Probierstadt Verden Zum Abschied gibt es Kunst

Zum Abschluss des Projekts "Probierstadt Verden" zeigen Kreative mit Down-Syndrom in einem Pop-up-Store ihre Werke. Die Schau soll auch für das Thema sensibilisieren.
22.11.2022, 15:44
Lesedauer: 3 Min
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Zum Abschied gibt es Kunst
Von Marie Lührs

Imke Liebetruth ist sichtlich stolz. In der einstigen Apotheke an der Großen Straße 60 sind ihre, aber auch Bilder von anderen Aktiven der Arbeitsgruppe "Malen und Gestalten" zu sehen. "Das ist wirklich ganz toll", erzählt sie. In den dunklen Holzregalen, in denen einst Medikamente lagerten, reihen sich nun bunte Motive aneinander. Bis Sonnabend, 17. Dezember, können sich Interessierte die Bilder anschauen. Ein Großteil der Werke in verschiedensten Formaten wird außerdem gegen Spenden abgegeben. Das Geld soll dem Arbeitskreis Down-Syndrom zu Gute kommen.

Bevor die Kunst in die alte Apotheke einzog, beherbergte diese schon mehrere anderen Projekte aus der Reihe "Probierstadt Verden". Den Anfang machten Töpferarbeiten von Corinna Möller. Danach zog mit "Omas Träume" ein buntes Sammelsurium aus Deko und Kuriositäten von Raúl und Martina Sosa Alurralde ein, ehe die Verdener Braumanufaktur dort zum Feierabend ihren Gerstensaft samt musikalischer Begleitung anbot. Mit der Ausstellung der Arbeitsgruppe Malen und Gestalten endet nun das Projekt "Probierstadt Verden", das zu einer Belebung der Innenstadt beitragen sollte.

Regelmäßige Treffen

Betreut werden die Kunstschaffenden mit Down-Syndrom von Jutta Liebetruth und der Künstlerin Dörte Pertiet. Zweimal im Monat treffen sie sich, um in den Räumen des Gymnasiums am Wall kreativ zu werden. Zur Hochzeit der Pandemie fielen die kreativen Stunden aus. Um den Kontakt nicht zu verlieren, gab es digitalen Ersatz. "Wir haben eine Whatsapp-Gruppe", erzählt Jutta Liebetruth. Einige Male haben die Künstlerinnen und Künstler vor der Webcam gemalt, um trotz Distanz gemeinsam kreativ zu sein. Seit April laufen nun wieder die regelmäßigen Treffen – sehr zur Freude der Beteiligten.

Immer wieder gibt es neue Themen, die die Gruppe inspirieren und das lässt sich auch an der Bilderschau in der ehemaligen Apotheke ablesen. Schildkröten sind beispielsweise ein auffällig häufiges Motiv. Hintergrund sei eine indianische Schöpfungsgeschichte, die sie den Kunstschaffenden erzählt habe, erzählt Jutta Liebetruth. Der Mythos besagt, dass eines der gepanzerten Tiere maßgeblich an der Schöpfung der Welt beteiligt war.

Wechselnde Themen

"Wir haben immer verschiedene Themen", erzählt Jutta Liebetruth. Märchen, Bäume, Wege, Gott und die Welt – immer wieder gibt es neuen Input zur Inspiration. Auch mit dem Thema Grenzen habe sich die Gruppe schon einmal auseinandergesetzt und sich dafür auch mit der einstigen Teilung der Bundesrepublik beschäftigt. Zum Beginn der Treffen lese sie gerne etwas zum jeweiligen Thema vor.

Gewöhnlich lagern die Bilder, welche die Künstlerinnen und Künstler nicht mit nach Hause nehmen wollen, in einem Zimmer bei Familie Liebetruth. Von großformatigen Leinwänden bis zu kleinen Kunstwerken, deren Seitenlänge gerade einmal zehn Zentimeter misst, reicht das Repertoire. Ein besonderer Blickfang ist ein Werk, das die Hobby-Künstlerin Imke Liebetruth geradezu überragt. "Wir haben uns Bilder von Friedensreich Hundertwasser angeschaut", erzählt Mutter Jutta Liebetruth. Das großformatige Werk sei Imkes Interpretation von Hundertwassers künstlerischem Schaffen.

Für das Thema sensibilisieren

Ziel der Ausstellung sei es, "die Besucherinnen und Besucher der Innenstadt für das Thema Down-Syndrom zu sensibilisieren", erklärt Jutta Liebetruth. "Mit unserem Konzept möchten wir zur Weihnachtszeit eine soziale Komponente in der Verdener Innenstadt hinzufügen", ergänzt Wilfried Liebetruth. "Gerade in der heutigen Zeit sollten wir diejenigen nicht vergessen, die in der alltäglichen Gesellschaft kaum sichtbar sind."

Von der Nähe zum Weihnachtsmarkt erhofft sich die Arbeitsgruppe besonders viel Laufkundschaft. Die Ausstellung ist dienstags bis sonnabends jeweils von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Einmal in der Woche möchte die Gruppe nicht nur ihre Kunst in dem Pop-up-Store zeigen, sondern auch vor Ort kreativ werden.

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