Herz-Kreislauf-Stillstand Jede Minute zählt

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. Eine App und ehrenamtliche Helfer sollen im Landkreis Verden helfen, die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte zu überbrücken.
30.08.2022, 15:42
Lesedauer: 3 Min
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Jede Minute zählt
Von Marie Lührs

Zehn bis 15 Minuten kann es dauern, bis ein Krankenwagen bei einem Menschen in Not eintrifft. In manchem Fällen sei es dann schon zu spät, mahnt Krankenschwester Helke Cohrs. Gerade im ländlichen Raum sei das ein großes Problem. Dabei komme es auf jede Minute an. Eine App könnte bald dafür sorgen, dass professionelle Hilfe früher vor Ort ist. Dafür setzt sich Cohrs nun ein. Mitstreiterinnen für ihre Mission hat sie unter anderem in den Kreistagsabgeordneten Dörte Liebetruth (SPD) und Hella Bachmann (CDU) gefunden.  

"Mobile Retter" heißt die App, die Leben retten soll. Die Retter engagieren sich ehrenamtlich. Rettungsdienstleistende, Ärztinnen und Ärzte, Feuerwehrleute und Betriebssanitäter können sich genauso wie beispielsweise Arzthelfer und Pfleger als mobile Retter einbringen. Das Ehrenamt gehe mit einer Fortbildung einher, erklärt das Dreiergespann das Konzept. Wenn jemand wegen eines Herz-Kreislauf-Stillstands einen Notruf absetze, könne in der Notrufzentrale auch die App ausgelöst werden, erklärt Bachmann die Funktion. Es würden dann zwei qualifizierte Ersthelfer, die sich in der Nähe der Einsatzstelle befinden, alarmiert. Wer sich möglichst nah am Einsatzort befindet, wird über das GPS-Signal des Handys ganz automatisch ermittelt. So können die Helferinnen und Helfer schon vor Eintreffen des Rettungswagens mit der Reanimation beginnen. Die Eintreffzeit könne so deutlich reduziert werden. Der Durchschnitt liege aktuell bei vier Minuten und 32 Sekunden, sagt Liebetruth. 

Thema geht in die Beratung

Im Landkreis Osterholz sei die App schon im Einsatz, erzählt Liebetruth, auch im Heidekreis soll das Modell bald anlaufen. Bis es im Landkreis Verden so weit sei, werde es noch dauern. Denn das Thema gehe nun erst in die Beratung. Der Verein, der hinter der App steckt, werde das Konzept dann noch einmal den politischen Vertreterinnen und Vertretern vorstellen, ehe diese über die Einführung abstimmen. Wenn alles gut läuft, kann der Kreistag im Dezember entscheiden und das nötige Geld gleich im Haushalt veranschlagen. Denn die Nutzung der App ist nicht kostenlos. Wie viel sie dem Landkreis kosten werde, sei noch unklar, sagt Liebetruth. Die Gebühr richte sich nach der Einwohnerzahl. Im Kreis Osterholz sei es ein jährlicher Beitrag von 20.000 Euro. Im Kreis Verden sei mit einem etwas höheren Betrag zu rechnen, sagt Bachmann. "Wenn wir so ein Leben retten können, ist es das wert", findet die Christdemokratin. 

Funktionieren wird das Konzept allerdings nur, wenn sich genug Ehrenamtliche mit entsprechender Qualifikation finden, die im Notfall Hilfe leisten können. "Ich bin mir sicher, dass wir viele Menschen dafür gewinnen können", zeigt sich Bachmann überzeugt. 

Schon im Heidekreis habe sie das Projekt vorangetrieben, erzählt Cohrs. Inzwischen lebe sie in Luttum und habe sich auch hier für das Modell der mobilen Helfer eingesetzt. Auf die App wurde sie im Internet aufmerksam und war gleich angetan von der Idee.

Konzept aus den Niederlanden

Das Konzept, qualifizierte Ersthelferinnen und Ersthelfer per App zu alarmieren, stammt aus den Niederlanden. Wie hilfreich eine frühzeitige Hilfe sein kann, zeigt eine Statistik: Laut dem Deutschen Rat für Wiederbelebung erleiden in Deutschland jährlich mehr als 70.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. Lediglich zehn Prozent der Betroffenen überleben. In vielen Fällen dauert es zu lange, ehe Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden. Ein flächendeckendes, schnelles Erstversorgungsnetz könnte mehr als 10.000 Menschenleben pro Jahr in Deutschland retten, heißt es auf der Internetseite des Vereins Mobile Retter. 

"Es geht um eine Ergänzung", betont Liebetruth. Die mobilen Retter seien kein Ersatz für die Besatzung eines Krankenwagens. In über 13 Landkreisen sei die App schon im Einsatz, sagt Hella Bachmann. Interessierte können sich bereits jetzt unter www.mobile-retter.de über die App und den gleichnamigen Verein sowie seine Arbeit informieren.

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