Weihnachtshaus in Calle Lichterglanz in Krisenzeiten

Um die hohen Kosten ein wenig einzufangen, hat Rolf Vogt, Eigentümer des nach eigenen Angaben "größten Weihnachtshauses Europas" die Schaltzeiten reduziert. Auch bei der Deko wurde ein wenig abgerüstet.
03.12.2022, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Lichterglanz in Krisenzeiten
Von Jörn Dirk Zweibrock

Der Overall ist sein Markenzeichen. In diesem bequemen Outfit feilt Rentner Rolf Vogt (75) aus Calle bei Hoya nun schon seit Ende Mai am Comeback des nach eigenen Angaben "größten Weihnachtshauses Europas". Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause will er endlich wieder die Festbeleuchtung einschalten, alle Lampen anhaben. Und das trotz exorbitant gestiegener Stromkosten.

Doch wie trotzt Vogt, Kunde beim Grundversorger, der Energiekrise? Zum einen hat er die Schaltzeiten seiner insgesamt rund 600.000 Lämpchen um die Hälfte reduziert, statt von 17 bis 21 Uhr brennen sie nun lediglich von 18 bis 20 Uhr, zum anderen hat er bei der Illumination ein wenig "abgerüstet". "In den Corona-Jahren habe ich überhaupt nichts gemacht. Im Frühling habe ich erst gesehen, wie viele Lichter während der Pandemie eigentlich kaputtgegangen sind", erzählt der Tüftler aus der Grafschaft Hoya. Die Vorderfront habe er beispielsweise komplett neu dekorieren müssen.

Doch auch mit rund 50.000 Lämpchen weniger macht sein festlich beleuchtetes Knusperhäuschen immer noch eine Menge her. Zwei Starkstromkreise, 600.000 Lampen, 60 Steckdosen, unzählige Dreier- und Sechserstecker – so sehen die technischen Daten des Caller Weihnachtshauses aus. "Ich habe wieder rund sieben Kilometer Kabel verlegt und circa 3000 Kabelbinder in Gebrauch", rechnet Vogt vor. 

90 Prozent LEDs

Natürlich habe er auch ab und an mit technischen Defekten zu kämpfen. Im beschaulichen Calle, wo sich sonst eher Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, bleibt zwar die Versorgungssicherheit gewahrt – die "Stromausfälle", von denen der Mann im Overall spricht, sind eher der Witterung zuzuschreiben. "Warum muss es jetzt gerade regnen? Warum kann es das nicht erst im neuen Jahr tun?", fragt sich der Eigentümer des aus Funk und Fernsehen bekannten Weihnachtshauses. Die Steckdosen unter den Kübeln seien bestens gesichert, aber wenn das Wasser in die Lämpchen eindringe, sei es meistens schon zu spät. Hätte Vogt einen guten Draht zu Petrus oder könnte er den Wetterfrosch im Glas irgendwie ein wenig bestechen, würde er sich die ganze Adventszeit über trockenes Wetter wünschen. Eis und Schnee seien absolut kein Problem, die setzten seiner überdimensional großen Weihnachtsbeleuchtung nicht zu, aber diese verdammte Feuchtigkeit und das nach dem Wintereinbruch befürchtete Tauwetter. Vieles sei ja schließlich auch schon etwas in die Jahre gekommen. Obwohl – wenn man bedenkt, dass gut 90 Prozent der Lichter bereits gegen langlebigere LEDs ausgetauscht wurden, kann das Gros der Deko dann doch noch nicht so viele Jahre auf dem Buckel haben.

Stichwort Rücken: Ein weiterer Grund, warum der Senior aus Calle ein wenig abgerüstet hat, ist seiner Gesundheit geschuldet. Wegen seiner Herz-OP müsse er sich etwas schonen, könne nicht mehr wie früher wie ein junger Gott auf das Dach steigen. Seine größte Stütze sei nach wie vor seine Frau Nermin Vogt (70). Sie hilft dem "Deko-King" beim Ausrichten des kleinen Weihnachtsmarktes am Haus. Glühwein, Bratwurst, Pommes und Weihnachtssachen werden auch in dieser Saison wieder auf dem Vogtschen Grundstück verkauft. Um den Betrieb des "größten Weihnachtshauses Europa" sicherzustellen, brauche es schließlich jede Menge Einnahmen durch konsumierende Gäste.

Keine Zuschüsse vom Versorger

Wie alle anderen privaten Stromkunden auch, zahlt auch Rolf Vogt einen Grundpreis und je verbrauchter Kilowattstunde. "Vergünstigungen gibt es für den Betrieb unseres Weihnachtshauses leider nicht", bedauert er. Ohne Frage gehört es im Advent zu den touristischen Höhepunkten in der Mitte Niedersachsens. Seit dem ersten Adventswochenende blinkt und blitzt es nun wieder in Calle. "Die Besucherzahlen waren einigermaßen gut, natürlich längst nicht mit der Zeit vor der Pandemie zu vergleichen", zieht der Mann, der ständig unter Strom steht, eine erste Bilanz.

Für die nächsten Wochen hoffe er einfach auf trockenes Wetter, darauf, dass der FI-Schalter nicht allzu oft rausspringe. In den vergangenen Jahren hat Vogt in der Saison eine durchschnittliche Stromrechnung in Höhe von rund 2800 Euro gehabt. "Ich habe noch keine Ahnung, was in dieser Adventszeit auf mich zukommt, aber ich schätze mal, dass sich die Kosten mehr als verdoppeln", mutmaßt der 75-Jährige. 

Begonnen hat seine Deko-Leidenschaft übrigens im Milleniumsjahr 2000. "Als wir unseren Sohn und unsere Schwiegertochter damals in den USA besucht haben, war dort ein Haus schöner geschmückt als das andere", schwärmt Vogt noch heute von seinen Impressionen aus Amerika. Seine Frau Nermin und er flogen spontan mit zwei Reisetaschen voller Weihnachtsbeleuchtung zurück nach Deutschland und begannen daraufhin mit dem Schmücken der heimischen Hausfassade. 

Das Weihnachtshaus, Calle 32 in 27333 Bücken, erstrahlt bis zum 30. Dezember täglich von 18 bis 20 Uhr, außer an Heiligabend, im festlichen Lichterglanz. 

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