Musik in Verden Harfe trifft Viola

Diesmal steht beim Konzert der Sinfonietta in Verden die Musiknation Frankreich im Mittelpunkt. Dafür konnte eine 22-jährige Ausnahme-Harfenistin gewonnen werden.
18.09.2022, 14:43
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Von Susanne Ehrlich

Vielleicht hat das Konzert der Sinfo­nietta Aller-Weser im vergangenen Ok­tober am Verdener Domgymnasium eine neue Tradition begründet. Denn am Sonntag, 9. Oktober, wird das Projektorchester unter Leitung des Lilienthaler Komponisten, Dirigenten und Cellisten Karsten Dehning-Busse zum zweiten Mal an diesem Ort auftreten, und damit kann die Allerstadt ein weiteres großes Musikereignis in ihrem Kulturkalender etablieren.

Für das Konzert, das diesmal nicht im Freien, sondern in der Aula stattfinden wird, konnte die Sinfonietta die erst 22-jährige Harfenistin Johanna Görißen gewinnen. Mit dem "Konzertstück für Harfe" op. 93 von Gabriel Pierné wird sie dem Publikum Gelegenheit geben, ein in Orchesterkonzerten eher selten er­klingendes Instrument zu entdecken. Und das auf äußerst hohem Niveau; das Stück ist nicht nur ausgesprochen vir­tuos, sondern es steht auch in Ges-Dur, was bedeutet, dass es mit ganzen sechs "b" überschrieben ist. 

"Die Harfe ist ja kein chromatisches In­strument", erklärt die junge Künstlerin, die mit acht Jahren begann, es zu lernen. "Das heißt, dass die Saiten der Stim­mung der weißen Tasten auf dem Kla­vier entsprechen. Die übrigen Halbtöne muss ich jeweils mit Hilfe der Pedale einstellen." 

Zwar gebe es die Möglichkeit, die ent­sprechende Tonart vorab einzustellen, doch abweichende Noten müssen wäh­rend des Spiels spontan "von Fuß" ein­gestellt werden, und es lässt sich denken, wie häufig dies in einem impressionisti­schen Werk, noch dazu in einer so ab­gelegenen Tonart vorkommt! Nach ei­nem Jungstudium in Hannover und dem Bachelor an der Hanns-Eisler-Hochschule in Berlin schließt Görißen derzeit in Amsterdam ihre Studien ab und hat auf dem Weg dorthin jede Menge Preise und Auszeichnungen eingesammelt.

Rein französisches Programm

"Ich durf­te meine Leiden­schaft zum Beruf machen", freut sich die junge Virtuosin, die nicht nur in Piernés Konzertstück, sondern auch im Hauptwerk des Abends eine Hauptrolle spielen wird. Denn mit Hector Berlioz' Konzertsinfonie "Harold in Italien" erklingt quasi ein Konzert für zwei Solistinnen. Dieses Stück hatte der stets ehrgeizige Paganini persönlich bei Berlioz in Auftag gegeben, um auch mal auf der Viola so richtig brillieren zu können. Doch als es fertig war, war es ihm nicht virtuos genug, und er nahm es nicht an. "Das hat er später dann aber revidiert", erzählt die Verdener Musik­pädagogin Birgit Melsheimer, Vor­standsmitglied und Pressesprecherin des Orchesters. "Jahre später, als er das Werk hörte, war er so begeistert, dass er Berlioz sogar nachträglich das Honorar zahlte." Das sei auch wirklich eine wun­derschöne Musik, findet Dehning-Busse. "Es wurde für ein erheblich größeres Or­chester geschrieben; die Viola ist im sinfonisch konzipierten Werk die 'Prima inter pares', und die Harfe sozusagen 'Se­kunda inter pares'". Die Viola konnte mit der Bremer Solistin Barbara Linke-Holi­cka besetzt werden.

Den Auftakt des rein französischen Pro­gramms macht die Ouvertüre der Oper "Pénélope" von Gabriel Fauré. "Das Stück ist nur zehn Minuten lang, aber es erzählt in dieser kurzen Zeit die ganze Handlung der Oper mit all ihren großen Motiven", verspricht Dehning-Busse.

Regelmäßige Auftritte in Verden

Die Sinfonietta Aller-Weser wurde vor 17 Jahren im Schwarmer Kulturzentrum Robberts Huus gegründet. Sie besteht aus zwischen 40 und 50 professionellen und semi-professionellen Musikerinnen und Musikern, die überwiegend aus der Re­gion zwischen Verden, Hoya und Bre­men stammen, aber zum Teil auch aus Hannover oder der Region Oldenburg zusammenkommen, um gemeinsam zu musizieren. Es gibt zwei Konzertprogramme jährlich, jeweils im Frühjahr und im Herbst. Die Proben dazu fanden bis­her an jeweils drei Wochenenden im Kulturzentrum in Schwarme statt, das ein ideales Ambiente bietet, jedoch für Proben im Corona-Modus einfach zu klein ist. Und von genau diesem Um­stand können Verdener Musikfreunde nun profitieren. Denn in den Vorjahren waren Bruchhausen-Vilsen und Lunsen regelmäßige Konzertorte der Sinfonietta. Schon nach der begeisterten Aufnahme durch das Verdener Publikum beim Neujahrskonzert 2020 in der Verdener Stadthalle entstand der Plan, auch Ver­den zu einem regelmäßigen Auftrittsort zu machen, und durch die Notwendigkeit eines größeren Raumes ist es nun auch Probenort geworden.     

15 Jahre Projektorchester                                         

Nach einer Reihe von Aufführungen mit Solisten – ganz besonders herausragend das Konzert mit Nabil Shehata in der Kirche zu Lunsen – war man vor einigen Jahren dazu übergegangen, Programme aus verschiedenen Musiknationen Euro­pas zu gestalten: Es gab unter anderem ein engli­sche, russische und auch bereits ein französisches Programm. "Das waren tolle Konzerte", erinnert sich Dehning-Busse, der mit seinen Musikern bereits den 15. Geburtstag der Sinfo­nietta feiern kann. "Für diese Saison ha­ben wir nun einfach beide Ideen kombiniert."

Das Konzert am Sonntag, 9. Okto­ber, beginnt bereits um 16 Uhr; der Eintritt ist frei. Am Schluss des Konzertes kann für die künftigen Konzertprojekte der Sinfonietta gespendet werden.  

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