Domfestspiele Die leidenschaftliche Laiin

Hiltrud Stampa-Wrigge brennt für die Domfestspiele. Doch nicht nur als Laien-Schauspielerin arbeitet sie an dem Großevent mit. Sie leitet auch das künstlerische Betriebsbüro.
18.04.2022, 17:11
Lesedauer: 4 Min
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Von Susanne Ehrlich

Unter einem Vollblut-Schauspieler kann sich jeder etwas vorstellen. Das ist je­mand, der für seinen Beruf brennt und vollkommen mit ihm verschmolzen ist. Die Intschederin Hiltrud Stampa-Wrigge ist "Vollblut-Laiendarstellerin". Das be­deutet einfach nur, dass sie nicht vom Spiel auf der Bühne leben kann oder muss. Aber das mit dem Brennen ist un­übersehbar, und man muss sie nur auf dieses Thema ansprechen, um ihre Au­gen strahlen zu sehen und ihre Leiden­schaft zu spüren.

Für die Domfestspiele 2022 hat Hiltrud Stampa-Wrigge sozusagen ein Doppel-Engagement angenommen: Ihr wurde die Aufgabe übertragen, das künstleri­sche Betriebsbüro zu führen. "Als Hans König und Birgit Scheibe fragten, ob ich das machen will, musste ich erst mal eine Weile nachdenken", erzählt sie. Zwar trifft es sich ideal, dass die Proben direkt vor ihrer Haustür stattfinden, aber trotzdem wird sie sehr viel Zeit investieren müssen. "Es kommt sehr darauf an, dass die Kommu­nikation funktioniert. Und mit den neuen Möglichkeiten über E-Mail und What­sApp ist das viel leichter."

"Alter Hase" unterstützt Nachwuchs

Aber natürlich möchte die Hobby-Schauspielerin, die nicht nur bei den Domfestspielen, sondern auch bei der Aller Bühne ungezählte Male auf der Bühne stand, auch in diesem Jahr nicht außen vor bleiben. Deshalb hat sie gleichzeitig die Rolle der Gerda Sievers angenommen, mit der sie die Geschicke einer ziemlich illustren Familie in den Händen hält. "Ich bin die Stiefmutter der Hexe Margarethe Sievers. Bernd Maas ist mein Gatte Hans, und Peer Bauckner ist unser Sohn Peter." Zu den Akteuren, die im Stück ihre Familie sind, entwi­ckelt sich im Laufe der Zeit eine beson­dere Bindung. "Das liegt daran, dass sich in den Szenen die Beziehung immer weiter entwickelt. Ich liebe es, als 'alter Hase' die jungen Schauspieler in ihrer Entwicklung zu beobachten und zu un­terstützen."

Schnell war klar, dass sich die neue Aufgabe gut mit der Bühnenrolle ver­einbaren lässt. "Es macht einen Riesen­spaß, miterleben zu dürfen, wie das Stück immer vollständiger wird." Für sie sei es sogar ein besonderes Geschenk, auch außerhalb ihrer eigenen Szenen bei den Proben dabei sein zu können. "Ich habe dadurch eine ganz neue Per­spektive auf das Stück und auf das große Ganze."

Positive Stimmung bei den Proben

Die Probenatmosphäre genießt sie jeden Tag aufs Neue: "Hier herrscht eine superpositive Stimmung. Die Leute kommen fröhlich an und fahren noch fröhlicher wieder zurück." Viel intensiver ist für sie dadurch auch der Kontakt zur großen Domi-Familie geworden.

Das künstlerische Betriebsbüro ist Schaltstelle zwischen Regieteam, Dar­stellern und Mitarbeitern hinter der Bühne: Kostüm, Maske und Requisite dürfen bei keinem Szenenaufbau fehlen. Stampa-Wrigge muss die Probenpläne koor­dinieren, alle Plan-Änderungen kommu­nizieren und möglichst im Falle von Er­krankungen oder anderen Verhin­derun­gen dafür sorgen, dass die geplan­ten Proben trotzdem stattfinden können. "Und wenn kurzfristig Informationen weiterzugeben sind, rufe ich die Leute direkt an. Ich bin sozusagen die Telefon- und Kommunikationszentrale und halte damit der Regie den Rücken frei."

Mit­hilfe der langen Liste aller Mitwirkenden und der stets zu aktualisierenden Pro­benpläne hat sie den Überblick, wer bei jeder einzelnen Probe dabei sein muss. So ist sie es auch, die erkennt, wenn eine Probe aufgrund mehrerer gleichzeitiger Ausfälle besser abgesagt werden sollte. Bisher habe man allerdings sehr viel Glück gehabt: "Krankheit war bisher kaum ein Thema. Bei 80 Darstellern gab es bisher insgesamt nur drei längere Ausfälle." Sie klopft auf Holz: "Das ist ein guter Schnitt – vor allem bei der jet­zigen Corona-Lage." Nach wie vor wird in der Intscheder Gemeinschafts-Sport­anlage strengstens auf Hygiene geach­tet. Auch diese Verantwortung teilt Stampa-Wrigge mit dem ganzen Organi­sationsteam. "So fühle ich mich über­haupt nicht überfordert. Im Gegenteil genieße ich es, zu erleben, wie wir alle immer mehr zusammenwachsen und uns gegenseitig unterstützen."

Schon damals bühnenbegeistert

Die studierte Geologin war im Jahr 2002 mit ihrer Familie aus Kiel in den Landkreis Verden gezo­gen und hatte 2003 das Stück "Liebesleid und Mauerstreit" als Zuschauerin erlebt. Schon damals bühnenbegeistert, hatte sie sich auch bereits in das Aller-Bühnen-Team eingeklinkt, und im Jahr 2005 stand sie dann erstmals als "Bänkelsän­gerin" auf der Bühne der Domfestspiele. Gern erinnert sie sich auch an die Nachtwächterrolle zusammen mit Uwe Pekau. Doch eine Lieblingsfigur gibt es für sie nicht: "Jede Rolle hat ihren Reiz. Ich kann ja meine eigenen Akzente set­zen und werde immer genau zu der Per­son, die ich spiele."

Auch sonst ist Stampa-Wrigge ein Kind der Musen. Sie ist die Organistin ihrer Kirchengemeinde, und für die Aller­ Bühne hat sie selbst schon Stücke insze­niert. Sie liebt es, konzentriert und kon­struktiv zu arbeiten. "Die Atmosphäre hier lässt wirklich gute Arbeit zu. Man spürt, dass sämtliche Mitwirkenden richtig Spaß haben. Das war etwas, was alle sehr vermisst haben, wonach sie richtig gehungert haben." Auch vom Stück selbst ist sie begeistert: "Es hat so viele Facetten, da ist alles dabei. Es ist sehr lustig, aber auch oft berührend, und natürlich geschehen auch schreckliche Dinge." Gerade hat sie die Entstehung einer wunderbar poetischen und ziemlich erotischen Tanzszene erlebt: "Der Dom­prediger liegt im Schlaf und träumt von hübschen Frauen.  Das ist so, so schön." Und wie sie das sagt, spürt man: Mit ih­rer Begeisterung kann auch sie wirklich mitreißen.

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