesen. "Während das erste Halbjahr von Optimismus geprägt war, wurde das Kreditgeschäft im weiteren Verlauf immer stärker vom Krieg in der Ukraine, steigenden Zinsen, hoher Inflation und Rezessionsängsten beeinflusst", so Knak. Trotzdem beliefen sich am Jahresende die Summe aller Kredite auf 2,6 Milliarden Euro – ein Wachstum um 9,7 Prozent. Vor allem die gewerblichen Kredite hätten zugenommen, um 11,7 Prozent.

Nachfrage bricht ein

Die privaten Kredite stiegen zwar um 5,7 Prozent im Vergleich zu 2021 an, im zweiten Halbjahr ging jedoch die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen deutlich zurück. "Die Haushaltseinkommen reichen angesichts der gestiegenen Zinsen und Lebenshaltungskosten vielfach nicht mehr aus, um ein Haus oder eine Wohnung kaufen zu können." Aktuell befindet sich der Immobilienmarkt nach Ansicht von Knak im Umbruch. Der stetige Preisanstieg sei zum Stillstand gekommen, die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen rückläufig. 2022 vermittelten die Makler der KSK 49 Immobilien mit einem Kaufpreisvolumen von knapp 15 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von knapp 17 Prozent. Aktuelles Baugebiet des Instituts ist Ilmer 6 in Thedinghausen. Dort wird bald mit der Vermarktung begonnen, die Preise liegen jenseits von 160 Euro pro Quadratmeter, wie Knak ankündigte.

"Steigende Zinsen sind gut für Anleger", lautete das Fazit von Dennis Gläß. Und sie hätten zu einem Comeback des Sparbriefs geführt. Die Kundeneinlagen lägen mit 2,4 Milliarden Euro etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Das Börsenjahr 2022 sei nichts für schwache Nerven gewesen. Viele Faktoren hätten der Börse zugesetzt. Trotzdem, so Gläß, stieg der Gesamtwert der Wertpapiere in den Depots der KSK leicht um 1,4 Prozent auf 812 Millionen Euro an. Zurückgegangen sei im Berichtsjahr der Provisionsüberschuss, also die Einnahmen des Geldinstituts aus der Vermittlung von Versicherungen, Immobilien und Finanzprodukten. Er sank um 3,1 Prozent.

Insgesamt, fasst Silke Korthals zusammen, sei das Geschäftsjahr "grundsolide" gewesen und habe nach Steuern mit einem Überschuss von 2,4 Millionen Euro geendet. Die Kreissparkasse werde etwa 3,3 Millionen Euro Körperschafts- und 3,1 Millionen Euro Gewerbesteuer an die Kommunen abführen.

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