Festival aufm Platz Festival statt Niedersächsische Musiktage

34 Jahre lang prägten die Niedersächsischen Musiktage der Sparkassenstiftung das kulturelle Gesicht des Landes. Nun wird das Format durch das "Festival aufm Platz" ersetzt.
21.06.2022, 14:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Susanne Ehrlich

Die Niedersächsischen Musiktage der Sparkassenstiftung gibt es nicht mehr. Das 1987 gegründete flächengrößte Fes­tival Deutschlands mit 40 bis 50 Konzerten in vier Wochen hat 34 Jahre lang das kulturelle Gesicht des Landes mit ge­prägt und dabei auch große Kultur in den ländlichen Raum gebracht. Ob das neue Format "Festival aufm Platz" über die­sen Verlust hinwegtrösten kann? Im Zuge dieser Veranstaltungsreihe werden am 24. Juni ab 18 Uhr das Signum Saxophone Quartet und die Poetry-Slammerin Leticia Wahl auf dem Rathausplatz in Verden zu Gast sein.

Es ging schon im November vergange­nen Jahres durch die Presse: Die Nieder­sächsische Sparkassenstiftung und die VGH Stiftung wollen, wie Stiftungsdi­rektor Johannes Janssen erklärte, künftig nicht mehr als Veranstalter, son­dern nur noch als Förderer in Erschei­nung treten. Man werde Abstand von ei­genen Veranstaltungen nehmen, "weil sie einfach enorme Ressourcen verbrau­chen".

Auch das alljährliche Literatur­fest Nie­dersachsen ist damit Vergangenheit. Zum Ausgleich gibt es in diesem Jahr seit dem 17. Juni mit dem "Festival aufm Platz" über die ganze Region verteilt verschie­dene Veranstaltun­gen in einer Kombina­tion aus Literatur und Musik, umsonst und draußen. Dieses Open-Air-Format der Sparkassenstiftung gibt es erst seit 2020, als durch Corona ein Großteil der geplanten Veranstaltungen aus­fallen musste.

Neues Format bietet Chancen

"Natürlich ist es schade, dass es die Nie­dersächsischen Musiktage in dieser Form nicht mehr geben wird", findet auch die Leiterin der Un­ter­neh­mens­kommunikation bei der Kreis­sparkasse Verden, Beate Patolla, die für die Kul­turförderung vor Ort verantwortlich ist. "Aber ich bin sicher, dass sich mit den neuen Formaten, die nun in den nächsten Jah­ren folgen werden, auch neue Chancen verbinden." Und dass die Mu­sikförderung nun ganz im Vordergrund stehen solle, sei doch für die Organisato­ren von Kulturveranstaltungen und Fes­tivals in der Region eine sehr gute Nach­richt. Bereits in diesem Jahr habe man unter anderem für die Domfestspiele und für das Domplatz-Festival tiefer in den Förder­topf gegriffen. Die Förderung vieler weiterer Projekte in den kommenden Jahren werde gerade besprochen.

Angesichts der mehr als 30-jährigen Ge­schichte großer Musikevents mit überra­genden Interpreten und Ensembles aus verschiedenen Genres dürfte die Einstel­lung des Festivals dennoch ein herber Verlust für die Region bleiben. Klassi­sche Konzerte mit Weltklasse-Inter­pre­ten wie der Academy of St. Martin in the Fields, Alfred Brendel, dem Artemis Quartett, Concerto Köln, Thomas Quasthoff, Isa­belle Faust, Igor Levit, Sabine Meyer oder Tanja Tetzlaff und Jazz und Crossover mit der NDR-Bigband, Giora Feidmann, Nils Landgren, Till Brönner oder den King's Singers werden ebenso wie die vielen Literaturfest-Ange­bote in der kulturellen Landschaft Ni­e­dersach­sens fehlen.

Attraktiv und niedrigschwellig

"Wir sind sehr dankbar für alles, was wir hier an Musik und Literatur erleben durften", wagt Patolla einen Rückblick auf 34 Jahre Kulturangebote der Sparkas­senstiftung und der VGH Stiftung. Doch nun hoffe sie, dass das Publikum auch für die neuen Ideen und Angebote aufge­schlossen sei. Von der Veranstaltungs­reihe "Festival aufm Platz" ver­spricht sie sich viel: Das sei zugleich ein quali­tativ attraktives wie nie­drig­schwel­liges An­gebot. "Man kann einfach hin­kom­men, ein Weilchen zu­hören und wieder gehen oder die ganze Zeit dabei­bleiben. Jeder ist eingeladen. Das Ange­bot ist kosten­los." 

Das Signum Saxophone Quartet sieht sich stilistisch zum einen "irgendwo zwi­schen Fab Four und Bad Guys", hat aber zum anderen auch Klassik, beispielsweise von Al­binoni, Ravel oder Ligeti im Gepäck, alles dargeboten in der besonderen In­terpretation eines swingenden Bläser­sounds. Seit 2006 musizieren die vier Saxophonisten Bla? Kemperle, Hayrapet Arakelyan, Alan Lu?ar und Guerino Bellarosa zusammen und haben schon Konzerte mit Musikern und Musikerinnen wie Tanja Tetzlaff oder Daniel Hope gespielt. Am 24. Juni duellieren sich die vier Saxofon-Virtuo­sen auf dem Rathausplatz in Verden mit der Wortakrobatin Leticia Wahl. Die be­kannte Poetry-Slammerin ist gerne als Reisepoetin unterwegs, leitet Work­shops und tritt auch als Moderatorin und Schauspielerin in Erscheinung. Die Ver­anstaltung beginnt um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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