Pferdemuseum Verden Eine optische Reise um die Welt

Das Pferdemuseum Verden zeigt wieder prämierte Arbeiten der besten Naturfotografen. Auch ein reichhaltiges Rahmenprogramm ist geplant.
06.12.2022, 17:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Angelika Siepmann

Es müssen nicht immer Pferde sein. Enorme Zugkraft entwickelt das Deutsche Pferdemuseum (DPM) auch dann, wenn es nicht um sein Zentralthema geht. Das beweist regelmäßig die Ausstellung der buchstäblich ausgezeichneten Ergebnisse des Wettbewerbs „Europäischer Naturfotograf des Jahres“. Zum neunten Mal ist das DPM jetzt bundesweit der erste Ort, an dem die jeweils besten Bilder präsentiert werden. Die rund 80 prämierten Aufnahmen aus zehn Kategorien sind der hochkarätige Extrakt aus einer Fülle von Fotografien, die die Jury zu sichten hatte. Zu der neuen Ausstellung, die bis zum 5. März andauert, gibt es wieder ein abwechslungsreiches Begleitprogramm.

Der zur Jahrtausendwende erstmals ausgeschriebene Wettbewerb der Gesellschaft für Naturfotografie (GDT) ist rasch zu einem renommierten Contest von internationalem Rang geworden. Diesmal hatten Profi- und Hobbyfotografen aus 35 Ländern gut 18.000 Beiträge eingereicht. Viel Arbeit und wohl auch Diskussionsstoff für das fachkundige Auswahlgremium. Mitglied Felix Heintzenberg gab sich „zuversichtlich, dass wir bei unserer Suche nach Bildern, die nicht nur Elemente der Natur zeigen, sondern auch die Kriterien Originalität, Überraschung und Emotion erfüllen, faire und gut begründete Entscheidungen getroffen haben“. Ein solches Foto sei das Siegerbild: „Es vermittelt etwas, das wir noch nie zuvor gesehen haben, sowie Präsenz, Interaktion und Dramatik."

Mit Unterwasserdrohne

Die preisgekrönte Aufnahme von Flusspferden in einem südamerikanischen Salzsee ist dem russischen Wildtierfotografen Mike Korostelev mithilfe einer Unterwasserdrohne gelungen. Dem Gesamtsieger des Wettbewerbs ist es vor allem wichtig, darzulegen, „wie zerbrechlich unsere Natur ist und wie wichtig es daher ist, sie zu schützen und keine Tiere in Gefangenschaft zu halten, insbesondere keine Meeressäuger“. Überhaupt mache die Ausstellung deutlich, so das DPM in seiner Ankündigung, „dass die Fotografien nicht nur die Schönheit der Natur festhalten sollen“. Sie sollten auch eine dokumentarische Kraft besitzen, die den Menschen „zum Innehalten, zum Über- und Umdenken anregen kann“. Im Hinblick auf Klimawandel und Artensterben scheine diese Kraft wichtiger denn je zu sein.

Im großen Sonderausstellungsraum des Museums können die Besucherinnen und Besucher eine optische Reise um die Welt unternehmen. Sie begegnen dabei zum Beispiel einem Wolf bei seinem einsamen Streifzug durch einen Kiefernwald, einem verspielten Polarfuchs in eisigen Gefilden, einem Waschbären auf nächtlicher Tour, jagenden Haien, bizarren Insekten und sich seltsam verformenden Weichtieren. Neben den Kategorien Vögel, Säugetiere, andere Tiere und Unterwasserwelt sind unter anderem Aufnahmen aus den Bereichen Pflanzen und Pilze sowie Mensch und Natur zu bewundern.

Eine zusätzliche, eigene Kategorie bildet einmal der Wettstreit um den Fritz Pölking-Preis, benannt nach dem 2007 verstorbenen Fotografen und Verleger, der als Wegbereiter der modernen Tierfotografie in Europa gilt. In dieser Sparte sind nicht Einzelfotos gefragt, sondern kleine Serien zu nur einem Thema. Den Preis durfte in diesem Jahr Jan Leßmann in Empfang nehmen. „Lockdown Heron“ lautet der Titel seiner kleinen Fotostory über einen Graureiher im Greifswalder Hafen, entstanden im stillen (Corona-) Winter 2021. GDT-Mitglied Leßmann siegte darüber hinaus auch in der Sparte Vögel.

Bei der Preisverleihung Ende Oktober, während des Naturfotofestivals im westfälischen Lünen, stand der Landschaftsökologe Leßmann nicht zum ersten Mal mit seinen Bildern im Blickpunkt. Auch beim Wettbewerb 2019 hatte er schon eine Auszeichnung erhalten. Er zählte zudem zu den Gästen, die später im Pferdemuseum das flankierende Vortragsprogramm mitgestalteten. In Verden hatten schon weitere Preisträger ihren Auftritt, so auch Florian Smit (Osterholz-Scharmbeck), Theo Bosboom (Niederlande), der Hesse Hermann Hirsch sowie Klaus Tamm aus Wuppertal, dessen Bilder „mit der Linse gemalt“ sind.

Nachtaktiver Braunbär

In die Riege der Referenten wird sich demnächst auch Joschi Nichell einreihen. Sein Foto „Bärischer Berggeist“ schaffte es an die zweite Stelle in der Kategorie Säugetiere. Die stimmungsvolle Aufnahme eines nachtaktiven Braunbären in der spanischen Region Kantabrien brachte dem erst 24-jährigen, in Mainz geborenen Fotografen außerdem den als Sonderpreis erstmals ausgelobten Rewilding Europe Award ein. Am Donnerstag, 19. Januar, wird der junge Weltenbummler mit der Kamera das Programm rund um die Ausstellung einläuten. Ab 19.30 Uhr berichtet Nichell in seinem Multimedia-Vortrag unter der Überschrift „Per Anhalter nach Feuerland“ über einen abenteuerlichen Trip, den er 2016 gleich nach dem Abitur unternommen hatte.

21 Monate lang reiste er mit exakt 681 Fahrzeugen 37.000 Kilometer um den Globus. Heute studiert er in Landau Naturschutzbiologie und katholische Theologie und arbeitet nebenbei als Fotograf und Tierfilmer. Weitere Informationen zu der Ausstellung gibt es unter www.dpm-verden.info.

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