Pferdemuseum Verden Experte für tierische Zahnschmerzen

Der Ottersberger Veterinär Carsten Vogt zeigt Fotos seines Arbeitsumfelds im Verdener Pferdemuseum. Die Fotografien sind bundesweit in Praxen entstanden.
25.11.2022, 14:35
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Angelika Siepmann

Als Tierarzt, zumal als Spezialist für Pferdezahnmedizin, muss Carsten Vogt seinen Patienten genau ins Maul schauen – vielleicht ist da was faul. Doch nicht nur im Hauptberuf braucht der 50-jährige Veterinär einen geschärften Blick. Nebenberuflich richtet sich sein Fokus auf die Fotografie. Was dabei herauskommt, wenn er beides in Verbindung bringt, ist derzeit im Deutschen Pferdemuseum (DPM) zu sehen. Bis zum 8. Januar werden rund 20 ausgewählte Aufnahmen aus seinem umfangreichen Fotoprojekt „This is Equine Medicine“ gezeigt. Das DPM setzt damit die Reihe der kleinen, feinen Kabinettausstellungen in der Stallgasse fort.

Vogts fotografisches Schaffen erstreckt nicht nur auf Themen aus seinem täglichen Arbeitsumfeld. Der Mitinhaber der Tierärztlichen Praxis Ottersberg guckt durch die Kameralinse auch gern über den Tellerrand hinaus, hat ein Faible für „Sport- und Actionfotografie“, nicht zuletzt im Bereich Fußball, und ebenso eine Passion für Porträts, die sowohl in einem Studio als auch in freier Natur entstehen. Die Bilderschau im Verdener Pferdemuseum konzentriert sich indes naheliegenderweise auf das, was der promovierte Tierarzt in den vergangenen drei Jahren bundesweit in verschiedenen Praxen und Tierkliniken abgelichtet hat.

Kleiner Ausschnitt

Letztlich ist es auch nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus dem großen Gesamtergebnis der außergewöhnlichen Fotoreportage, der den Weg an die weißen Wände gefunden hat. Wie es dazu kam und viele andere Aspekte seiner Steckenpferd-Arbeit hat Carsten Vogt den rund 65 Gästen erläutert, die anlässlich des Ausstellungsauftakts seinem ebenso informativen wie unterhaltsamen Vortrag lauschten. Die Besucherinnen und Besucher hatten dabei nicht nur den Vorteil, die Entstehungsgeschichte einzelner Fotos zu erfahren. Sie bekamen auch einige Aufnahmen zu sehen, die bei der strengen Auswahl auf der Strecke geblieben sind.

Bei seiner „Photographic Journey“ sind über die Jahre gut 3000 Bilder entstanden. Beim „Eindampfen“ der Fülle entwickelter Fotos blieben 125 für die Weiterverwendung übrig, und daraus wiederum wurden die – in Großformat auf Alu-Dibond gedruckten DPM-Exponate – ausgesucht. Geholfen hat Carsten Vogt dabei der im Kuratieren erfahrene Profifotograf Thomas B. Jones (Kirchheim unter Teck). Unter anderem bei Jones hat Vogt, nach eigenen Angaben weitgehend Autodidakt, auch ein Coaching durchlaufen.

Im ganzen Norden im Einsatz

Vor allem als Experte für „Zahnheilkunde Pferd“, wie es offiziell heißt, kommt der Veterinär Vogt viel herum. Seit 2005 „Certified Equine Dentist“, ist er im ganzen norddeutschen Raum im Einsatz, um wahrlich tierische Zahnschmerzen zu lindern oder Pferden, bei Bedarf zum Beispiel auch Eseln, aus anderen Gründen gründlich auf den Zahn zu fühlen. Gefühl für die Situation von Arzt und Patient und Gespür das Machbare und Zulässige brauchte Vogt auch, als er immer mal wieder als Fotograf die tierärztliche Tätigkeit von Kolleginnen und Kollegen verfolgte – so, dass diese ihn möglichst gar nicht wahrnahmen. Also zwar mitten im Geschehen, aber doch möglichst unauffällig im Hintergrund und kein Hindernis für den Ablauf erforderlicher Behandlung.

Dass die Aufnahmen den angestrebten realistischen Eindruck aus dem Klinikalltag vermitteln, liegt auch daran, dass nichts gestellt ist, wie Vogt betont, und er die jeweiligen Lichtverhältnisse nicht durch zusätzliche Beleuchtung oder gar Blitzen beeinflusst. „Authentizität ist oberstes Gebot“. Bildbearbeitung wird „ausschließlich in Lightroom“ vorgenommen: „Farben werden abgewandelt, insbesondere Blut erhält oft andere Töne“. Mit geschultem Blick für Motive und Perspektive hat Vogt Bilder gefertigt, „die jedes für sich eine Geschichte erzählen“. Etwa die einer Ultraschalluntersuchung am Pferdebein, der Versorgung einer klaffenden Halswunde, der Vorbereitung zur Kastration eines Hengstes oder einer Operation am Sehorgan, bei der die Spritze notwendigerweise buchstäblich ins Auge geht. Und auch hinter den Kulissen der (Hightech-) Tiermedizin hat Vogt interessante Szenen eingefangen.

Seine Fotografien waren im Sommer erstmals beim Leipziger Tierärztekongress zu sehen. Carsten Vogt engagiert sich auch ehrenamtlich bei der internationalen Hilfsorganisation „Equiwent“, die sich schwerpunktmäßig um die medizinische Versorgung von Arbeitspferden im Nordosten Rumäniens, aber auch in Deutschland und anderen Ländern kümmert. Weitere Informationen zu der aktuellen Ausstellung gibt es unter www.dpm-info.de.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+